Gerne würde ich mein Kapital in ertragsstarke ausländische Werte wie Aktien und Anleihen oder Rohstoffe anlegen, gäbe es nicht das Währungsrisiko.Nicht wenige Anleger denken so und schrecken deshalb vor einer Geldanlage in attraktive Finanzprodukte aus Ländern mit Fremdwährung zurück.

Schließlich geht es ihnen nicht um kurzfristige Spekulation, sondern um einen langfristigen Vermögensaufbau.

Banken sind verpflichtet, Kunden auf das Währungsrisiko aufmerksam zu machen. Eine solche Warnung signalisiert Risiko.

Risikoscheue Anleger werden den Hinweis auf ein mögliches Wechselkursrisiko unter Umständen zum Anlass nehmen, lieber auf attraktive Anlageformen wie ETFs auf den Aktienindex MSCI ganz zu verzichten.

Wer nicht von vornherein vor dem Wechselkursrisiko zurückschreckt, wird vielleicht nach Wegen suchen, das Währungsrisiko zu reduzieren.

Fonds mit Währungsabsicherung oder eine Absicherung Marke Eigenbau mit Optionen und Zertifikaten kommen ins Spiel.

Doch bei Geldanlagen in Wertpapieren und Rohstoffen ist keine Sicherheit wirklich umsonst. Jede Währungsabsicherung minimiert die Rendite.

Und nicht nur das. Unter bestimmten Fallkonstellationen kann eine Währungsabsicherung sogar zu Verlusten führen.

Genau genommen kann eine Währungsabsicherung bei Finanzprodukten ähnlich risikoreich sein wie das Währungsrisiko an sich.

Lesen Sie, worum es sich beim Währungsrisiko eigentlich handelt und welche Teilrisiken es gibt. Danach erklären wir, weshalb sich unserer Meinung nach Absicherungsmaßnahmen bei den meisten Anlageformen erübrigen.

Was versteht man unter Währungsrisiko?

Ein Währungsrisiko entsteht immer, wenn in ein Finanzprodukt aus dem Nicht-Euro-Ausland investiert wird. Dabei ist es gleichgültig, ob das Produkt beispielsweise an einer inländischen Börse oder an der Heimatbörse gekauft und verkauft wird.

Währungsrisiken entstehen durch Schwankungen der Wechselkurse an den Devisenmärkten.

Beispiel: Während dieser Artikel geschrieben wird, schwankt der Euro zum US-Dollar zwischen 1,1787 und 1,1788. Für einen Euro kann man also gegenwärtig 1,1788 US-Dollar erhalten. Vor einem Jahr, am 18. Oktober 2016, stand der Kurs bei 1,097 US-Dollar.

Der Euro ist gegenüber dem US-Dollar innerhalb eines Jahres also kräftig gestiegen – um knapp 7 %.

Wer am 18. Oktober 2016 einen ETF auf den Dow Jones gekauft hat, deren Titel in Dollar gehandelt werden, der hat am 18. Oktober 2017 einen rechnerischen Währungsverlust in Höhe von ca. 7 %.

Privatanleger tragen also vornehmlich das sogenannte Translationsrisiko. Das Wertverhältnis beider Währungen zueinander zum Zeitpunkt eines möglichen Verkaufs ist ungewiss.

Die Anlagewährung kann im Verhältnis zur Heimatwährung gewinnen oder verlieren. Ist die Heimatwährung der Gewinner, entstehen Währungsverluste. Gewinnt die Anlagewährung, entstehen Währungsgewinne.

Das Währungsrisiko wird vom Kursrisiko einzelner Geldanlagen überlagert. Kursrisiken gibt es immer, wenn ein Finanzprodukt an irgendeinen Markt, beispielsweise an einer Börse, gehandelt wird.

Das Zusammenspiel von Währungsrisiko und Kursrisiko muss nicht zu Verlusten führen. Verluste können auch ausgeglichen werden.

Beispiel:

Der Kurs eines ETFs auf amerikanische Aktien fällt, aber der US-Dollar ist seit dem Investitionszeitpunkt gestiegen.

Je nach dem Ausmaß der Dollarerholung wird der Kursverlust durch Wechselkursgewinne ausgeglichen, minimiert oder es entsteht sogar ein Gewinn.

Einzelheiten werden in den Kapiteln zu den einzelnen Anlageprodukten dargestellt.

Neben dem Translationsrisiko werden noch weitere Teilrisiken unterschieden: Transaktionsrisiko, Operationsrisiko und Wettbewerbsrisiko.

