„Der Schrei“ von Edvard Munch für über 100 Millionen Dollar, ein Graffito des Afroamerikaners Basquiat für knapp 50 Millionen Dollar, ein Vincent van Gogh Gemälde wird für 82 Millionen Dollar ersteigert; und Gemälde von Marc Rothko, einem amerikanischen Maler der Stilrichtung abstrakter Expressionismus, erzielen manchmal ähnlich hohe Beträge.

Auktionen mit solchen Ergebnissen wecken immer das Interesse der Öffentlichkeit und interessierter Investoren.

Gelten sie doch als Beleg dafür, was für eine lukrative Geldanlage Kunstwerke sein können.

Und nicht nur das: Ist eine Geldanlage in Kunst nicht krisensicher ähnlich wie eine Investition in Gold oder andere Edelmetalle?

Besonders seit der Finanzkrise, die eine Flucht in alternative Geldanlagen ausgelöst hat, boomt der Kunstmarkt.

Von jährlichen Renditen bis zu 15 % ist manchmal die Rede. Kunstfonds versprechen Diversifikation.

Fachleute empfehlen Kleinanlegern, in Werke junger Künstler oder in moderne Kunst überhaupt zu investieren, um an den exorbitanten Wertsteigerungen und Renditeaussichten zu partizipieren.

Andere warnen vor Kunst als Geldanlage. Die Investition in Gemälde, Plastiken oder künstlerische Fotografien sei nichts anderes als ein Glücksspiel.

Der Kunstmarkt sei noch weniger vorhersehbar als der ungeregelte Aktienmarkt und fast noch spekulativer.

In der Tat, wer Kunst allein als Geldanlage betrachtet, der wird nicht selten schwer enttäuscht.

In Gemälde und andere Kunstwerke zu investieren, um Vermögen aufzubauen oder für das Alter vorzusorgen, wäre ein gravierender Fehler.

Wer aber Freude an Kunst hat, der macht keinen Fehler, nicht nur zu kaufen, was einem gefällt, sondern auch auf die Werthaltigkeit zu achten.

Zusammenfassung und Tipps:

Informieren Sie sich gründlich über den Kunstmarkt, bevor Sie einen Kauf tätigen.

Besuchen Sie wichtige Ausstellungen, lesen Sie Fachzeitschriften und andere Publikationen. Verfolgen Sie wichtige Auktionen. Nehmen Sie auch Kontakt zu Galerien auf.

Bauen Sie persönliche Kontakte zur Künstlerscene auf.

Gespräche mit Künstlern sind immer anregend und eine Bereicherung. Kunstinteressierten eröffnet sich oft eine neue interessante Welt, und sie können auf diese Weise viel über die Arbeiten ihres Gesprächspartners lernen.

Manchmal ist es außerdem recht interessant, wie ein bestimmter Künstler die Werke eines Kollegen oder einer ganzen Epoche beurteilt.

Unseres Erachtens gibt es keine bessere Möglichkeit, ein Gespür für den Kunstmarkt zu entwickeln, als durch persönliche Gespräche und Kontakte mit Künstlern.

Kaufen Sie nur Kunstwerke, die ihnen gefallen. Manchmal ist es eine bestimmte Kunstrichtung, die Sie, oft spontan, besonders anspricht. Manchmal ist es ein einzelner Künstler, dessen Werke Sie auf Anhieb mögen.

Laufen Sie keinem Trend hinterher ohne Rücksicht darauf, ob sie persönlich mit den Kunstwerken „etwas anfangen können“.

Das Ergebnis kann frustrierend ausfallen. Trends können sich schnell umkehren, und aus einem teuren Kunstwerk kann plötzlich ein relativ preisgünstiges werden.

Haben Sie etwas gekauft, was Sie eigentlich nicht mögen, ist die Enttäuschung doppelt groß.

Lassen Sie sich von mehreren Experten beraten. Verspricht die bevorzugte Stilrichtung oder das ausgewählte Werk eines bestimmten Künstlers eine gewisse Werthaltigkeit?

