Der Eintritt in die dritte Lebensphase, in den Ruhestand, steht kurz bevor, und Sie überlegen sich, wie Sie das bisher angesparte Geld sinnvoll anlegen können. Vielleicht verfügen Sie bereits über ein gut diversifiziertes Depot. Nun erwägen Sie eine Umschichtung unter dem Stichwort „Sicherheit“.

Oder Sie erwarten die Auszahlung Ihrer Kapitallebensversicherung und fragen sich, ob und wie Sie den ausgezahlten Betrag erneut anlegen können.

Viele, die zur Anlegergruppe der Generation 60+ gehören, möchten auf Nummer sicher gehen. Schließlich lesen sie immer wieder einen Rat:

Raus aus Aktienanlagen und rein in Finanzprodukte, die nur moderate Renditen abwerfen aber bei denen Verluste beim Kapitalstock nicht zu befürchten sind.

Risikominimierung bei der Geldanlage im Alter ist sicher eine gute Idee. Aber was soll man darunter verstehen?

Viele Senioren verstehen darunter die Flucht ins gute alte Sparbuch und geraten damit, übrigens nicht nur in Zeiten sehr niedriger Zinsen, in eine weitverbreitete Anlegerfalle:

Wie beruhigend ist es, mit einem Blick auf das Sparkonto festzustellen, dass das eingesetzte Kapital nicht nur noch immer zu 100 % vorhanden ist, sondern sich um Zins und Zinseszins Jahr für Jahr vermehrt.

Doch der schöne Schein trügt.

Die Geldentwertung kann einen Großteil der mit herkömmlichen Sparprodukten zu erzielenden Rendite vernichten. Schlimmstenfalls kommen inflationsbereinigt Verluste heraus.

Und den Rest besorgt nicht selten die Steuer auf anfallende Kapitalerträge.

Allgemeingültige Ratschläge für eine Kapitalanlage im Alter gibt es nicht. Zu berücksichtigen ist immer die individuelle Lebenssituation.

Wer die angesparten Geldmittel neben der Rente benötigt, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, der muss strategisch anders vorgehen, als jemand, der noch im Alter, jedenfalls für eine absehbare Zeit, weiter Vermögen aufbauen kann.

Nachfolgend ein paar Gedanken, wie bei der Geldanlage in unterschiedlichen Lebenssituationen vorgegangen werden kann und welche Möglichkeiten es jenseits des Sparbuchs gibt.

Der erste Schritt: Analyse der Vermögenssituation

Mit dem Eintritt in das Rentenalter ändern sich die Lebensumstände, manchmal sogar grundlegend.

Die Einkünfte erreichen nur sehr selten das bisherige Niveau. Andererseits gibt es Veränderungen bei den Ausgaben.

In der Regel sind die für den Lebensunterhalt erforderlichen Ausgaben geringer. In Ausnahmefällen können Sie sich aber auch erhöhen.

Ausgangspunkt für eine sinnvolle Kapitalanlage ist unseres Erachtens immer eine Art Kassensturz.

Mit einer Haushaltsrechnung sollten die veränderten Einnahmen den veränderten Ausgaben gegenübergestellt werden.

Auf diese Weise können Sie feststellen, ob Sie die ersparten Geldmittel ganz oder zum Teil für die Sicherstellung Ihres zukünftigen Lebensunterhalts benötigen oder ob das Ersparte vollständig dem Vermögensaufbau zur Verfügung steht.

Bei der Aufstellung des Budgets lohnt sich vor allem ein Blick auf die Ausgabenseite.

Beispielsweise sind viele während des Berufslebens abgeschlossene Versicherungen mit Eintritt in den Ruhestand überflüssig. Dazu gehören Unfallversicherungen oder Berufsunfallversicherungen.

Neben der gesetzlich vorgeschriebenen Autoversicherung und Versicherungen rund um das Eigenheim ist eigentlich nur noch eine Haftpflichtversicherung empfehlenswert.

Durch vorzeitige Schuldenablösung lässt sich die monatliche Liquidität verbessern, ganz abgesehen davon, dass sich die Gesamtkosten des Kredits verringern.

