Nichts scheint es zu geben, was nicht als „Alternative Kapitalanlage“ dienen kann. Da wundert es nicht, dass auch Wein zur Sprache kommt. Überraschende Auktionserfolge, exorbitante Wertsteigerungen, die jede Aktienanlage in den Schatten stellen, und das Platzen von Spekulationsblasen sind Gegenstand der Berichterstattung in der Fachpresse.

Vielen mag eine Geldanlage in Wein abwegig erscheinen. Ist Wein doch ein Genussmittel mit begrenzter Haltbarkeit.

Selbst die besten Bordeaux Weine werden nach einigen Jahrzehnten ungenießbar. Tatsächlich scheinen die meisten ungewöhnlich hohen Auktionserlöse auf Zufall oder Glück zu beruhen, beides keine Basis für eine solide Kapitalanlage.

Nicht geleugnet werden kann aber, dass es anders als bei vielen alternativen Kapitalanlagen für Wein einen echten Markt gibt, ähnlich wie für Sojabohnen, Weizen, Mais, Kaffee oder Kakao.

An der Londoner Börse gibt es Wein-Indices, es gibt Wein-Fonds und es gibt sogar eine Art Wein-Future. Es gibt also alles, was das Herz spekulativ veranlagter Investoren erfreut.

Zusammenfassung und Tipps

Genaue Kenntnis über Produkt und Markt ist alles. Darin unterscheidet sich Wein nicht von anderen Geldanlagen. Entsprechendes Fachwissen ist vor allem bei einer Investition in einzelne Weine unabdingbar.

Wie ist die Qualität? Wie wird sie von Fachleuten beurteilt? Wie hoch ist die „Auflage“ und wie können die Marktchancen eingeschätzt werden?

Für Weine gibt es einen Primärmarkt und einen Sekundärmarkt.

Weine, die sich als Geldanlage eignen, können von Privatpersonen am ehesten auf Auktionen erworben werden. Abgesehen von speziellen Weinauktionen versteigern die bekannten Auktionshäuser wie Sotheby‘s ebenfalls besonders wertvolle Weine.

Nicht anders als bei Aktien ist eine Investition nur in solche Weine zu empfehlen, die das Etikett „Value“ verdienen.

In Betracht kommen vor allem Bordeaux Weine bestimmter Lagen. Darüber hinaus kommen Burgunder oder einige italienische Gewächse beispielsweise aus der Toskana infrage. Tokajer und Spitzen-Rieslings renommierter deutscher Winzer sind andere Beispiele.

Wie werden Qualität eines bestimmten Weines und seine Eignung als Kapitalanlage ermittelt? Eine Rolle spielen der Jahrgang, die Lage und die produzierte Menge. Wichtig sind natürlich darüber hinaus die „inneren Eigenschaften" eines bestimmten Weines.

Vor allem für das letzte Kriterium gibt es keine wirklich objektiven Maßstäbe. Entscheidend sind die Bewertungen anerkannter Tester. Der Guru unter ihnen ist Robert Parker, jedenfalls für Weine aus international bekannten Regionen.

Weine als Geldanlage können körperlich erworben werden, meistens kistenweise. Darüber hinaus gibt es Fonds, die das Kapital ihrer Investoren in wertvolle Weine anlegen.

Anleger können zudem Aktien einiger großer Weinproduzenten an der Börse erwerben. Mit futureartigen Berechtigungsscheinen lässt sich auf die zukünftige Preisentwicklung noch nicht in Flaschen abgefüllter Bordeaux Weine spekulieren.

In London gibt es eine Art Weinbörse, die LIV | EX (London International Vintage Exchange). Die Weinbörse stellt mehrere Indices zur Verfügung wie beispielsweise Liv-ex Fine Wine 100 oder Liv-ex Fine Wine 50. Berücksichtigt werden überwiegend Bordeaux Weine.

