Geldmarktfonds sind in Deutschland noch nicht lange zugelassen. Es gibt sie seit 1994. geldmarktähnliche Fonds wurden hingegen bereits 1990 erlaubt.

Zunächst konnte von einem Siegeszug dieser Fondsart gesprochen werden. Während es 1994 nur 27 Fonds mit einem Vermögen von 25.052 Millionen € gab, waren es 2007 bereits 248 Fonds mit einem Gesamtvermögen von 100.799 Millionen €.

Konservative Anleger investierten langfristig in diese neue Geldanlagemöglichkeit mit guten Renditen, andere Investoren nutzten Geldmarktfonds als lukrative kurzfristige Cashreserve.

Der Siegeszug wurde allerdings recht abrupt durch die Finanzkrise beendet. Einige Geldmarktfonds hatten sich mit "Subprime Mortgages" eingelassen und gerieten dadurch in Zahlungsschwierigkeiten.

Der Ruf als stabile, sichere Geldanlage mit guten Renditen war daraufhin reichlich angeschlagen.

Richtig eng wurde es für Geldmarktfonds, als die Niedrigzinspolitik der EZB einsetzte.

Besonders seit dem Beschluss über Negativzinsen finden Geldmarktfonds kaum noch geeignete Investitionsmöglichkeiten, die den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.

Denn die infrage kommenden Referenzzinssätze tendieren alle gegen null.

Tipps zu Geldmarktfonds

Gegenwärtig (Ende 2018) ist selbst Tagesgeld vor allem für Privatanleger lukrativer.

Das wird sich ändern, sobald die EZB die Niedrigzinspolitik aufgibt.

Dann können Anleger vielleicht wieder davon profitieren, dass Investmentfondsgesellschaften mit den Banken leicht bessere Bedingungen aushandeln können, als sie das Tagesgeld bietet.

Außerdem ist eine große Anzahl von Rechtsvorschriften auch für Geldmarktfonds erlassen worden, die Anleger vor Verlusten und Finanzkrisen schützen sollen.

Geldmarktfonds eignen sich – jedenfalls in normalen Zinszeiten – besonders als Cashreserve in einem bestehenden Wertpapierdepot.

Für Privatanleger ohne Depot eignen sich in der Regel Tagesgelder oder kurzfristige Festgelder besser, besonders wenn nur kleinere Beträge zur Verfügung stehen.

Gegenwärtig  sind Tages- und kurzlaufende Festgelder prinzipiell vorzuziehen, da wegen der niedrigen Zinsen und der Negativzinsen der EZB Geldmarktfonds praktisch keine Rendite mehr erwirtschaften.

Privatanleger sollten ausschließlich in Geldmarktfonds investieren, die ihrerseits nur in solide Bankguthaben und solide Anleihen mit geringer Laufzeit investieren.

Weniger erfahrene Anleger, die das Investitionsverhalten des Fonds nicht aus eigener Kenntnis beurteilen können, sollten immer auf Tagesgeld oder Festgeld ausweichen.

Ein Indiz für gute Geldmarktfonds, allerdings keine Garantie, ist eine überdurchschnittliche Rendite über längere Zeiträume in der Vergangenheit.

Wichtig ist die Kostenstruktur. Üblich sind Verwaltungsgebühren in Höhe von höchstens 0,1 – 0,2 % der Anlagesumme. Geldmarktfonds die Ausgabeaufschläge verlangen, sind wegen negativer Auswirkungen auf die Rendite ungeeignet.

Manche Geldmarktfonds oder geldmarktähnliche Fonds erwarten Mindestanlagebeträge.

Dadurch kann die Flexibilität der Geldanlage, ein Plus bei Geldmarktfonds, beeinträchtigt werden. Positiv für Anleger ist gerade, dass grundsätzlich ein Sockelbetrag nicht gehalten werden muss.

Geldmarktfonds sind besonders dann attraktiv, wenn mit steigenden Zinsen zu rechnen ist.

Eine kurze Definition

Geldmarktfonds sind Fonds, die ausschließlich oder überwiegend in den Geldmarkt investieren.