Läuft noch ein Autokredit, oder ist das Darlehen für das Haus noch nicht vollständig abbezahlt, kann eine vorzeitige Kreditablösung infrage kommen.

Wirtschaftlich rechnet sie sich, wenn die dadurch erzielte Ersparnisse höher ist, als die bei einer Geldanlage erwartete Rendite.

Vorfälligkeitsentschädigungen sind bei den üblichen Verbraucherkrediten häufig kein Thema. Gleiches gilt für Hausfinanzierungen nach zehn Jahren Zinsbindungsfrist.

Eine Alternative zur Totalablösung ist die Umschuldung des Restkredits in ein neues Darlehen mit einem geringeren Zinssatz.

Diese Lösung kann vor allem bei langfristigen Hausfinanzierungen infrage kommen, wenn der Kredit zu Zeiten höherer Zinsen abgeschlossen wurde.

Bei der Ablösung von Hauskrediten sollte jedoch ein Umstand in Betracht gezogen werden. Das zur Gesamttilgung verwendete Kapital ist jetzt in der Immobilie gebunden und steht für andere Zwecke zunächst nicht mehr zur Verfügung.

Es kann wieder flüssig gemacht werden, wenn entweder das Haus verkauft wird oder erneut ein Grundschulddarlehen aufgenommen wird.

Andere Möglichkeiten sind Leibrentenverträge oder die in Deutschland wenig bekannten Umkehrhypotheken.

Der einfachste Weg ist die erneute Aufnahme eines Grundschulddarlehens. Die kann sich jedoch schwierig gestalten.

Das Zinsniveau kann sich verändern. Zudem können Senioren Schwierigkeiten haben, überhaupt noch ein Darlehen zu erhalten.

Geldanlagen zur Sicherung des Lebensunterhalts

Reichen Renten und andere monatliche Einkünfte zur Sicherung des Lebensunterhalts während des Ruhestands nicht aus, muss eine Geldanlage gefunden werden, die regelmäßige Entnahmen erlaubt.

Zunächst ist eine Vorfrage zu klären: kann der Lebensunterhalt allein aus den Zinsen und Renditen dargestellt werden oder muss der Kapitalstock angegriffen werden?

Für Anleger bietet sich eine Reihe von Möglichkeiten, das ersparte Kapital zu „verrenten“.

Sie können auf von der Finanzwirtschaft vorgefertigte Produkte zurückgreifen oder ihre Zusatzrente selbst in die Hand nehmen.

Sofortrente: die Wette auf ein langes Leben

Kein Versicherungsvertreter wird sich bei Auszahlung einer Kapitallebensversicherung den Hinweis auf eine Sofortrente verkneifen können.

Sofortrenten sind für die Versicherungswirtschaft ein gutes Geschäft.

Es handelt sich um eine Rentenversicherung, die unmittelbar nach der Leistung einer Einmalzahlung ausgezahlt wird.

In der Praxis wird die Einmalzahlung oft mit der Ablaufleistung aus der Kapitallebensversicherung dargestellt.

Die laufende Rentenzahlung wird in der vertraglich vereinbarten Höhe garantiert. Mit dem Tod des Versicherten erlöschen alle Ansprüche.

Die Hinterbliebenen erhalten nichts. Das ist eine Variante.

Eine andere Variante erlaubt die Vereinbarung einer Garantiezeit, während der die Rente an die Hinterbliebenen weitergezahlt wird. Allerdings geschieht dies auf Kosten der Rentenhöhe.

Sofortrenten sind eine sichere Sache, aber unflexibel und meist für den Versicherten ein schlechtes Geschäft.

Die Versicherungsgesellschaften kalkulieren mit einer sehr hohen durchschnittlichen Lebenserwartung.

Bevor Senioren sich für eine Sofortrente entscheiden, sollten Sie sich in jedem Fall von einer unabhängigen Stelle gut beraten lassen.

Manche Verbraucherzentralen führen eine solche Beratung so gut wie kostenlos durch.

Eine weitere Möglichkeit sind unabhängige Renten- bzw. Vermögensberater, die meist auf der Basis von Stundenhonoraren tätig sind.

