Jährlich zahlen Lebensversicherungen zweistellige Milliardenbeträge an die Begünstigten von Kapitallebensversicherungen aus. Handelt es sich um einmalige Kapitalauszahlungen nach Vertragsende oder nach vorzeitiger Kündigung durch den Versicherungsnehmer, stellt sich die Frage der Wiederanlage.

Lebensversicherer tun viel, um ihren Kunden diese nicht ganz leichte Entscheidung abzunehmen.

Etwa ein Jahr vor Fälligkeit der Ablaufleistung erhalten Kunden ein Schreiben, in der die Höhe der einmaligen Kapitalauszahlung angegeben wird.

Das ist aber nicht alles. Oft wird die Information mit bestimmten Angeboten verbunden. Schließlich sind Versicherungsgesellschaften fürsorglich.

Beispielsweise erhalten Kunden Unterlagen über unterschiedliche Möglichkeiten der Wiederanlage.

Später werden Übergangslösungen ins Gespräch gebracht. Beliebt ist ein flexibles „Parkkonto“, welches jedenfalls für eine gewisse Zeit eine gegenüber dem sonst üblichen allgemeinen Zinsniveau eine recht ordentliche Rendite verspricht.

Ist das Parkkonto an keine Bedingungen geknüpft, und sind die eingehenden Kapitalbeträge jederzeit abrufbar, spricht nichts gegen die Annahme eines solchen Angebots.

Die Angebote auf eine dauerhafte Wiederanlage hingegen, sind mit großer Vorsicht zu betrachten.

Versicherungsgesellschaften haben dabei mehr ihre eigenen Interessen im Blick, als das wirtschaftliche Wohlergehen ihrer Kunden.

Das bedeutet nicht, dass jedes Angebot des Lebensversicherers von vornherein nichts taugt.

Die Begünstigten von Kapitallebensversicherungen sollten jedoch genau hinschauen, ob die angebotenen Produkte zu ihren Bedürfnissen passen und ob sie im Vergleich zu Konkurrenzangeboten wenigstens eine angemessene Rendite versprechen.

Tipps zur Wiederanlage von abgelaufenen Lebensversicherungen

Wählen Sie nicht den bequemen Weg und nehmen Sie die offerierten Finanzprodukt-Angebote einfach an. Lassen Sie sich mit ihrer Entscheidung Zeit.

Analysieren Sie Ihre persönliche und Ihre wirtschaftliche Situation. Welches Ziel verfolgten sie mit einer Investition in eine Kapitallebensversicherung?

Lässt sich dieses Ziel noch einhalten, oder ist dies wegen einer Veränderung Ihrer Lebensverhältnisse nicht mehr möglich?

Klären Sie auf der Grundlage der vorgenommenen Analyse, wie der Kapitalbetrag verwendet werden soll: zur Begleichung von Schulden, zur Bestreitung des laufenden Lebensunterhalts, als Kapitalstock für einen weiteren Vermögensaufbau?

Holen Sie sich gegebenenfalls Rat bei einem unabhängigen Berater. Die Einschaltung eines solchen Dienstleisters ist häufig sinnvoll, wenn es um größere Beträge geht, die sich sowohl für eine Verrentung als auch für den weiteren Vermögensaufbau eignen.

Kein Abschluss ohne Vergleich.

Vergleichen Sie die Konditionen einzelner Finanzprodukte sorgfältig. Schauen Sie vor allem auf die Kosten. Hohe Kosten vernichten einen Großteil möglicher Renditen.

Die optimale Wiederanlage finden

Eine auf die Bedürfnisse zugeschnittene Wiederanlage ablaufender Lebensversicherungen setzt eine Analyse der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse voraus.

Dabei spielen die persönlichen Verhältnisse, die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die Höhe des Kapitalzuflusses und das mit der Wiederanlage verfolgte Ziel eine Rolle.

Mit vier Schritten zur passenden Anlage

Hier einige Beispiele, was damit gemeint sein kann:

Der erste Schritt ist immer ein Kassensturz. Über welches Einkommen und Vermögen verfüge ich? Wie hoch sind meine Verbindlichkeiten?

Im nächsten Schritt sollte das mögliche Anlageziel definiert werden.

Geht es vornehmlich um den weiteren Vermögensaufbau? Soll mit der Kapitalleistung aus der Lebensversicherung ein Teil des Lebensunterhalts bestritten werden? Ist Schuldenabbau sinnvoll?

Beim dritten Schritt geht es um die Strategie.

Mit welcher Maßnahme bzw. mit welcher Anlageform erreiche ich das zuvor definierte Anlageziel? Welche Finanzprodukte entsprechend meinem Risikoprofil?

Im letzten Schritt geht es um die Realisierbarkeit.

Reichen die Mittel aus der abgelaufenen Lebensversicherung aus, um das von mir favorisierte Ziel zu erreichen?

Vorschläge zur Definition der Anlageziele

Welche Verwendungsstrategie empfehlenswert ist, richtet sich nach den konkreten Lebensumständen.