Die von der Börse betriebene Handelsplattform steht institutionellen Anlegern und professionellen Weinhändler zur Verfügung. Sammler können aber zur Preisfindung das Informationsangebot zum Teil kostenpflichtige nutzen.

Der Erwerb von kostbaren Weinen ist Vertrauenssache. Auch um vor Fälschungen sicher zu sein, sollten Weine nur von autorisierten Fachhändlern (Négociants) oder auf Auktionen solider Auktionshäuser erworben werden.

Wichtig sind eine professionelle Lagerung und ein einwandfreier Zustand der Flasche, insbesondere des Etiketts und der Verkorkung. Unsachgemäße Lagerung in der Vergangenheit vernichtet die Qualität des Weines.

Händler sollten eine sachgemäße Lagerung belegen können. Eine lückenlose Historie ist Kaufvoraussetzung.

Vorsicht beim Erwerb von Gelegenheitsfunden, deren Lagerung nicht nachgewiesen werden kann. Empfehlenswert ist eine Lagerung in Klimakammern. Manche Winzer bieten Investoren professionelle Lagerungsmöglichkeiten an.

Auf Diversifikation sollte geachtet werden. Wird in Wein selbst und nicht in Surrogate investiert, ist eine Investition in verschiedene Jahrgänge, unterschiedliche Lagen und unterschiedliche Weingüter sinnvoll.

Wein als Geldanlage eignet sich ausschließlich als kleine Beimischung in einem sonst gut diversifizierten Depot.

Es handelt sich eher um eine langfristige Kapitalanlage mit einem Anlagehorizont von etwa zehn Jahren.

Welche Weine als Geldanlage?

Mit Weinen reich werden, das ist immer ein Thema, wenn das interessierte Publikum von außergewöhnlich hohen Auktionspreisen erfährt.

Vor einigen Jahren beispielsweise erzielte eine Flasche Riesling bei einer Auktion in Trier sage und schreibe einen Verkaufserlös von 12.000 Euro.

Also lohnt es sich, in Rieslingweine zu investieren? Nicht unbedingt. Solche Gewinne sind nicht vorhersehbare absolute Ausnahmeerscheinungen.

Sie werden in Einzelfällen möglich, wenn ein international bekannter Winzer Rieslings anbietet, von denen nur wenige Flaschen auf dem Markt sind. Im geschilderten Fall waren es nur 22 Flaschen.

Wer Weine unter dem Gesichtspunkt der Kapitalanlage kauft, sollte sich an Produkte aus Regionen halten, die international als Geldanlage gehandelt werden und für die es bestimmte Marktregeln gibt.

Genauer betrachtet trifft dies nur für Bordeaux Weine der Spitzenklasse zu. In sehr geringem Umfang kommen auch Burgunder oder Weine aus bekannten italienischen Anbaugebieten in Betracht. Bordeaux Weine sind wie kein anderer Wein genau kategorisiert.

Die Blue Chips unter ihnen gehören der „Grand Cru“ Klasse an. Teuer und wertbeständig sind auch die Weine der nächsten Qualitätsklasse (Cru).

Die Einteilung erfolgt unter anderem nach Chateau, Lage und Jahrgang. Das Renommee eines bestimmten Jahrgangs ist ein wichtiger Preisfaktor. Entscheidenden Einfluss jedoch hat die Beurteilung des amerikanischen Weingurus Robert Parker.

Winzer lassen die im Vorjahr gelesenen Weine im Frühjahr des darauffolgenden Jahres von Experten prüfen und beurteilen.

Parker ist der einflussreichste unter den Experten. Der Weinkenner vergibt Punkte, wie es die Ratingagenturen bei Finanzprodukten tun.

Die Ratingergebnisse sind entscheidend für den Preis, den professionelle Händler (Negociants) für den noch in Fässern befindlichen, unausgereiften Wein zu zahlen bereit sind. Bordeaux Weine lagern etwa zwei Jahre.

