Privatanlegern ausführliche Informationen über die Risiken bei der Geldanlage zu ermöglichen, das war ein besonderes Anliegen des Gesetzgebers nach der Finanzkrise.

Nach Paragraf 31 WpHG müssen Banken und andere Finanzdienstleister, die Geldanlagen vermitteln, das Risikoprofil und den Wissensstand ihrer Kunden ermitteln, damit sie anlegergerechte Finanzprodukte anbieten und kompetent beraten können.

Kunden werden in Risikoklassen unterteilt, und den vorgegebenen Risikoklassen werden passende Produkte zur Kapitalanlage zugeordnet.

Für Fonds gibt es außerdem eine gesonderte Einteilung in Risikoklassen.

Ertragsstarke und kostengünstige Kapitalanlagen in allen Risikoklassen bieten Robo Advisor wie

fintego

oder

Ginmon

an. Beide Robo Advisor investieren das Geld ihrer Kunden breit gestreut in ETFs und erzielen damit gute Renditen.

Anleger müssen im KIID (Key Investor Information Document) darüber aufgeklärt werden, welcher Fonds-Risikoklasse das Finanzprodukt aktuell zuzuordnen ist.

Neben anlegerbezogenen und produktbezogenen Risikoeinteilungen gibt es weitere allgemeine Anlegerrisiken, über die Privatanleger zusätzlich aufgeklärt werden müssen.

Dazu gehören die konjunkturellen Einflüsse auf die jeweilige Geldanlage.

Nicht alle Risiken bei der Kapitalanlage sind unmittelbar produktbezogenen oder anlegerbezogen.

Solche allgemeinen Risiken werden bei den verschiedenen Risikoklassen nicht erfasst.

Sie können sich aber dennoch entweder negativ oder positiv auf einen bestimmten Geldanlagetyp auswirken.

Selbst Finanzprodukte der niedrigsten Risikoklasse können davon betroffen sein.

Risikoklasse: Definition

Mithilfe von Fragebögen ermitteln Banken und andere Finanzdienstleister die für eine passende Geldanlage ausschlaggebenden Lebensumstände, bereits bestehende Erfahrungen mit Kapitalanlagen und die Risikobereitschaft ihrer Kunden.

Auf der Grundlage solcher Informationen werden Kunden einer bestimmten zuvor definierten Risikoklasse zugeordnet.

Jede Risikoklasse verfügt über ein abstraktes „Portfolio“ unterschiedlicher Geldanlageprodukte, die dem definierten Risikoprofil in etwa entsprechen.

Für die Einteilung der allgemeinen Risikoklassen bei der Geldanlage gibt es keine bindenden Vorschriften.

Sie wird deshalb auch von den Banken unterschiedlich vorgenommen. Meistens bilden Finanzdienstleister vier, fünf oder sechs verschiedene vordefinierte Risikoklassen.

Eine höhere Risikoklasse umfasst auch alle Produkte jeder niedrigeren Risikoklasse.

Risikoklasse 1: Sicherheit, Kapitalerhalt und kurzfristige Verfügbarkeit stehen im Vordergrund. Praktisch kein produktbezogenes Risiko.

Beispiele: Euro Geldanlagen wie einlagengesicherte Spareinlagen, Sparbriefe, Pfandbriefe, kurzfristige Festgelder, Tagesgelder, Bausparverträge und Euro-Geldmarkfonds. Die vom Anleger ins Auge gefasste Anlagedauer spielt hier keine Rolle.

Risikoklasse 2: Sicherheitsorientierung, aber mit Zinsrisiko.

Beispiel: herkömmliche Kapitallebensversicherungen mit Garantiezins. Fondsgebundene Produkte gehören nicht in diese Kategorie, ebenso nicht die sogenannten „modernen Formen der Kapitallebensversicherung“.

Sinnvoll ist ein sehr langer Anlagehorizont, um die Renditemöglichkeiten voll ausschöpfen zu können.