Wird die Lebensversicherung bereits fällig, während der Begünstigte noch erwerbstätig ist, sollte der weitere Vermögensaufbau vor allem mit Blick auf den Ruhestand Vorrang vor anderen Anlagezielen haben.

Sinnvoll sind Geldanlagen, die mit einer langfristigen oder mittelfristigen Laufzeit eine hohe Rendite versprechen.

Der Anleger muss sich darüber im Klaren sein, welches Risiko er mit seiner Geldanlage einzugehen bereit ist.

Drücken bestehende Verbindlichkeiten, kann darüber hinaus oder daneben eine Ablösung dieser Schulden eine vernünftige Lösung sein.

Ist das Rentenalter erreicht oder steht es kurz bevor, kann sich eine andere Anlagestrategie anbieten.

Die regelmäßigen Einnahmen aus gesetzlichen Renten und Betriebsrenten werden nicht die Höhe der bisherigen Einkünfte erreichen.

Deswegen wird häufig die Deckung dieser Einkommenslücke im Vordergrund stehen. Dies kann mit unterschiedlichen Maßnahmen erreicht werden, die auch miteinander kombiniert werden können.

Eine Möglichkeit ist die Entschuldung. Langfristige Verbindlichkeiten, beispielsweise ein Restkredit aus einer Hausfinanzierung, können abgelöst werden.

Die ersparten Kosten für Zinsen und Tilgung können zur Deckung der Einkommenslücke, also zur Bestreitung des laufenden Lebensunterhalts, verwendet werden.

Das mit der fälligen Lebensversicherung erlangte Kapital kann verrentet werden. Die monatlichen Entnahmen sichern dann für einen vorgegebenen Zeitraum den Lebensstandard.

Diese Lösung setzt allerdings eine bestimmte Mindesthöhe des aus der Lebensversicherung erlangten Kapitals voraus.

Beträgt beispielsweise die Ablaufleistung nur 10.000 Euro oder 20.000 Euro, wird die daraus über einen angemessenen Zeitraum hinaus erzielte Rente verschwindend gering sein.

Die Rentenhöhe hängt vom eingesetzten Kapital, der Laufzeit und von der Rendite des ausgewählten Anlageprodukts ab.

Wird das Geld in eine Sofortrente gesteckt (eigentlich kaum zu empfehlen), kann die laufende Rente beispielsweise bei einer Einmalzahlung von 100.000 Euro 400 Euro betragen und bei einer Einmalzahlung von 60.000 Euro 200 Euro.

Eine clevere Lösung ist das Aufteilen der Geldleistung aus der Lebensversicherung. Beispiel: Die Zeit des Ruhestandes wird in zwei Etappen eingeteilt. Jede Etappe beträgt 10 bis 15 Jahre.

Die Ablaufleistung aus der Lebensversicherung wird nun aufgeteilt in einen Rentenanteil und eine renditestarke Kapitalanlage. Die Laufzeit der Kapitalanlage entspricht der Laufzeit der ersten Zeitetappe.

Steht eine Ablaufleistung in Höhe von 200.000 Euro zur Verfügung, können beispielsweise 100.000 Euro in einen auf zehn Jahre begrenzten Auszahlungsplan angelegt werden, während 100.000 Euro auf zehn Jahre in passiv gemanagte Indexfonds (ETFs) investiert werden.

Ist die erste Zeitphase abgelaufen, wird die Investition in ETFs aufgelöst und in einen Auszahlungsplan gesteckt.

Möglichkeiten der Wiederanlage

Die Finanzindustrie hat ein breites Spektrum von Anlageprodukten entwickelt, die sich im Prinzip zur Wiederanlage von Beträgen aus abgelaufenen Lebensversicherungen eignen.

Anleger haben also eine große Auswahl gleichgültig, ob sie eine Verrentung des Kapitals wünschen oder auf einen weiteren Vermögensaufbau aus sind.

Die Produkte unterscheiden sich jedoch erheblich nach Risikoklasse und Rendite.

Sofortrente

Dieses Produkt ist der Liebling vieler Lebensversicherer: die Sofortrente nach Einzahlung eines Einmalbeitrags.

Der Kunde und sein Kapital bleiben im Bestand, die Leistung aus der Lebensversicherung geht also nicht verloren, es fallen alle Anfangsprovisionen erneut an; verdient wird also kräftig.

Um möglichst viele Kunden für die Anlage fälliger Lebensversicherungsleistungen in eine Sofortrente zu begeistern, haben Versicherungsgesellschaften sogar spezielle Wiederanlagemanagement-Systeme entwickelt.

Sofortrenten werden als sichere Versorgungsleistung angepriesen. Bei genauerem Hinsehen ist eher das Gegenteil der Fall. Sofortrenten sind eine ziemlich spekulative Geldanlage.

Sofortrenten sind eine Spekulation auf eine überdurchschnittliche Lebenserwartung. Versicherungen kalkulieren die Renten auf der Grundlage der durchschnittlichen Lebenserwartung, die gegenwärtig über 80 Jahre liegt.

