Soll man eine private Unfallversicherung abschließen? Diese Frage lässt sich allgemein natürlich nicht einfach beantworten, sondern es kommt immer auf die individuellen Verhältnisse an.

Die Vereinbarung einer Police ist dann empfehlenswert, wenn anders kein hinreichender Risikoschutz zu erreichen ist.

Dort, wo die gesetzliche Unfallversicherung greift, gewährt diese ausreichenden Schutz.
Arbeitnehmer sind also angemessen für Unfälle am Arbeitsplatz und auf dem Arbeitsweg abgesichert.

Für diesen Lebensbereich ist eine private Unfallversicherung nur sinnvoll, wenn man zusätzliche Leistungen für notwendig hält.

Auch ehrenamtliche Helfer, Kinder in Kindergärten und in der Schule, Studenten und Haushaltshilfen erhalten über gesetzliche Pflichtversicherung eine Grundabsicherung.

Berufsunfähigkeitsversicherungen sind eigentlich die bessere Alternative zur privaten Unfallversicherung. Doch nicht alle haben das Glück, eine gute Versicherungspolice zu ergattern.

Die Aufnahmekriterien sind streng, und Vorerkrankungen führen häufig zu unangemessenen Bedingungen oder zum Ausschluss.

Ist eine BU-Versicherung nicht möglich, kann eine private Unfallversicherung sinnvoll sein. Sie sichert zwar nicht das Erkrankungsrisiko aber wenigstens das Unfallrisiko ab.

Eine echte Versicherungslücke besteht im privaten Bereich, also zuhause und in der Freizeit.

In diesen Lebensbereichen entstehen zahlenmäßig die meisten Unfälle. Doch nur in den wenigsten Fällen wird dadurch Invalidität ausgelöst, die zu Ansprüchen aus der Unfallversicherung führt.

Auch wenn Unfälle häufig relativ harmlos sind, kann eine private Unfallversicherung doch sinnvoll sein.

Das gilt vor allem für Hausfrauen und Kinder. Allerdings tritt der Versicherer nur bei unfallbedingter Invalidität ein.

Unübersichtliche Tarife erschweren Vergleich

Wer sich für eine Unfallversicherung entscheidet, möchte natürlich eine günstige Police abschließen.

Unfallversicherungen lassen sich jedoch nur schwer untereinander vergleichen. Die Tarife sind unübersichtlich und unterscheiden sich erheblich im Leistungsumfang.

Unterschiede gibt es beispielsweise bei der Beitragszahlung, der Auszahlung der Versicherungsleistung und in den über die Grundabsicherung hinaus gebotenen Zusatzleistungen.

Stichworte sind hier Todesfallleistungen, Progression, Beitragsrückerstattung, Sofortleistungen, Krankenhaustagegeld oder Ersatz der Aufwendungen für Operationen und Bergungskosten.

Ein guter Onlinevergleich findet sich auf der Webseite des

Portals Tarifcheck 24.

Nutzer können die Angebote zur Grundabsicherung vergleichen lassen oder Zusatzleistungen in den Vergleich von vornherein mit einbeziehen.

Gibt es keine günstigen Tarifangebote für eine ausgewählte Kombination, kann der Rechner neu gestartet werden.

Mit dem Rechner des Vergleichsportals findet jeder eine günstige Unfallversicherung zu jährlichen Beiträgen beginnend mit etwa 60 € jährlich.

Was ist eine Unfallversicherung?

Unfallversicherungen sind Risikoversicherungen.

Sie treten ein, wenn durch einen Unfall Invalidität verursacht worden ist. Invaliditätsversicherung bedeutet, dass die körperliche und/oder geistige Leistungsfähigkeit auf Dauer beeinträchtigt ist.

Private Unfallversicherungen bieten, anders als gesetzliche, weltweiten Versicherungsschutz rund um die Uhr.

Es gibt jedoch ebenso sogenannte Ausschnittsdeckungen. Das sind Versicherungen die ausschließlich vertraglich definierte Unfälle absichern. Ein Beispiel ist die Insassenunfallversicherung.

Invaliditätsgrad

Der Grad der Invalidität wird nach einer vertraglich vereinbarten Gliedertaxe bemessen. Darin ist geregelt, wie der Verlust oder die Funktionsunfähigkeit einzelner Gliedmaßen in Bezug auf den Leistungsumfang bewertet wird.

Die Funktionsunfähigkeit rumpfnäherer Gliedmaßen schließt diejenige der rumpfferneren Gliedmaßen ein.

Ist der Invaliditätsgrad des rumpfferneren Gliedes höher, stellt dieser Wert die Untergrenze für Invaliditätsleistung dar.

Erweiterter Unfallbegriff

Für die Eintrittspflicht dem Grunde nach ist der Unfallbegriff entscheidend.