Risikoklasse 3: Konservativ sicherheitsorientiert aber zum Zinsrisiko gesellt sich ein nicht ganz unwesentliches Kursrisiko.

Beispiele: festverzinsliche Wertpapiere, Euro Anleihen mit guter Bonität, geldmarktnahe Fonds und Rentenfonds aus dem Euroraum.

Die geplante Anlagedauer sollte wenigstens mittelfristig sein, etwa drei Jahre und darüber.

Risikoklasse 4: Solide ertragsorientiert aber Zins- und deutliches Kursrisiko.

Beispiele: Aktien, Aktienfonds, ETFs mit soliden europäischen Standardwerten oder mit internationalen Standardwerten (Marktführern), ETFs auf MSCI World, internationale Renten- und Mischfonds guter Bonität.

Zur Minimierung des Kursrisikos ist eine lange Anlagedauer ab 10 Jahren sinnvoll.

Risikoklasse 5: Spekulativ. Totalverlust unwahrscheinlich aber möglich.

Beispiele: alle Aktien und Finanzprodukte auf Aktien, die nicht den qualitativen Anforderungen unter Risikoklasse 4 genügen, zum Beispiel Nebenwerte, OTC Aktien, Aktien aus Drittländern. Zudem Zertifikate, Währungsanleihen mittlerer Bonität, Hochzins Staatsanleihen, nachrangige Sparbriefe, Genussscheine und solides Mezzanine Kapital.

Die Anlagedauer ist hier vom einzelnen Produkt abhängig. In jedem Fall muss der Markt eng beobachtet werden. Häufige Umschichtungen sind regelmäßig erforderlich.

Risikoklasse 6: Extrem spekulativ, Totalverlust möglich, Risiko übersteigt Ertragschancen.

Beispiele: Optionsscheine, Futures, Optionen, Junk Anleihen, besonders risikoreiche Nebenwerte zum Beispiel aus Drittländern. Keine generelle Empfehlung zur Anlagedauer.

Risikoeinteilung bei Fonds

Für Fonds gibt es eine gesonderte Einteilung in 7 Risikoklassen. Die Einteilung ist hier vorgegeben und wird im KIID mitgeteilt.

Banken ordnen oft die besonderen Fonds-Risikoklassen während des Beratungsgesprächs den 4 – 6 kundenorientierten hauseigenen Risikoklassen zu.

So kann es vorkommen, dass ein Fonds der Klasse sieben der kundenbezogenen bankeigenen Risikoklasse drei entspricht.

1. Sicherheit ist entscheidend: Kapitalerhalt vor Ertragskraft. Weitgehender Ausschluss des Emittentenrisikos. Fast das einzige Beispiel: Geldmarkfonds

2. Sicherheitsorientiert: Fonds mit geringen Risiken. Begrenzte Ertragschancen aber stabile Wertentwicklung. Geringe Wertschwankungen. Beispiel: Rentenfonds mit ausgezeichneter Bonität.

3. Konservativ: erwartet werden höhere Erträge wenigstens auf Kapitalmarktzinsniveau bei ausgeglichenem Ertrags-/Risikoverhältnis und möglichst stabilen Kursen. Kursschwankungen müssen sich in Grenzen halten. Beispiel: Mischfonds mit hohem Rentenanteil (defensiv ausgerichtet).

4. Ausgewogenes Ertrags-/Risikoverhältnis: Ertrag über dem Kapitalmarktzinsniveau bei erhöhtem Risiko von Kursausschlägen. Beispiel: Offensive Mischfonds mit höherem Aktienanteil.

5. Konservativ wachstumsorientiert: ertragsstarke Fonds bei unvermeidbar hohen Wertschwankungen. Beispiele: Offensive Mischfonds, Aktienfonds auf solide Standardwerte, wobei die Aktienanlage defensiv (konservativ) ist.

6. Wachstumsorientiert: Geldanlage mit hohen Ertragsaussichten, eine hohe Schwankungsbreite (Volatilität) ist die Regel: Beispiele: ertragsorientierte Aktienfonds, Dividendenfonds, Value-Aktienfonds.

