Pantoffel-Portfolio, so bezeichnet die Stiftung Warentest ihren vor einigen Jahren vorgestellten Vorschlag, wie Privatanleger ohne großen Aufwand ihr Geld lukrativ und ihrem Risikoprofil entsprechend anlegen können.

Vorgeschlagen werden mehrere Musterportfolios, die im wesentlichen aus einem Aktienanteil und einem Rentenanteil zusammengesetzt werden.

Die Gewichtung richtet sich nach der Risikobereitschaft des Anlegers.

Für mehr risikofreudige Privatinvestoren werden Beimischungen wie Rohstoffe oder Wertpapiere aus Emerging Market Ländern empfohlen.

Angelegt wird nicht in Einzelwerte, sondern es wird eine Investition in ETFs, börsennotierte Indexfonds, vorgeschlagen.

Die Stiftung Warentest unterbreitet Vorschläge, welche ETFs infrage kommen können.

Das Anlagekonzept wird von der einschlägigen Fachpresse durchweg gelobt. Ähnlich gehen Robo Adviser wie

Ginmon

oder

fintego

vor.

Der Finanzdienstleister Ginmon beispielsweise bietet Anlegern zehn Anlagestrategien  in unterschiedlichen Risikoklassen auf ETF Basis an und übernimmt gegen eine geringe Gebühr das Management einschließlich des Rebalancings.

Die Servicegebühr beträgt 0,75 % vom Anlagebetrag. Die internen Fondskosten (TER) liegen zwischen 0,17 % und 0,23 % (apeironinvest) bzw. 0,21 % und 0,28 % (apeirongreen).

Beispiel: Bei einem Anlagebetrag in Höhe von 10.000 € in der Anlageklasse zehn sind dies 75 € und 22,91 € (apeironinvest) sowie 75 € und 27,53 € (apeirongreen).

Gegen diese Art der Kreditanlage gibt es auch kritische Stimmen, oft aus der Ecke der Fondswirtschaft.

Die vorgeschlagenen Pantoffel-Portfolios beispielsweise seien fantasielos, passives Anlageverhalten sei zudem eine Geldanlagestrategie für Faule, die aus Bequemlichkeit auf aktives Portfolio-Management sowie Rendite verzichten und kritiklos und fremdbestimmt fantasielose Anlagekonzepte übernehmen.

Wir meinen, diese Kritik ist Blödsinn. Pantoffel-Portfolios erwirtschaften über längere Zeiträume akzeptable Renditen, die kaum ein aktiv gemanagter Fonds erreicht.

Die Stiftung Warentest bezeichnet ihre Strategie augenzwinkernd als „Geldanlage für Faule“, weil das Depot nur selten umgeschichtet und auf Trends nicht durch wildes Traden reagiert wird.

Man kann auch sagen Pantoffel Portfolios sind eine Geldanlage für kluge Köpfe.

Wer langfristig in ETFs investiert profitiert bei breiter Streuung des angelegten Kapitals von den tendenziell positiven Marktentwicklungen und spart renditevernichtende Kosten.

Nicht ohne Grund empfiehlt Warren Buffett, der erfolgreichste Investor der Gegenwart, Privatanlegern, in ETFs zu investieren und Einzelwerte sowie teure, aktiv gemanagte Investmentfonds möglichst zu meiden.

Sieben verschiedene Portfolios

Finanztest stellt sieben Musterportfolios vor und gibt Empfehlungen, in welche ETFs Anleger investieren könnten.

Die Portfolios unterscheiden sich in der Auswahl des ertragsorientierten Anteils (Aktienanteil und Rohstoffe).

Der sichere Anteil in allen Portfolios wird mit europäischen Rentenfonds dargestellt.

Vorgeschlagen wird der ETF db x-trackers iBoxx € Sovereigns Eurozone, der den Index iBoxx € Sovereigns Eurozone abbildet.

Der Index enthält Staatsanleihen von elf Euroländern, deren Finanzen als solide eingeschätzt werden.

Jedes Musterportfolio wird in drei Risikoklassen mit unterschiedlichem Rentenanteil eingeteilt: ertragsorientiert mit einem Rentenanteil von 25 %, ausgewogen mit einem Rentenanteil von 50 % und sicher mit einem Rentenanteil von 75 %.

Das Musterportfolio Welt besteht aus nur zwei ETFs. Der Aktienanteil wird mit einem ETF auf den MSCI World dargestellt. Der Vorschlag lautet iShares MSCI World.

Das auf die europäische Region ausgerichtete Portfolio enthält einen ETF auf den MSCI Europe. Vorgeschlagen wird der ComStage MSCI Europe.