Stirbt der Rentenbegünstigte früher, geht Kapital verloren. Wird er hingegen 90 Jahre alt oder älter, zahlt er nicht drauf, sondern gewinnt.

Stirbt der Versicherungsnehmer, wird noch vorhandenes Kapital nicht an die Erben ausgezahlt. Es verbleibt beim Versicherer.

Anderslautende Versicherungsverträge sind möglich, aber mit deutlichen Abschlägen bei den monatlichen Rentenzahlungen verbunden.

Sofortrenten sind bequem, aber unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht zu empfehlen.

Wer sich dennoch dafür entscheiden möchte, dem ist wenigstens ein umfassender Vergleich anzuraten.

Aufschlussreich ist eine Untersuchung von Finanztest vom Dezember 2015, die für einen geringen Beitrag in Höhe von 1,50 Euro als PDF Datei heruntergeladen werden kann.

Bankentnahmepläne oder Fondsauszahlungspläne

Mit einem Bankentnahmeplan wird ein Geldbetrag für einen bestimmten Zeitraum angelegt. Im Vertrag wird ein fester Zinssatz vereinbart. Übliche Laufzeiten sind fünf, zehn, oder 20 Jahre.

Vereinbart werden regelmäßige Zahlungen in gleichbleibenden Raten. Mit dem Ende der Laufzeit sind Kapitalstock und zwischenzeitlich erwirtschaftete Renditen verbraucht.

Bankentnahmepläne sind eine besonders sichere Geldanlage. Die Sicherheit wird mit einer relativ niedrigen Rendite erkauft.

Allerdings ist die Rendite immer noch etwas höher als bei Sofortrenten.

Die Laufzeit sollte nach der erwarteten Zinsentwicklung gewählt werden. Ist das Zinsniveau niedrig, sind kurze Laufzeiten empfehlenswert. Ist das Zinsniveau hoch, sind lange Laufzeiten die richtige Wahl.

Fondsauszahlungspläne funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip wie Bankentnahmepläne. Investiert wird in Fonds unterschiedlicher Risikoklasse.

Bei Fondsauszahlungsplänen muss der Kapitalstock nicht unbedingt vollständig verbraucht werden.

Möglich ist, dass die Rente nur aus den Erträgen besteht oder dass nur ein Teil des Kapitalstocks verbraucht wird.

Fondsauszahlungspläne sind wirtschaftlich lukrativer als Bankentnahmepläne. Allerdings sind sie mit einem höheren Risiko verbunden.

Möglich sind Investitionen in Renten und Anleihen, Aktien oder in eine Kombination von beiden.

Empfehlenswert sind Fondsauszahlungspläne auf der Grundlage von Indexfonds. Bei dem unterlegten Indexfonds sollten „Exoten“ vermieden werden.

Beispiele: Empfehlenswert sind Indexfonds, die in solide Aktienindices wie den MSCI World investieren.

Gemieden werden sollten solche Fonds, die in Branchenindizes oder in Emerging Market Indices investieren.

Empfehlenswert sind Indexfonds, die in Anleihen solider Industriestaaten oder gesunder Unternehmen investieren.

Nicht geeignet hingegen sind Indexfonds, die Geld in Staatsanleihen von Staaten mit schlechtem Kreditranking stecken.

Investieren in ETFs

ETFs sind börsengehandelte Indexfonds. Sie eignen sich als renditestarke Kapitalanlage, wenn

weiteres Vermögen bis zum Eintritt ins Rentenalter aufgebaut werden soll,

der Auszahlungsbetrag einer kurz vor dem Renteneintritt oder während des Rentenbezuges ablaufenden Lebensversicherung zur Bestreitung des Lebensunterhalts nicht benötigt wird,

das ausgezahlte Kapital in zwei Zeitphasen aufgeteilt wird als Geldanlage für die zweite Phase.

Je nach Risikobereitschaft kann in Anleihe-ETFs oder in Aktien-ETFs investiert werden. Eine Kombination ist natürlich möglich.

Eine Investition in Aktien sollte nur in Betracht gezogen werden, wenn an eine langfristige Geldanlage – etwa zehn Jahre – gedacht ist.

ETFs sind gegenwärtig sehr beliebt. Für Privatanleger eignen sie sich besonders, weil bei dieser Geldanlage kaum Kosten entstehen, die sich negativ auf die Rendite auswirken. Aktiv gemanagte Fonds hingegen verursachen regelmäßig hohe Kosten und schlagen nur selten die Rendite des Marktes.

Allerdings hat die findige Finanzindustrie unterdessen auch in diesem Sektor eine Reihe recht zweifelhafter Produkte entwickelt.

ETFs werden auf allerlei fragwürdige Indices herausgegeben, die von der Finanzwirtschaft neu erfunden werden.

Wichtig ist deshalb unseres Erachtens, nur in ETFs auf solide Indices zu investieren. Bei Aktien bietet sich der MSCI World, S&P 500, DAX oder Euro Stoxx an.