100 Punkte stellen den höchsten Wert dar. Weine, bei denen mit einer guten Wertentwicklung zu rechnen ist, müssen über 85 Punkte erhalten.

Niedrigere Bewertungen bedeuten, dass die Weine als Kapitalanlage wertlos sind.

Die Ratings Parkers fließen in den Liv-Ex 100 Index ein. Dieser Index der Handelsplattform Portal London International Vintage Exchange gilt als Benchmark und ist ein wichtiger Faktor für die Preisbestimmung.

Der Index umfasst 100 Spitzenweine, etwa 90 davon sind Bordeaux Weine. Berücksichtigt werden nur Produkte, die wenigstens 95 Bewertungspunkte erhalten haben.

Zu den Spitzenweinen zählen beispielsweise Château Lafite-Rothschild, Château Mouton-Rothschild, Château Latour, und Château Haut-Brion oder Petrus.

Ein Beispiel für den Wein der zweiten Qualitätsstufe ist Château Léoville-Las-Cases. Produkte der zweiten Qualitätsstufe eignen sich ebenfalls zur Kapitalanlage.

Surrogate: Features und Weinfonds

Eine Investition in den Weinmarkt muss nicht unbedingt in das Produkt selbst erfolgen. Neben dem direkt Investment gibt es weitere Möglichkeiten.

Investoren können in die Produktionsstätte selbst investieren bzw. Teilhaber werden. Sie können sich an einem Weinberg beteiligen oder an einer Kellerei. Manche Weinanbaubetriebe sind börsennotiert. Anleger können in solchen Fällen Aktien erwerben.

Eine andere Möglichkeit ist die Geldanlage in Fonds, die ihrerseits in Wein investieren. Häufig handelt es sich dabei allerdings um geschlossene Investmentfonds.

Ein Beispiel ist der englische Wine Investment Fund. Der Mindestbetrag liegt bei 10.000 englischen Pfund.

Der Ausgabeaufschlag beträgt 5 %, die Managementgebühren liegen bei 2 % jährlich. Alle diese Kosten verringern die mögliche Rendite. Der Anlagehorizont soll fünf Jahre betragen.

Ein anderer Fonds ist Blue Capital von der HypoVereinsbank. ValVeri Invest setzt mit zwei Fonds auf italienische Weine.

Ein Vorteil mag vielleicht sein, dass sich Anleger um die professionelle Lagerung nicht kümmern brauchen.

Wer auf junge Weine setzt, kann von Fachhändlern Berechtigungsscheinen erwerben. Er erhält damit den Anspruch auf den späteren Erwerb der entsprechenden Weine.

Die Berechtigungsscheine werden ausgegeben, solange sich der ausgewählte Wein noch im Fass befindet. Bis zur Auslieferung können noch 2 bis 3 Jahre Vergehen.

Berechtigungsscheine sind mit Futures vergleichbar. Der Anleger kauft ein Produkt, dessen Wertentwicklung sich überhaupt nicht einschätzen lässt. Er lässt sich auf ein Spekulationsgeschäft gegen Gewährung eines Preisnachlasses ein.

Erfüllen sich die an den Wein gestellten Erwartungen, kann der Berechtigungsschein ein Vielfaches an Wert gewinnen.

Im umgekehrten Fall aber auch ein Vielfaches an Wert verlieren. Der Vorteil dieser Berechtigungsscheine: Sie sind handelbar.

Wo kaufen?

Zur Geldanlage geeignete Weine können theoretisch beim Fachhandel erworben werden. In der Regel geschieht dies jedoch nicht.

Anleger suchen häufig nach Spitzenweinen, die ihre Werthaltigkeit bereits unter Beweis gestellt haben. Der Handel mit solchen Weinen geschieht regelmäßig über Auktionen. Zunehmend werden auch junge Weine über Auktionshäuser vertrieben.

Unabdingbar ist, dass sich die Auktionshäuser mit Weinen auskennen, also über die nötige Fachkenntnis verfügen.