Zum Geldmarkt gehören im Wesentlichen: Bankguthaben, Tagesgeld, kurzfristige Termineinlagen, Schuldscheindarlehen und Anleihen mit einer Restlaufzeit unter zwölf Monaten.

Das Gegenstück zum Geldmarkt ist der Kapitalmarkt.

Während der Geldmarkt der kurzfristigen Kapitalbeschaffung dient, ist der Kapitalmarkt für die mittel- und langfristige Kapitalbeschaffung von Unternehmen, Banken und Staatshaushalten zuständig.

Ursprünglich war es Privatanlegern nicht möglich, Geld in Geldmarktpapiere anzulegen. Das blieb Investoren allein vorbehalten.

Geldmarktfonds ermöglichen es jetzt auch privaten Investoren, an den Vorteilen von Investitionen in den Geldmarkt teilzuhaben.

Die Rendite orientiert sich an verschiedenen Referenzzinssätzen:

  • Der EONIA Zinssatz (Übernachtzinssatz) ist der Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander von einem Tag zum anderen ungesichert Geld leihen. Er dient als Referenzzinssatz beispielsweise für Tagesgelder.
  • Zum Libor Zinssatz leihen sich Banken am Bankenplatz London untereinander Geld. Der Libor wird täglich um 11:00 Uhr CET für jeweils unterschiedliche Länder, unterschiedliche Währungen und unterschiedliche Laufzeiten festgestellt.
  • Der Euribor ist der Libor für die Eurozone. Er wird täglich um 11:00 Uhr CET für unterschiedliche Laufzeiten ermittelt und um 12:00 Uhr CET vom Europäischen Bankenverband veröffentlicht.

Die Höhe dieser drei Referenzzinssätze bestimmt im Wesentlichen die Rendite von Geldmarktfonds.

Anleger können aber in Einzelfällen von der Marktmacht der Investmentgesellschaften profitieren, durch die ein leicht höherer Zinssatz möglich wird.

Geldmarktfonds können an der Börse gehandelt werden (ETFs). Die Kurse sind wegen der Art der unterlegten Geldmarktpapiere relativ stabil.

Zu Ausschlägen kommt es grundsätzlich nicht. Die Rendite speist sich fast ausschließlich aus den Zinszahlungen.

Mit zunehmender Laufzeit steigt der Kurs, verursacht durch die Verzinsung, in der Regel leicht an. Nach einer Dividendenzahlung wird der Dividendenbetrag vom letzten Kurs abgezogen.

Es gibt auszahlende und thesaurierende Geldmarktfonds. Thesaurierende Fonds reinvestieren Dividende sofort automatisch. Sie sind die Regel.

Geldmarktfonds Arten

Die Finanzwirtschaft hat eine Anzahl unterschiedlicher Formen für Geldmarktfonds und für ähnliche Produkte entwickelt.

Echte Geldmarktfonds: Reine Geldmarktfonds legen das eingesammelte Kapital bis zu 100 % in kurzfristige Guthaben bei Banken bzw. in Geldmarkttitel an.

Cash Fonds: Hier werden mindestens 75 % des Fondsvermögens in Bankguthaben angelegt.

Geldmarktnahe Fonds: 49 % werden in Geldmarkttitel angelegt. Der Rest (51 %) darf in festverzinsliche Wertpapiere mit kurzer Restlaufzeit investiert werden.

Synthetische Geldmarktfonds: Diese Geldmarktfonds investieren nicht direkt in Geldmarkttitel.

Durch eine Kombination aus länger laufenden festverzinslichen Wertpapieren mit derivaten Finanzinstrumenten wird versucht, die Rendite echter Geldmarktfonds zum Beispiel auf EONIA Basis nachzubilden.

Derivate sind beispielsweise Optionen, Optionsscheine, Futures, Schwaps, Kreditderivate und andere.

Geldmarkt Hedge Fonds: Investiert wird in den Geldmarkt unterschiedlicher Währungen.

Durch Hedging wird versucht, das Währungsrisiko auszuschließen oder doch zu minimieren und eine unabhängig von Marktentwicklungen gleich bleibende Rendite aufzubauen.