Nach Paragraph 178 VVG liegt ein Unfall vor, wenn die versicherte Person durch ein plötzlich von außen auf ihren Körper wirkendes Ereignis unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung erleidet.

Vielfach erweitern Versicherer diese Definition.

Sie bieten auch Versicherungsschutz, wenn aufgrund einer erhöhten Kraftanstrengung an Gliedmaßen oder Wirbelsäule ohne Einwirkung von außen Schäden an Gliedmaßen entstehen.

Grundsätzlich führt das Auftreten von Krankheiten nicht zu einer Einstandspflicht. Es gibt aber Versicherungsverträge, die das anders regeln.

So können schwerste Erkrankungen, wenn sie erstmalig auftreten, einem Unfall gleichgestellt sein (Herzinfarkt oder Krebs). Gleiches gilt für tauchtypische Erkrankungen.

Ist Gebrechlichkeit für den Unfall oder für die Invalidität mitursächlich, kommt es zu einer Kürzung der Versicherungsleistung. Soll dies vermieden werden, bedarf es einer besonderen Vereinbarung.

Manche Versicherer bieten einen erweiterten Invaliditätsschutz für Kinder an. Dann ist bei einer Unfallversicherung für Kinder die Ursache nicht relevant. Geleistet wird auch, wenn durch eine Krankheit Invalidität verursacht wird.

Leistungen der Unfallversicherung

Tritt der Versicherungsfall ein, werden einmalige Kapitalleistungen und/oder regelmäßige Rentenzahlungen erbracht.

Bei der Grundabsicherung werden die Leistungen frühestens zwölf Monate nach dem Unfall fällig.

Der Versicherungsnehmer muss nicht selbst Leistungsempfänger sein. Unfallversicherungen können auch für dritte Personen abgeschlossen werden.
Zusatzleistungen

Es gibt darüber hinaus eine Reihe von Zusatzleistungen, die von den Versicherungsgesellschaften in unterschiedlichen Zusammensetzungen angeboten werden.

Beispiele sind Progressionsvereinbarungen bei höheren Invaliditätsgraden und ein vertraglich gesondert vereinbartes “Upgrade” der Gliedertaxe.

Außerdem gibt es Verträge mit Sofortleistung bei besonders schweren Verletzungen, Übergangsleistungen und Vorschusszahlungen.

Gesondert vereinbart werden können darüber hinaus bestimmte Zusatzleistungen wie Krankenhaustagegeld, Ersatz von Bergungskosten, Beihilfen zu Kuren oder die Übernahme von Kosten für kosmetische Operationen.

Es gibt auch Ökoklauseln, nach denen die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (teilweise) erstattet wird, oder Seniorenklauseln, die zeitlich befristet Kosten für gewisse Serviceleistungen übernehmen, wie Essen auf Rädern und Aufwendungen für die Haushaltsführung.

Todesfallversicherung

Besondere Bedeutung hat die Mitversicherung des durch einen Unfall verursachten Todesfalles.

Die Todesfallversicherung wird meistens fällig, wenn der Versicherte innerhalb eines Jahres nach dem Unfall an dessen Folgen stirbt.

Zusatzvereinbarungen dieser Art sind sinnvoll, weil andernfalls die Unfallversicherung im Falle des Todes trotz sehr schwerer Verletzungen ins Leere geht.

Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr

Es handelt sich um eine sogenannte steigende gemischte Versicherung.

Neben der Risikokomponente (Unfallschutz) wird eine Kapitallebensversicherung abgeschlossen.

Beiträge werden für beide Komponenten fällig. Deswegen sind sie deutlich höher als bei isolierten Unfallversicherungen.

Die Beitragskomponente für die Lebensversicherung enthält einen Sparbeitrag, mit dem die Versicherung die Kapitallebensversicherung angespart.

Bei Vertragsende oder im Todesfall entsteht eine Ablaufleistung, die sich aus einer Garantieverzinsungen und diversen gegebenenfalls erwirtschafteten Überschussbeteiligungen zusammensetzt.

Mit dieser Ablaufleistung werden die Prämien erstattet.

Unfallversicherungen mit Beitragsrückgewähr sind für den Versicherten ein schlechtes Geschäft.

Die Beiträge beinhalten nämlich nicht nur Sparbeiträge, sondern außerdem hohe Kosten, Abschlussgebühren und Vermittlungsprovisionen für die Lebensversicherung.
Außerdem sind die Renditen deutscher Lebensversicherungen eher mager.

Deswegen raten viele Fachleute zu Recht vom Abschluss einer Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr ab.

Grundsätzlich ist es besser, Risikoschutz und Kapitalanlage voneinander zu trennen. Private Unfallversicherung und Sparprodukte sind zwei Paar Schuhe.