Diese Teilrisiken spielen jedoch bei einer Kapitalanlage durch Privatanleger keine Rolle. Sie sind für Unternehmen von Bedeutung, die Geschäfte in ausländischer Währung tätigen.

Währungsrisiken bei Aktien

Die Rendite einer Aktienanlage setzt sich, grob gesagt, aus Kursgewinnen und aus ausgeschütteten Dividenden zusammen. Wechselkursveränderungen können beide Ertragselemente beeinflussen.

Beispiel:

Eine amerikanische Aktie schüttet ihre Dividende in Höhe von 4 % in US-Dollar aus. Fällt der Dollar im Verhältnis zum Euro um 3 %, verbleibt für den ausländischen Anleger nur ein Prozent an Dividende.

Im umgekehrten Fall kann sich der Anleger aber über eine höhere, in Euro ausgezahlte, Dividende freuen.

Fällt der Euro gegenüber dem Dollar, entstehen bei amerikanischen Aktien Währungsgewinne. Fällt gleichzeitig der Kurs der Aktien, können Währungsgewinne Kursverluste ausgleichen.

Beispiel:

Der Euro fällt gegenüber dem Dollar um 7 %. Der starke Dollar beeinträchtigt die Exportgeschäfte der im Dow Jones versammelten Unternehmen.

Das beeinträchtigt die Erträge, und deshalb fällt der Kurs eines ETFs auf den Dow Jones um 5 %.

Der siebenprozentige Währungsgewinn gleicht den Kursverlust aus. Trotz der Kursverluste kassiert der Anleger noch eine Rendite in Höhe von 2 %.

Der umgekehrte Fall: Der Euro gewinnt gegenüber dem Dollar um 7 %. Wegen guter Exportgeschäfte steigt der Kurs eines ETFs auf den Dow Jones um 5 %.

Das Währungsrisiko überwiegt mit 2 %. Trotz der Kursgewinne verbucht der Anleger einen Verlust in Höhe von 2 %.

Die aufgeführten Beispiele sind natürlich etwas vereinfacht und theoretischer Natur. Sie zeigen aber, dass Wechselkursveränderungen sich nicht immer negativ auf die Rendite auswirken, sondern ebenso zu Gewinnen führen können.

Ist es aber nicht sicherer, in Aktienanlagen mit einer Währungsabsicherung zu investieren? Die Antwort lautet: nicht wirklich.

Währungsabsicherungen kosten Geld und verringern dadurch per se die Rendite. Aber das ist noch nicht alles.

Bei Aktien bringt eine Währungsabsicherung praktisch keine Vorteile, sofern die Geldanlage in Aktien langfristig angelegt ist.

Währungsgesicherte Aktienanlagen profitieren niemals von Währungsgewinnen. Kommt es bei ausländischen Aktien zu Kursverlusten, schlagen diese voll durch.

Es kann also passieren, dass das Währungsrisiko durch die Währungsabsicherung geradezu verursacht wurde.

Es gibt eine Reihe von Untersuchungen zu Unterschieden bei der Rendite von währungsgesicherten und nicht währungsgesicherten Aktienanlagen.

Je nach Auswahl der ausländischen Währung und der Entwicklung der Wechselkurse dieser Währung zur Heimatwährung sowie des betrachteten Zeitraumes ist das Ergebnis unterschiedlich.

Einmal hat eine Aktienanlage ohne Währungsabsicherung die Nase vorn, ein anderes Mal die währungsgesicherte Anlage. Je länger der Anlagezeitraum angenommen wird, desto mehr gleichen sich die Renditen beider Anlageformen an.

Speziell Aktien ETFs

Bei internationalen Aktien ETFs können bis zu drei unterschiedliche Währungen eine Rolle spielen:

In der Fondswährung wird das Fondsvermögen des Indexfonds berechnet. In der Regel entspricht die Fondswährung der Indexwährung.

In der Handelswährung wird der ETF an einer bestimmten Börse gehandelt. Das kann eine Börse auf der ganzen Welt sein.

Beispielsweise können englische Aktien ETFs oder amerikanische Papiere an der Frankfurter Börse gehandelt werden. Die Handelswährung ist dann der Euro.

Schließlich gibt es die Währung der im ETF abgebildeten Aktien. Werden die Titel nur nachher kleinen eines Landes abgebildet, sind Fondswährung und Währung der abgebildeten Titel gleich.

Für das Währungsrisiko des Anlegers ist die Währung der im ETF abgebildeten Aktien ausschlaggebend.