7. Spekulative Fonds: bei außergewöhnlichen Ertragschancen werden extreme Wertschwankungen in Kauf genommen. Totalverlust ist möglich. Risiko übersteigt häufig die Aussicht auf Gewinn deutlich. Beispiele: Hedgefonds, Drittländerfonds, Branchenfonds, Spezialfonds auf bestimmte Surrogate.

Die Einstufung der Fonds ist überwiegend abhängig von ihrer Volatilität, also vom Ausmaß der Kursschwankungen, die über einen Zeitraum der vergangenen 5 Jahre gemessen wird.

Schwankungsanfälligkeiten können sich aber mit der Zeit ändern. Die Folge kann die Einstufung des Fonds in eine höhere oder eine niedrigere Risikostufe sein.

Zur Beurteilung der Qualität eines einzelnen Fonds gibt es bestimmte Ratingmethoden.

Rohstoffe, Edelmetalle, Immobilien

In Edelmetalle und Rohstoffe kann man auf unterschiedliche Weise investieren: direkt oder über diverse Surrogate.

Wer in Gold, Silber oder Öl investiert, verzichtet auf Zinsen oder Dividenden. Wertsteigerungen entstehen allein durch mögliche Kursgewinne.

Rohstoffe und Edelmetalle unterliegen heftigen Kursschwankungen, aber ein Totalverlust ist niemals möglich.

Bei 5 Risikoklassen würden wir Direktinvestitionen der Risikoklasse 4 zuordnen. Manche Fachpublikationen sind allerdings optimistischer, was die Risikoanfälligkeit angeht.

Eine generelle Einteilung offener Immobilienfonds ist wegen der unterschiedlichen Qualität der Objekte, in die investiert wird, praktisch nicht möglich.

Am besten ist eine Einteilung in bestimmte Risikostufen, die sich an den Basiswerten orientiert:

  • Einkaufszentren und/oder voll vermietete Büro- oder Wohnimmobilien in Toplagen wie Frankfurt, Hamburg, Düsseldorf oder München.
  • Büro- und Wohnimmobilien eventuell mit wenigen Leerstände, sowie Einkaufszentren in Großstädten (bis 1B Lage).
  • Alle anderen

Ziffer 1 entspricht der allgemeinen Risikoklasse 2 oder 3.

Solche Immobilienfonds sind für private Anleger geeignet.

Geschlossene Immobilienfonds hingegen gehören alle in die höchste Risikoklasse. Die Geldanlage darin ist spekulativ.

Allgemeine Risiken der Geldanlage

Neben den verschiedenen Einstufungen in Risikoklassen unterliegen Geldanlagen Risiken, die mit den Produkten selbst nichts unmittelbar zu tun haben.

Treten diese ein, wirken sie sich jedoch je nach Anlageart unterschiedlich auf ein konkretes Finanzprodukt aus. Hier ein paar wichtige Beispiele. Die Liste ist bei weitem nicht vollständig.

Politische Risiken: Fundamentale politische Krisen können sich nachhaltig auf den Finanzsektor auswirken.

Die Regel ist aber, dass Krisenerscheinungen nur kurzfristige Auswirkungen haben. Schwerwiegender sind wirtschaftspolitische, steuerpolitische, zinspolitische und konjunkturpolitische Maßnahmen, die das Wirtschaftswachstum und damit die Finanzmärkte mittel- und langfristig beeinflussen können.

Beispiele: Die lockere Geldpolitik nach der Finanzkrise mit geringen Leitzinsen stützt den Aktienmarkt und macht Rentenpapiere uninteressant. Eine Erhöhung der Wertpapierbesteuerung vermindert die Nettorendite.

Konjunkturelle Risiken: Konjunkturelle Entwicklungen rufen häufig Gegenmaßnahmen der Notenbanken und der Regierungen hervor.

Neben konjunkturellen Entwicklungen können solche Gegenmaßnahmen ebenfalls Auswirkungen auf Kapitalanlagen haben.