Oft werden Sie recht unterschiedliche Beurteilungen erhalten. Objektive Wertmaßstäbe sind bei Kunst noch weniger möglich als bei risikoreichen Wertpapieren. Keiner kann in die Zukunft blicken.

Wenn Sie sich für das Werk eines bestimmten, gegenwärtig noch tätigen, Künstlers entscheiden, sollten Sie sich dessen Werdegang genau anschauen.

Von Vorteil ist, wenn der Künstler seit etwa 10 bis 20 Jahren tätig ist, regelmäßig verkauft, bereits auf eine Anzahl von Ausstellungen von einiger Bedeutung im In- und Ausland hinweisen kann und außerdem die eine oder andere Auszeichnung erhalten hat.

Nicht jedes Werk einer bestimmten Kunstepoche und nicht jedes Bild eines Malers ist von guter Qualität.

Holen Sie deshalb in jedem Fall ein unabhängiges Gutachten ein, bevor Sie für ein Kunstwerk viel Geld ausgeben. Wichtig ist ein Echtheitszertifikat, wenn sie Kunstwerke aus früheren Epochen kaufen.

Gehen Sie nicht davon aus, dass mit der Zeit Wertsteigerungen sicher sind. Betrachten Sie eine Investition in Kunstwerke als Wagniskapital, dass sie gegebenenfalls ohne weiteres abschreiben können.

Wer Kunst allein als spekulative Geldanlage betrachtet, sollte eine Investition in Kunstfonds in Erwägung ziehen.

In aller Regel handelt es sich um geschlossene Fonds, mit den für diese Anlageform typischen Risiken.

Eine große Auswahl gibt es gegenwärtig, soweit ersichtlich, nicht. In jedem Fall ist eine breite Streuung anzuraten.

Wer nur in ein Kunstwerk investiert, ist vom Erfolg oder vom Misserfolg eines bestimmten Künstlers abhängig.

Die Besonderheiten des Kunstmarkts

Der Kunstmarkt ist weder reguliert noch kalkulierbar oder transparent.

Das unterscheidet ihn von den Finanzmärkten. Zwar lässt sich die zukünftige Entwicklung der Finanzmärkte kaum einschätzen.

Es gibt aber doch wenigstens einige Kriterien, nach denen die Werthaltigkeit einzelner Finanzprodukte beurteilt werden kann.

Der innere Wert von Aktien beispielsweise hängt letztlich von der Qualität des ausgebenden Unternehmens ab. Die kann anhand von Kennzahlen eingeschätzt werden.

Bei Kunstwerken ist das nicht möglich. Es gibt keine objektiven Bewertungskriterien.

Die Bewertung erfolgt subjektiv und ist oft gänzlich abhängig von bestimmten Trends, die sich jederzeit ändern können. Es gibt auch anders als bei Wertpapieren keine regulierten Märkte.

Gute Beispiele für die Unberechenbarkeit des Kunstmarktes sind manche Auktionsergebnisse, die häufig erheblich von den Schätzwerten abweichen.

Kunstliebhaber, die über genügend liquide Mittel verfügen, können die Preise für ein bestimmtes Gemälde unangemessen in die Höhe treiben.

Genau dies ist in der jüngeren Vergangenheit oft geschehen.

Dadurch kann der Eindruck entstehen, dass der Kunstmarkt besonders attraktive Renditen verspricht.

Die exorbitanten Ergebnisse einzelner Auktionen bei Christie‘s (495 Millionen Dollar in wenigen Stunden am 15. Mai 2013) oder Sotheby‘s unterstreichen diesen Eindruck. In Wahrheit jedoch handelt es sich um nichts anderes als um eine Spekulationsblase.

Fast 80 % des gesamten weltweiten Kunsthandels werden zwischen privaten Marktteilnehmern abgewickelt und nicht über öffentliche Auktionen.