ETFs können Indices abbilden, die Aktien aus unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichen Währungen zusammenfassen.

Beispiele sind die in Deutschland oft empfohlenen unterschiedlichen ETFs auf den MSCI World.

Der MSCI World besteht aus knapp 60 % amerikanischen Aktien, ca. 12 % Euro-Aktien, ca. 9 % japanischen Aktien, und ca. 8 % britischen Aktien.

Kleinere Aktienanteile stammen aus der Schweiz, Kanada, Australien, Fremdwährungsländern Professor in Europa sowie weiteren Ländern.

Fazit zum Währungsrisiko bei Aktien und ETFs

Einzelaktien aus Ländern mit Fremdwährung stellen für Privatanleger am ehesten ein unverhältnismäßig hohes Risiko dar. Kursrisiko und Währungsrisiko können in Einzelfällen kumulieren und dann zu spürbaren Renditeeinbußen führen.

Wir empfehlen deshalb, grundsätzlich auf Einzelwerte zu verzichten und in ETFs zu investieren.

Der MSCI World bildet Aktien unterschiedlicher Landeswährungen ab. Die verschiedenen Währungen können sich verschieden entwickeln, sodass das Währungsrisiko gestreut wird.

Allerdings ist der „US-Dollar“ mit knapp 60 % stark vertreten. Das Währungsrisiko des MSCI wird deshalb vor allem von der Wertentwicklung des US-Dollars bestimmt.

Unter dem Gesichtspunkt des Währungsrisikos sind ETFs, die nur den Index eines bestimmten Landes abbilden, weniger empfehlenswert.

Eine Ausnahme bilden unseres Erachtens ETFs auf die amerikanischen Indices Dow Jones und S&P 500. Beide Indices enthalten einen großen Anteil an Valueaktien.

Deswegen wird das Anlagerisiko (Kursrisiko und Währungsrisiko) nicht viel größer sein als beim MSCI World mit 60 % amerikanischen Aktienanteil.

Eine Währungsabsicherung ist unseres Erachtens überflüssig, wenn über lange Zeiträume angelegt wird.

Kursschwankungen bei den Wechselkursen sind in der Regel relativ kurzfristiger Natur. Jedenfalls gilt dies für die Währungen der Industrienationen. Einen langfristigen Trend gibt es hingegen nicht.

Anders bei Aktien: Es mag kurzfristige Kurseinbrüche geben, aber langfristig stehen die Signale auf Kursgewinne.

Anleger müssen sich deshalb über Wechselkursschwankungen und Währungsrisiken keine großen Gedanken machen. Bei einem Anlagezeitraum von 10 oder 20 Jahren können Währungsrisiken praktisch vernachlässigt werden.

Währungsrisiken bei Anleihen

Anleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, die während der Laufzeit nur geringen Kursschwankungen unterliegen.

Meistens werden Zinsen einmal jährlich ausgezahlt und am Ende der Laufzeit der Anlage zahlt der Herausgeber 100 % des Nennwerts.

Bei Anleihen gibt es also regelmäßig einen festen Rückzahlungstermin. Hat der Anleger Pech, und ist die Anlagewährung beispielsweise am Rückzahlungstermin 5 % weniger wert, zahlt der Herausgeber nicht mehr 100 %, sondern nur 95 %.

Anders als bei Aktien gibt es keine Überlagerung von Kursrisiken und Währungsrisiken, durch die der Anleger in Einzelfällen sogar gewinnen kann.

In aller Regel schlägt das Währungsrisiko voll durch.

Deshalb bietet sich eine Währungsabsicherung bei Anleihen in Fremdwährung an.

Anleihen stellen in einem gut gemischten Depot eine Art Sicherheitspuffer dar. Bei geringem Risiko wird eine relativ geringe Rendite erzielt.

Der ertragsstarke Teil eines Depots wird durch Aktien oder Rohstoffe dargestellt.

Diese Rolle als Sicherheitspolster erfüllen Anleihen in Fremdwährung nur sehr unzureichend. Sind sie währungsgesichert, verringert sich durch die zusätzlichen Kosten die Rendite.

Wird auf eine Währungsabsicherung verzichtet, besteht ein Währungsrisiko, welches die Funktion von Anleihen als Sicherheitspolster beeinträchtigt.

Aus diesem Grunde sind Anleihen in Fremdwährung unseres Erachtens nicht zu empfehlen, selbst wenn die Rendite höher als bei Euro Anleihen ist.