Beispiele: Hohes Wirtschaftswachstum lässt die Aktienkurse steigen. Bei Überhitzung entsteht aber eine Spekulationsblase, die einen Crash zur Folge haben kann. Eine Rezession vernichtet Erträge von Unternehmen, die Kurse fallen.

Eine Lockerung der Zinspolitik führt zu Optimismus auf den Aktienmärkten. Aktienkurse steigen und Anleger schichten Kapital aus Rentenpapieren in Aktien um.

Inflationsrisiko: Der Realwert der Kapitalanlage sowie der daraus erwirtschafteten Erträge sinkt. In manchen Fällen kann nicht einmal ein Inflationsausgleich sichergestellt werden.

Beispiel: Der Anleger investiert bei einer Inflationsrate von einem Prozent und niedrigem Leitzinsniveau in Festgeld mit fünfjähriger Laufzeit und zweiprozentiger Verzinsung.

Nach 2 Jahren steigt die Inflation auf 5 Prozent, weil die Konjunktur anzieht. Gleichzeitig steigen die Leitzinsen, um eine konjunkturelle Überhitzung von vornherein einzudämmen.

Währungsrisiko: Wird Geld in Finanzprodukte angelegt, die auf eine fremde Währung lauten, besteht ein Wechselkursrisiko.

Steigt der Wert der Heimatwährung gegenüber der Fremdwährung, entstehen Verluste. Im umgekehrten Fall entstehen Gewinne.

Das Fremdwährungsrisiko entsteht nicht, nur wenn beispielsweise Aktien, die auf US-Dollar lauten, an einer Börse in den USA gekauft werden.

Es entsteht ebenso, wenn die Aktie an einer Börse in Deutschland geordert wird.

Wie nützlich sind Risikoklassen?

Risikoeinstufungen können für Privatanleger eine grobe Orientierungshilfe sein. Mehr als das sind sie jedoch nicht.

Anleger sollten sich bewusst sein, dass die Zuordnung bestimmter Geldanlagen in eine Risikoklasse immer ein bewertender subjektiver Vorgang ist, und weniger nach allgemeingültigen objektiv richtigen Maßstäben erfolgt.

Zudem sagt die Zuordnung eines bestimmten Geldanlageprodukts in eine Risikokategorie noch nichts über dessen Qualität aus.

Beispiele:

Rentenfonds gehören der Risikoklasse 3 (nach der von uns gewählten Einteilung) an. Aber ein konkreter Rentenfonds kann schlechter gemanagt sein als der Durchschnitt, und deshalb erreichen auch die Dividenden nicht die durchschnittlichen Werte.

ETFs auf Aktienindices können eine schlechtere oder sogar eine bessere Performance aufweisen als der Basiswert. Oder sie können mit der Wertentwicklung des Basiswerts punktgenau mithalten. Gleichgültig wie der Wertentwicklung des konkreten ETFs ist, alle gehören derselben Risikoklasse an.

Wichtiger als die Beachtung von Risikoklassen sind eine effektive Strategie für den Vermögensaufbau und die Investition in Qualitätspapiere.

Entsprechend dem selbst abgeschätzten Risikoprofil sollte ein Portfolio immer möglichst breit gestreut werden:

Cashreserve (Tagesgeld), festverzinsliche Wertpapiere, Qualitätsaktien in einem vorher festgesetzten Verhältnis.

Der Aktienanteil stabilisiert die Rendite, die anderen beiden Komponenten gleichen das durch den Aktienanteil etwas erhöhte Risiko aus.

Die prozentuale Aufteilung sollte sich vornehmlich nach dem Alter und nach der geplanten Anlagedauer richten.

Je jünger der Anleger ist und je länger die geplante Anlagedauer ist, desto höher kann der Aktienanteil sein.

Ab einem bestimmten Alter, zum Beispiel ab 55, ist eine schrittweise Umschichtung von Aktien in festverzinsliche Wertpapiere und damit eine Reduzierung des Aktienanteils vor allem für ihr sicherheitsorientierte Anleger empfehlenswert.