Bei großen Auktionshäusern wie Christie‘s oder Sotheby‘s ist das der Fall. Aber auch weniger bekannte Auktionshäuser wie Koppe &Partner in Bremen können in Betracht gezogen werden.

Auktionen eignen sich für Käufer wie für Verkäufer, die entstandene Renditen realisieren möchten. Allerdings ist die Einschaltung von Auktionshäusern keine preisgünstige Angelegenheit.

Kosten schmälern die Rendite. Aufgelder bei Käufen zwischen 10 und 15 % sollen keine Seltenheit sein. Lotgebühren, Frachtkosten nebst Transportversicherung und Umsatzsteuer kommen hinzu.

Anleger, die verkaufen möchten, werden mit einer Einlieferungsgebühr ebenfalls in Höhe von 10 bis 15 % belastet.

Wein als Investment zum Vermögensaufbau sinnvoll?

Auktionskosten und Lagergebühren bei Direktinvestitionen, hohe Ausgabeaufschläge und Verwaltungsgebühren bei Weinfonds, solche Kosten lassen sich nur über außergewöhnliche Spekulationsgewinne auffangen.

Die Anlageklasse „Wein“ ist vergleichbar mit der Geldanlage in Rohstoffen. Und ähnlich hoch ist die Risikoklasse.

Mit einer Direktinvestition in Wein lassen sich weder Dividenden noch Zinsen erwirtschaften. Anleger verdienen ausschließlich mit der möglichen Wertsteigerung.

Sie kann eintreten oder nicht. Es gibt kaum objektive Kriterien, nach denen sich die Wertentwicklung einschätzen lässt. Fonds schütten am Ende der vertraglich vereinbarten Laufzeit statt einer Geldzahlung häufig den Wein aus, in den die Manager investiert haben.

Wie bei Rohstoffen kann eine Kapitalanlage in Spitzenweine sehr volatil sein. Der Marktpreis richtet sich nach Angebot und Nachfrage.

Was heute „in“ ist, kann morgen „out“ sein. Beispielsweise hat eine verstärkte Nachfrage chinesischer und russischer Anleger nach Bordeaux Weinen zu Beginn dieses Jahrhunderts zu einer Spekulationsblase geführt, die dann in den Jahren 2010/2011 geplatzt ist.

Die hohen, in der jüngeren Vergangenheit erzielten Gewinne sind zudem eine Reaktion auf die Folgen der Finanzkrise.

Investoren waren bei der Geldanlage in Aktien und Wertpapiere zögerlich und wandten sich alternativen Kapitalanlagen zu. Unterdessen ist aber zumindestens der Aktienmarkt wieder attraktiv.

Fachleute warnen im Übrigen vor dem Erwerb verhältnismäßig preisgünstiger Bordeaux Weine, die aus China reimportiert worden sind. Neben Qualitätsmängeln (falsche Lagerung) sollen Fälschungen nicht selten sein.

Als spekulative Geldanlage eignen sich unseres Erachtens andere Rohstoffe wie Gold oder Silber, für die es einen umfangreichen Zertifikatemarkt gibt, besser.

Fällt die Entscheidung für ein Investment in Wein, eignen sich am ehesten jüngere Spitzenprodukte.

Bei Weinen aus sehr alten Jahrgängen lassen sich die wertbildenden Merkmale nur sehr schwer feststellen. Wer weiß beispielsweise genau, wie viel Flaschen eines Spitzenweins des Jahrgangs 1897 noch im Umlauf sind und ob das angebotene Produkt tatsächlich während der ganzen Zeit ordnungsgemäß gelagert wurde?

Bei jüngeren Weinen hingegen kennen Investoren die „Auflage“ und die Umstände der Lagerung recht genau.

Zudem können jüngere Weine noch getrunken werden, während sehr alte Jahrgänge in der Regel ungenießbar sind. Ein Vorteil, wenn die Renditeerwartungen in sich zusammenbrechen. Also prost!