Wenige „Gurus“ haben wirklich Einfluss auf weltweite Preistrends. Auch das unterstreicht die Undurchsichtigkeit und Unkalkulierbarkeit des Kunstmarktes.

Marktplätze für Kunst

Kunstliebhaber und private Anleger werden in vielen Fällen nicht die Möglichkeit haben, die extrem hohen Kaufpreise für die „BlueChips“ des Kunstmarkts aufzubringen.

In der Regel wird empfohlen, in Gegenwartskunst zu investieren, wenn es um das Thema Geldanlage in Gemälde und andere Kunstwerke geht:

Wie bei Wagniskapital üblich, investiert man in Werke junger, noch unbekannter Künstler und hofft darauf, dass sie irgendwann berühmt werden.

Für den Erwerb erschwinglicher Kunstwerke gibt es eine Reihe von Möglichkeiten. Keinesfalls sind Kunstliebhaber auf die großen Auktionshäuser Christie‘s oder Sotheby‘s angewiesen.

In der Regel werden sie dort auch nicht finden, was ihnen gefällt und zu ihrem Geldbeutel passt.

Eine gute Adresse ist das deutscher Auktionshaus Ketterer. Die meisten Lose liegen dort deutlich unter 100.000 Euro.

Das ist nichts Besonderes, denn weltweit liegen die Preise für Kunstwerke überwiegend unter 5.000 Dollar.

Ketterer verfügt über ein Internet Auktionshaus. Die Startpreise geben einen guten Überblick darüber, was auf dem Kunstmarkt tatsächlich los ist.

Artnet bietet umfassende Informationen zum Kunstmarkt und außerdem einige Auktionen.

Von Zeit zu Zeit finden Kunstbörsen statt, auf denen sich Kunstliebhaber informieren und auch Gegenwartskunst erwerben können.

Selbstverständlich kann Kunst auch über Galerien erworben werden. Manche Künstler veräußern ihre Werke exklusiv über eine bestimmte Galerie oder über mehrere Galerien. Andere Künstler verkaufen auch direkt.

Auch bei eBay gibt es einen Kunstmarkt. Gemälde und andere Kunstwerke können direkt von privat erworben werden. Außerdem findet man einige Galerien, die eBay zum Absatz von Kunstwerken nutzen.

Der angemessene Preis

Einen detaillierten Überblick über die Ergebnisse öffentlicher Auktionen gibt das Kunstportal https://de.artprice.com/.

Nach eigenen Angaben umfasst die Datenbank Ergebnisse von über 30 Millionen Auktionen. Der Zugang ist kostenpflichtig.

Die Gebühr für ein Abonnement Bank beträgt gegenwärtig 30 Euro. Einen guten Preis Überblick findet man außerdem bei Artnet.de.

Wer in die Werke jüngerer Künstler investieren möchte, der kann sich an eine einfache Faustregel halten.

Gemälde werden nach Größe bezahlt. Zunächst werden die Länge und die Breite des Bildes in Zentimetern festgestellt. Beide Werte werden addiert und mit dem Faktor zehn multipliziert.

Auf diese Weise erhält man einen Basispreis. Dieser Preis erhöht sich schrittweise mit dem Erfolg und dem Bekanntheitsgrad des Künstlers.

Hat sich der Künstler beispielsweise durch eigene Ausstellungen mit Verkaufserfolge bereits etabliert, mag der Faktor 20 oder 30 angemessen sein.

Kunstfonds

Kunstfonds sind reine Geldanlage-Instrumente.

Offene Kunstfonds kommen so gut wie nicht vor. In der Regel handelt es sich um geschlossene Kunstfonds.

Der Investor wird Gesellschafter einer Fondsgesellschaft, deren Geschäftsfeld der Erwerb, das Halten und die Veräußerung von Kunstgegenständen ist.

In der Regel wird von vornherein festgelegt, wann und unter welchen Voraussetzungen die erworbenen Kunstgegenstände wieder veräußert werden.