Das Deutschland Portfolio enthält neben dem Rentenanteil einen ETF auf den MSCI Germany (Amudi MSCI Germany)

Das Substanzwertportfolio setzt beim Aktienanteil auf europäische Aktien mit hohen Dividendenerwartungen.

Der passende Index lautet MSCI Europe Value. Beim vorgeschlagenen ETF handelt es sich um den db x-trackers MSCI Europe Value.

Das Pantoffel-Portfolio mit dem Namen „Tiger“ besteht aus drei Fonds.

Neben dem üblichen Renten-ETF und dem ETF auf den MSCI World wird als Beimischung ein ETF empfohlen, der Aktien aus den Schwellenländern berücksichtigt (ursprünglich Länder aus Asien, deshalb die Bezeichnung „Tiger“).

Empfohlen wird der ETF Crédit Suisse MSCI Emerging Markets.

Der Rohstoffpantoffel besteht ebenfalls aus drei ETFs. Als Beimischung dient ein Rohstofffonds von IShares (iShares DJ UBS Commodity).

Das siebente Musterportfolio investiert beim Aktienanteil in europäische Wachstumswerte. Der Vorschlag für den passenden ETF lautet Amundi MSCI Europe Growth.

Vermögensaufbau mit Pantoffel-Portfolios

Pantoffel-Portfolios eignen sich für Anleger, deren Ziel ein solider, kontinuierlicher Vermögensaufbau ist.

Wer nicht spekulieren, sondern mit Wertpapieren Vermögen ansammeln möchte, der muss langfristig denken.

Investoren sollten bereit sein, eine bestimmte Strategie konsequent durchzuhalten.

Aktien und Renten unterliegen Kursschwankungen, und die Wertentwicklung dieser Papiere ist von äußeren Einflüssen wie Krisen abhängig.

Das bedeutet, Anleger müssen sich auf zwischenzeitliche Verluste einstellen.

Erfolgreiche Investoren lassen sich davon nicht beeindrucken. Sie behalten die Nerven, selbst wenn „die Kanonen donnern“.

Je langfristiger der Anlagehorizont ausgerichtet ist, desto eher ist eine angemessene durchschnittliche Rendite garantiert.

Eine Geldanlage mit jährlichen Durchschnittskrediten von 4 bis 6 % kann als erfolgreich angesehen werden.

Wie entscheidend der Zeitfaktor ist und wie sehr es auf einen ausreichend langen Anlagezeitraum ankommt, wird durch S&P 500 Chart beispielhaft verdeutlicht.

Die Daten dazu und die Daten für alle anderen Charts stammen von https://de.investing.com/indices/.

S&P500 Langfrist-Chartshttps://de.investing.com/indices/us-spx-500


Wer 1999 einen ETF auf diesen Leitindex gekauft hat, brauchte zweimal gute Nerven.

Die Kurse brachen nach dem Platzen der Technologieblase und den Terroranschlägen auf das World Trade Center in den Jahren 2000 und 2001 ein, sowie ein weiteres Mal 2008 im Zuge der Finanzkrise.

Wurde trotz dieser Kurseinbrüche an der einmal eingeschlagenen Anlagestrategie festgehalten, konnten dennoch über den gesamten Zeitraum gute durchschnittliche Renditen erwirtschaftet werden.

Wer sich zu antizyklischen Investitionen hat durchringen können, der hatte durch Zukäufe während der beiden Krisen Gelegenheit, die Einstiegskurse des Aktienanteils deutlich zu verbilligen und damit die Rendite noch zusätzlich zu erhöhen.

Der Aktienchart zeigt darüber hinaus, wie wichtig eine Mischung zwischen Aktien, Renten und gegebenenfalls festverzinslichen Geldanlagen ist.

Renten entwickeln sich meistens gegenläufig zur Wertentwicklung der Aktien. Der Factsheed des von der Stiftung Warentest empfohlenen Anleihe-ETFs zeigt dies eindrucksvoll.

https://etf.deutscheam.com/DEU/DEU/Download/Factsheet/LU0321463258/DBX0AW/Short-iBoxx-Sovereigns-Eurozone-Daily-UCITS-ETF

Screenshot Factsheet Anleihe ETF

Deswegen dämpfen Renten in aller Regel Wertverluste während schlechter Börsenzeiten.

Laufen Aktien hingegen gut, bringen Renten oft eine relativ geringe Rendite. Ein sowohl mit Aktien als auch mit Renten ausgestattetes Depot stabilisiert also die Wertentwicklung der Geldanlage.

Ertragschancen und Bewertung

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Welche Portfoliovariante bringt die beste Rendite?

Für die Wertentwicklung der Pantoffelportfolios sind zwei Faktoren ausschlaggebend: der Rentenanteil am Portfolio und die Auswahl des Risikoanteils (die Auswahl der Aktienindices).