Währungsrisiko bei Gold und Rohstoffen

Privatanleger werden kaum in Mais oder Schweinshälften investieren wollen. Deswegen beschränken wir unsere Betrachtungen auf Gold und andere Edelmetalle wie Silber und Platin. Vielleicht kommt noch Rohöl und Gas in Betracht.

Edelmetalle und überwiegend auch Rohöl oder Gas werden grundsätzlich in US-Dollar gehandelt. Deswegen kommt es hier maßgeblich darauf an, wie sich der Wechselkurs des US-Dollars zum Euro entwickelt.

Auch bei der Investition in Edelmetalle überlagern sich Kursrisiko und Währungsrisiko. Je nach der eingetretenen Konstellation können Währungsgewinne Kursverluste ausgleichen oder umgekehrt.

Im Prinzip sind deshalb Währungsabsicherungen ähnlich wie bei Aktien nicht erforderlich. Allerdings wird dabei ein häufiger Anlagezweck außer Betracht gelassen.

Viele Anleger betrachten Edelmetalle als eine Art finanzielle Absicherung in Krisenzeiten. Gerade in Krisenzeiten aber können die Wechselkurse verrückt spielen.

Gerade in Krisenzeiten kann das Währungsrisiko zu erheblichen Verlusten führen. Hinzu kommt, dass es bei Edelmetallen, die in US-Dollar gehandelt werden, keine Länderstreuung gibt.

Deswegen ist bei Edelmetallen eine Währungsabsicherung eher angebracht als bei Investitionen in Aktien ETFs.

Am einfachsten investieren Anleger nicht in körperliches Edelmetall, sondern in Surrogate. Sogenannte Quanto-Zertifikate schalten das Wechselkursrisiko weitgehend aus.

Währungsabsicherung: die Risiken.

Die Währungsabsicherung funktioniert über Gegengeschäfte mit Optionen bzw. mit Devisentermingeschäften.

Beispiel: Fällt der Dollar, verbilligt sich ein amerikanischer ETF umgerechnet auch in Euro. Das Termingeschäft verhält sich gegenläufig und gleicht den reinen Währungsverlust damit aus.

Steigt der Dollar, müsste eigentlich auch der Fondspreis in Euro steigen. Das geschieht aber nicht, weil die Verluste aus dem Gegengeschäft die Gewinne nivellieren.

Im Ergebnis sollten Wechselkursschwankungen bei der Geldanlage in Fremdwährungen überhaupt keine Rolle spielen, wenn eine Währungsabsicherung vorhanden ist. Leider ist dies häufig nur Theorie.

In der Praxis können Währungsschwankungen kaum vollständig ausgeglichen werden. Das gelänge nur, wenn Fondsmanager Gegengeschäfte in extrem kurzen Zeitintervallen eingehen würden.

In der Praxis geschieht dies aus Kostengründen meistens nur einmal monatlich. Dadurch ist der währungsgesicherten Betrag entweder zu hoch oder zu niedrig. In beiden Fällen funktioniert die Währungsabsicherung nicht zu 100 %.

Beispiel: Am 1. Oktober 2016 beträgt das Fondsvermögen (amerikanische Aktien) 100 Millionen Dollar.

Die Kurse steigen, sodass am 10. Oktober sich das Fondsvermögen auf 110 Millionen Euro erhöht.

10 Millionen Euro sind jetzt nicht währungsgesichert. Erst am 1. November werden dann bestehende Kursgewinne in die abzuschließenden Gegengeschäfte einbezogen.

Gegengeschäfte kosten Geld. Kosten wirken sich immer negativ auf die Rendite aus.

Die Höhe der Kosten richtet sich nach der Zinshöhe in den unterschiedlichen Währungsräumen. Sind die Zinsen in den USA höher als in den Euroländern, entstehen beim Fondsmanagement Verluste.

Sind die Zinsen in den USA niedriger als in den Euroländern, können unter bestimmten Umständen sogar Gewinne entstehen.

Fazit:

Die Währungsabsicherung funktioniert nur selten zu 100 % und kann mit erheblichen Kosten verbunden sein.

Die Währungsabsicherung ist darüber hinaus eine Spekulation darauf, dass das Währungsrisiko tatsächlich zu Verlusten führt.

Wie oben dargestellt, müssen bei Aktien und bei Edelmetallen wie Gold durch das Währungsrisiko keinesfalls immer Verluste entstehen.

Da sich Kursrisiko und Währungsrisiko überlagern, können durch Wechselkursveränderungen ebenso Gewinne entstehen.