Eventuell erzielte Erträge werden an die Gesellschafter ausgeschüttet. Sind alle Kunstwerke verkauft, wird der Fonds aufgelöst. In der Regel soll die Lebensdauer eines Kunstfonds etwa 10 bis 20 Jahre betragen.

Die Initiatoren eines geschlossenen Kunstfonds legen im Vorfeld fest, welche Investitionssumme eingesammelt werden soll.

Ist dieser Betrag erreicht, wird der Fonds geschlossen. Weitere Geldanlagen werden dann nicht mehr akzeptiert.

Die Mindesteinlagen sind regelmäßig verhältnismäßig hoch und können schon einmal 500.000 Euro betragen. Kunstfonds eignen sich unseres Erachtens bestenfalls als Beimischung in einem gut diversifizierten Portfolio.

Gegenwärtig mag es etwa weltweit 100 Kunstfonds geben.

Die meisten davon wurden in China aufgelegt. Kunstfonds investieren nicht nur in Gemälde, Grafiken oder Plastiken, sondern auch in Antiquitäten oder künstlerische Fotografien.

Renditeaussichten und Risiken

Renditen von 10 bis 15 %, solche Versprechungen hat man in der Vergangenheit oft gehört.

Leider haben sie sich regelmäßig nicht erfüllt. Ein Grund sind die hohen Kosten, die mit dem Verkauf auf dem Zweitmarkt verbunden sind.

Und natürlich muss das Kunstwerk auf dem Markt überhaupt verkaufbar sein.

Realistischer sind einstellige Renditeaussichten, und das auch nur vor Kosten. Berücksichtigt werden müssen hohe Aufgelder bis zu 25 % und zusätzliche Weiterverkaufskosten, die durchaus 10 % betragen können.

Auch Transportkosten können den Auktionserlös schmälern. Insgesamt bleiben die Renditen hinter denen von Wertpapieren ähnlicher Risikoklasse wie Investitionen in Kunst deutlich zurück.

Gleiches gilt für Kunstfonds, sofern sie kleinere Mindestanlagen akzeptieren. In der Regel bleibt der gewünschte Erfolg aus. Anleger sind besser beraten, direkt in Kunstwerke zu investieren.

Der Kunstmarkt unterliegt erheblichen Schwankungen und unterscheidet sich darin kaum vom Aktienmarkt.

Solche Schwankungen können teilweise ausgeglichen werden, wenn ein langer Anlagehorizont, wenigstens 10 bis 20 Jahre, besteht.

Der Kunstmarkt sei unabhängig von den Schwankungen der Finanzmärkte. Diese Aussage ist insoweit richtig, als es keinen unmittelbaren Zusammenhang gibt.

Fallen Aktienmärkte oder Rentenmärkte, gibt es keine direkten Auswirkungen auf den Kunstmarkt. Jedoch gibt es einen indirekten Zusammenhang, wie die Entwicklung des Kunstmarktes während der Finanzkrise beispielhaft gezeigt hat.

Viele Investoren flüchteten in Sachinvestitionen und lösten deshalb, jedenfalls nach der Auffassung vieler Fachleute, eine Überbewertung des Kunstmarktes aus.

Ähnlich wie Edelmetalle kann es bei Kunstwerken zu keinem Totalverlust kommen. Diese Aussage mag zutreffen, soweit es sich um sogenannte Blue Chips handelt, also um hochpreisige „Klassiker“.

Kunst als Krisenwährung setzt jedoch voraus, dass Anleger Modetrends konsequent meiden und zudem nur sehr hochwertige Kunstwerke einer bestimmten Kunstrichtung erwerben.

Wer während einer Hype Werke von zweit- oder drittklassigen Künstlern einer bestimmten Kunstrichtung erwirbt, riskiert erhebliche Verluste.

In Kunst sollte um der Kunst selbst willen investiert werden. Kann dabei gleichzeitig eine Rendite erzielt werden, ist dies ein schöner Nebeneffekt. Eine Geldanlage zum Aufbau von Vermögen ist hingegen ein anderes Thema.