Finanztest selbst hat für alle Portfolios Musterrechnungen für den Zeitraum 1999 bis 2012 durchgeführt. Am besten schnitten bei allen Portfolios diejenigen Depots ab, die den Aktienanteil auf 25 % beschränkten.

Bei diesen Portfolios waren darüber hinaus die zwischenzeitlich aufgetretenen maximalen Verluste am geringsten die durchschnittliche Rendite bewegte sich zwischen ca. 4 % und 5 %.

Allerdings war der untersuchten Zeitraum gekennzeichnet durch zwei ungewöhnliche Krisensituationen an den Aktienbörsen.

Renditeentwicklungen der Vergangenheit haben nur eingeschränkten Aussagewert für zukünftige Ertragserwartungen.

Bei einer Berücksichtigung der Zeiträume bis Ende 2016 hätten die Berechnungen sehr viel anders ausgesehen. Der Grund: die Renditen bei Anleihen sind eingebrochen.

In der Regel sind risikoausgewogene Depots mit gleichen Aktienanteilen und Rentenanteilen am ehesten zu empfehlen. Erreichen die Aktienkurse einen Höchststand nach dem anderen, liegen zukünftige Kursrückgänge nahe.

Anleger, die sich davor fürchten, können zunächst den Aktienanteil in ihrem Portfolio gering halten, um ihn bei Kursrückgängen aufzustocken.

Möglich ist darüber hinaus eine kontinuierliche Aufstockung etwa durch regelmäßige monatliche oder vierteljährliche Zukäufe.

Wie soll der Aktienanteil beschaffen sein? Die Antwort lautet: Je breiter die Streuung desto besser. Unter dieser Prämisse ist der Tigerpantoffel erste Wahl.

Der MSCI World berücksichtigt nur die entwickelten Industrieländer.

Wer „in die ganze Welt“, also auch in Emerging Markets in Asien und Südamerika oder Afrika investieren möchte, muss zusätzlich einen ETF auf den MSCI Emerging Markets kaufen.

Hier ein Schaubild über die Kursentwicklung des MSCI World:

MSCI World Charthttps://www.msci.com/world


Der MSCI Emerging Market zeigt einen ähnlich volatilen Kursverlauf:

Chart MSI Emerging Markets https://www.msci.com/emerging-markets


Eine Beimischung von Aktien aus Schwellenländern erhöht das Risiko bei allen Portfoliovarianten.

Schwellenländer sind krisenanfälliger, in ihnen sind nur wenige Valueaktien- Unternehmen beheimatet und die Märkte sind volatiler..

Deswegen ist vielleicht der Weltpantoffel für Privatanleger, die die Märkte nicht ständig analysieren möchten, doch sinnvoller.

Erwägenswert ist außerdem, statt in den MSCI World alternativ in den S&P 500 zu investieren.

Der MSCI World besteht zu knapp 60 % aus amerikanischen Aktien. Noch sind die amerikanischen Börsen Leitbörsen, an deren Entwicklung sich andere Aktienmärkte orientieren.

Der Aktienchart der amerikanischen Leitbörse (siehe unter Kapitel eins) verdeutlicht, dass es in den letzten zehn Jahren kaum unterschiedliche Marktentwicklungen gegeben hat.

Oft entwickelt sich der S&P 500 sogar etwas besser als andere Aktienmärkte, selten ist es umgekehrt.

Last but not least – die Kosten: Theoretisch können Pantoffelportfolio aus aktiv gemanagten Fonds anstelle von ETFs gebildet werden. Doch das ist in keinem Fall empfehlenswert.

Anleger sollten dem Versuch von Vermittlern und Anlageberatern widerstehen und sich keine aktiv gemanagten Fonds aufschwatzen lassen.

Verwaltungsgebühren, Erfolgsprovisionen und Ausgabeaufschläge lassen die Renditen schmelzen. Hinzu kommt, kaum ein aktiv verwalteter Fonds erreicht die Rendite des als Benchmark dienenden Indexes.

ETFs hingegen sollten jährliche Kosten bis höchstens ein Prozent verursachen. Die geringen Kosten sind ein Erfolgsgeheimnis der Pantoffelportfolios

Tipps

Halten Sie immer wenigstens eine kleine Cashreserve (Tagesgeld) bereit.

Gemeint ist nicht der Notgroschen, der außerdem sinnvoll sein kann. Die Cashreserve soll vielmehr außerplanmäßigen Zukäufen und Nachkäufen dienen.

Für die Risikozusammensetzung eines Portfolios ist unseres Erachtens vor allem das Einstiegsalter des Anlegers ausschlaggebend.

Je später mit der Geldanlage begonnen wird, desto höher sollte der Anteil festverzinslicher Wertpapiere sein.