Dazu werden zu den einzelnen Positionen unter Nutzung von Derivaten Gegenpositionen aufgebaut (Beispiel: Investitionen in den US Geldmarkt, dagegen Investitionen in Puts auf den US-Dollar).

Synthetische Geldmarktfonds und Geldmarktfonds mit Hedge Anteil sind unseres Erachtens für Privatanleger und als kurzfristige Cashreserve wegen der mit diesen Fondsarten verbundenen Risiken ungeeignet.

Was ist ein Geldmarktfloater?

Floater sind Anleihen, keine Fonds, mit einer an einen Referenzzinssatz gebundenen variablen Verzinsung.

Üblich sind Bonitätsaufschläge oder Bonitätsabschläge zum vereinbarten Referenzzinssatz.

Ein Geldmarktfloater ist eine Anleihe, deren Verzinsung an einen Geldmarktzinssatz gekoppelt ist.

Dagegen ist der Zinssatz für einen Kapitalmarktfloater an einen Referenzzinssatz für Kapitalmärkte gebunden.

Geldmarktfonds in Fremdwährung

In der Regel sind Geldmarktfonds auf eine Währung fixiert. Sie investieren also beispielsweise nur in Euro Geldmarkttitel oder nur in US-Dollar Geldmarkttitel.

Möglich ist, dass Geldmarktfonds in fremder Währung besser verzinst werden, weil das Zinsniveau dort höher ist als beispielsweise in der Eurozone.

Allerdings besteht immer ein Währungsrisiko. Außerdem können bei der Realisierung des Fremdwährungsfonds Umtauschkosten anfallen.

Das Währungsrisiko macht solche Geldmarktfonds zu einer hochspekulativen Geldanlage, die unseres Erachtens keinesfalls als kurzfristige Cashreserve geeignet ist.

Geldmarktzertifikate

Geldmarktzertifikate (Certificates of Deposits) werden von Banken als Inhaberpapiere ausgegeben. Es handelt sich nicht um Fonds, und es entsteht kein insolvenzgeschütztes Sondervermögen.

Die Zertifikate können auf inländische oder auf ausländische Währungen lauten. Sie haben eine vereinbarte Laufzeit zwischen 30 Tagen und fünf Jahren, meistens liegt die Laufzeit zwischen 30 Tagen und 160 Tagen.

Vereinbart werden kann eine feste oder eine variable Verzinsung. Bei Laufzeitablauf werden die Zertifikate zum vereinbarten Preis, dem Rückkaufswert, vom Emittenten zurückgenommen.

Geldmarktzertifikate sind häufig an nicht geregelten Börsenmärkten (Sekundärmarkt) gelistet. Dann können sie vor Fälligkeit zum jeweiligen Marktpreis gehandelt werden.

Sondervermögen – Einlagensicherung

In Geldmarktfonds investiertes Kapital unterliegt nicht der Einlagensicherung. Hierin unterscheidet sich ein Geldmarktfonds vom Tagesgeld oder Festgeld.

Beim Fondsvermögen handelt es sich aber um ein Sondervermögen, welches gegen Insolvenzrisiken beim Emittenten abgesichert ist.

Das Sondervermögen bewirkt, dass Anleger auch im Insolvenzfall um das investierte Kapital nicht zu fürchten brauchen.

Anders als beim Tagesgeld oder Festgeld gibt es keine Höchstgrenze bei der Absicherung in einem Sondervermögen.

Die Höchstgrenze bei der Einlagensicherung spielt allerdings nur bei ausländischen Banken eine praktische Rolle, die nicht am freiwilligen deutschen Einlagensicherungsfonds teilnehmen.

Teilnehmende Banken gewähren praktisch eine unbegrenzte Einlagensicherung. Insofern besteht kein Unterschied zum Sondervermögen.

Kosten

Geldmarktfonds sind Wertpapiere. Anleger benötigen ein Depot, welches, wenn auch geringe, jährliche Kosten verursacht. Depots von Onlinebrokern sind oft kostenfrei.

Daneben können Ausgabeaufschläge anfallen, in der Regel nicht mehr als ein Prozent. Geldmarktfonds mit Ausgabeaufschlägen sollte nicht gekauft werden, denn die sowieso nicht sehr hohen Renditen werden dadurch zusätzlich geschmälert.

Außerdem fallen allgemeine Verwaltungsgebühren an, die regelmäßig zwischen 0,1 % und 0,2 % des Anlagebetrages ausmachen.

Bei börsengehandelten Geldmarktfonds kann die beim Wertpapiergeschäft übliche Ordergebühr die Kosten erhöhen.

Steuer

Seit dem 1. Januar 2009 unterliegen Geldmarktfonds der Abgeltungssteuer. Sowohl ausgeschüttete Gewinne als auch reinvestierte Gewinne werden mit 25 % versteuert, gleiches gilt für Veräußerungsgewinne.

Der Sparerfreibetrag beläuft sich auf gegenwärtig 801 € jährlich (1.602 € für Verheiratete).

Ist der persönliche Einkommenssteuersatz niedriger als die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 %, können Investoren vom Veranlagungswahlrecht Gebrauch machen.

Die Abgeltungssteuer wird in der Steuererklärung angegeben. Das Finanzamt erstattet mögliche Differenzbeträge.

Vorteile und Nachteile

Die gegenwärtige Niedrigzinsphase ist eine Ausnahmesituation. Gegenwärtig lohnt sich eine Investition in Geldmarktfonds überhaupt nicht, denn Zinsen werden praktisch nicht ausgezahlt .

Aber auch in normalen Zeiten haben Geldmarktfonds Nachteile:

  • Manche Fonds, zum Beispiel Fremdwährungsfonds, sind sehr spekulativ bei niedriger Rendite.
  • Kosten minimieren die Bruttorendite immer.
  • Geld-Brief-Spannen können zu Einbußen bei Veräußerungen führen.
  • Zur Verwaltung ist ein Wertpapierdepot erforderlich, welches Kosten verursachen kann.
  • Langfristig orientierte Sparer müssen sich im Vergleich zu langlaufenden Rentenpapieren mit wenig Rendite zufriedengeben.

Geldmarktfonds eignen sich besonders als Liquiditätsreserve und haben dann Vorteile:

  • Die meisten Geldmarktfonds-Arten zeichnen sich durch hohe Sicherheit aus.
  • Sie bieten große Flexibilität (keine Kündigungsfrist, keine festen Laufzeiten und meistens auch keine Mindestanlage).
  • In normalen Zeiten Renditevorteile, weil von den Konditionen für Anleger profitiert werden kann.
  • Geldmarktfonds zeichnen sich regelmäßig durch hohe Stabilität der Kurse aus.
  • Anders als Tagesgeld oder Festgeld gibt es keine Zinsstaffel. Davon profitieren vor allem Anleger großer Summen.

Geldmarktfonds oder Tages- und Festgeld?

Geldmarktfonds sind mit Kosten verbunden, und es kann zu leichten Kursschwankungen kommen.

Manche Fondsarten haben ein recht hohes Anlegerrisiko. Um die Qualität eines Geldmarktfonds beurteilen zu können, sind wenigstens Grundkenntnisse über die unterschiedlichen Geldmarkttitel erforderlich.

Tages- und Festgeld sind hingegen leicht verständliche Formen der Geldanlage.

Da auch diese Geldanlagen wenigstens mittelbar an Referenzzinsen des Geldmarktes gebunden sind, ist auch in normalen Zinszeiten die Rendite nicht sehr viel geringer als bei Geldmarktfonds.

Das ist vor allem bei der kurzzeitigen Investition kleinerer Beträge der Fall.

Erfahrene Anleger können mit einem Geldmarktfonds häufig eine höhere Rendite erzielen als mit Tages- oder kurzfristigem Festgeld.

Renditevorteile bestehen vor allem beim längerfristigen Anlegen größerer Summen.

Weniger erfahrene Anleger oder Anleger, die nur kleinere Cashreserven parken möchten, sollten unseres Erachtens auf Tagesgeld setzen.

Auch Festgeld mit kurzen Laufzeiten bis zu einem Jahr kommt infrage.