Die vorgeschlagenen ETFs auf Aktienindices und Rohstoffindices müssen nicht zwingend gekauft werden.

Einen guten Überblick über Investitionsmöglichkeiten in ETFs gibt die Webseite https://www.justetf.com. Wichtig ist aber die Geldanlage in ETFs, die die jeweiligen Indices abbilden.

Unseres Erachtens gibt es allerdings eine Ausnahme: Der MSCI World kann durch den S&P 500 ersetzt werden.

Welche Aktien berücksichtigen die verschiedenen MSCI Indices? Informieren Sie sich, bevor sie investieren. Hier die Links:

MSCI World: https://www.msci.com/documents/10199/178e6643-6ae6-47b9-82be-e1fc565ededb

MSCI Emerging Markets: https://www.msci.com/documents/10199/c0db0a48-01f2-4ba9-ad01-226fd5678111

MSCI Europe Growth: https://www.msci.com/documents/10199/e738bb7a-5c03-4394-a31d-55a44f924731

MSCI Europe Value: https://www.msci.com/documents/10199/4e4d5dac-4ddd-4c0b-8484-c47c2b2fb5ae

MSCI Europe: https://www.msci.com/documents/10199/db217f4c-cc8c-4e21-9fac-60eb6a47faf0

MSCI Germany: https://www.msci.com/documents/10199/d76361cb-d5a5-4185-97ce-ec5e3dd5bf2e

DJ UBS Commodity: http://www.mrci.com/client/djubs.phpdas ist ein

Der sichere Anteil kann im Prinzip auch in Tagesgeld dargestellt werden (irgendwann sind die Zeiten der Niedrigstzinsen vorbei).

Anders als bei Renten unterliegt Tagesgeld überhaupt keinen Kursschwankungen. Renten können hingegen geringen Kursschwankungen unterliegen.

Tagesgeld empfiehlt sich beispielsweise, wenn mit steigenden Zinsen zu rechnen ist und/oder die Renditen bei Renten im Zeitpunkt der Investition besonders niedrig sind.

Werden Renten gewählt, sollten Anleger beim von Finanztest vorgeschlagenen ETF bleiben.

Zwar gibt es breiter aufgestellte ETFs, die Anleihen auch aus nicht Euro Ländern berücksichtigen. Wegen des Währungsrisikos sind sie jedoch nicht zu empfehlen.

Die Stiftung Warentest empfiehlt zutreffend, relativ wenig umzuschichten, um die ursprüngliche Portfoliozusammensetzung wieder herzustellen.

Einmal im Jahr reicht in jedem Fall. Eine Umschichtung ist überhaupt nur erwägenswert, wenn die Abweichungen deutlich ausfallen.

Von Umschichtungen durch Kauf und Verkauf einzelner Portfoliobestandteile halten wir eigentlich wenig.

Besser ist es unseres Erachtens, die ursprüngliche Gewichtung durch Zukäufe wiederherzustellen. Investieren Sie immer antizyklisch.

Kosten sind Renditekiller. Vermeiden Sie deshalb aktiv gemanagte Fonds. Investieren Sie ausschließlich in ETFs.

Achten Sie auch auf Handelskosten und Depotkosten. Sehr häufig sind Filialbanken zu teuer. Wechseln Sie dann zu einem günstigen Onlinebroker.

Wie hoch sollte die angelegte Summe wenigstens sein? Finanztest empfiehlt einen Anfangsbetrag von wenigstens 10.000 Euro. Besser ist der doppelte Anfangsbetrag, sofern die Finanzen dies zulassen.

In Pantoffel-Portfolios kann in Raten investiert werden. Ebenso kann eine Anfangssumme mit Raten kombiniert werden.

Meiden sie aber Fondssparverträge und Ähnliches. Sparen Sie zunächst größere Beträge an, und investieren Sie dann zum Beispiel in Halbjahres- oder Jahresabständen.

Kluge Anleger investieren, wenn die Kurse niedrig sind. Vor allem bei Aktien sollte man antizyklisch agieren.

Sind die Aktienkurse weltweit über lange Zeiträume ungewöhnlich angestiegen (wie gegenwärtig, August 2021) ist etwas Vorsicht angesagt.

Vielleicht ist es sinnvoll, den Aktienanteil zunächst gering zu halten und die 25 % Variante zu wählen, um dann später in einem günstigen Zeitpunkt bei Kursrücksetzern nachzukaufen.

Investoren, die ihr Geld langfristig anlegen, müssen sich aber um den richtigen Kaufzeitpunkt keine großen Sorgen machen.

Langfristig bedeutet hier aber wenigstens zehn Jahre, besser länger. Schauen Sie sich die Charts in diesem Artikel an.