In jedem Fall ist es falsch, überstürzt in eine Sofortrente zu flüchten und den Vertrag gleich mit derselben Versicherungsgesellschaft abzuschließen, bei der die Kapitallebensversicherung lief.

Entnahmepläne mit und ohne Kapitalerhalt

Unterschieden werden zwei Formen: Bankentnahmepläne und Fondsauszahlungspläne

Bei einem Bankentnahmeplan wird ein bestimmter Geldbetrag mit einer bestimmten Laufzeit bis zu 20 Jahren fest angelegt.

Gleichzeitig werden Zahlungen in gleichbleibenden Raten vereinbart. Die Zahlungen können allein aus den Erträgen erfolgen.

Regelmäßig aber wird der Kapitalstock während der Laufzeit vollständig aufgebraucht.

Fondsauszahlungspläne funktionieren genauso. Der Unterschied darin besteht, dass in Investmentfonds unterschiedlicher Risikoklassen investiert wird.

Fondsauszahlungspläne versprechen bessere Renditen und sind flexibler als Bankentnahmepläne. Dem steht ein etwas höheres Risiko gegenüber.

Empfehlenswert sind Fondsauszahlungspläne, die mit Indexfonds unterlegt sind. Indexfonds gibt es für jede Risikoklasse.

Unsere Empfehlung lautet, sich für Indexfonds auf solide Aktienindizes (MSCI World, S&P 500) und/oder auf Staatsanleihen aus Euroländern zu konzentrieren.

Entnahmepläne in Eigenregie

Bei den oben genannten Beispielen handelt es sich um vorgefertigte Finanzprodukte der Finanzwirtschaft.

Sie sind mit mehr oder weniger Kosten verbunden. Kosten sind immer Renditekiller.

Gegenwärtig ist ein Trend zu beobachten, nach dem Privatanleger die Kapitalanlage in die eigenen Hände nehmen. Das gilt auch für die Geldanlage im Alter.

Wichtig ist jedoch, nur in Produkte zu investieren, die man genau versteht. Eine Kapitalanlage in Eigenregie setzt ein wenig Grundwissen über das Funktionieren der Finanzmärkte voraus.

In diesem Kapitel gehen wir davon aus, dass Sie den gesparten Geldbetrag im Wesentlichen für die Bestreitung ihres zukünftigen Lebensunterhalts während des Ruhestands benötigen.

Sofern Sie bereits über ein Depot verfügen, stellt sich die Frage der Umschichtung.

Unser Vorschlag lautet: Trennen Sie sich von allen Wertpapieren, die ein unverhältnismäßig hohes Risiko darstellen.

Damit sind keinesfalls alle Aktien gemeint. Solide Aktien sind ein unverzichtbarer Bestandteil in einem Depot für Ruheständler.

Gemeint sind Zertifikate, Optionen, Optionsscheine, Aktien aus Drittländern, Wertpapiere auf Rohstoffe und Anleihen aus sogenannten Hochzinsländern.

Vernünftig ist unseres Erachtens ein Depot, das aus zwei oder drei Säulen besteht:

ETFs (börsengehandelte Indexfonds) auf breit gestreute, solide Aktienindizes und auf Anleiheindizes aus der Eurozone.

Anleihen aus Ländern mit Fremdwährung sind wegen des Währungsrisikos weniger geeignet.

Zusätzlich kann ein Cashanteil, dargestellt mit Tagesgeld, sinnvoll sein.

Die Depotzusammensetzung wird immer wieder diskutiert. Es geht um das Verhältnis zwischen Aktien und Anleihen.

Wählen Sie eine Depotzusammensetzung, die Ihrem Risikoprofil entspricht und bei der Sie ruhig schlafen können.

Wichtig ist ein Aktienanteil in Höhe von mindestens 20 %. Andernfalls ist die erwirtschaftete Rendite einfach zu niedrig.

Ein Problem ist natürlich die Berechnung der regelmäßigen Entnahmen. Dazu muss die zukünftige Rendite realistisch geschätzt werden.

Für viele ist es wahrscheinlich schwierig, eine Entnahmeberechnung selbst vorzunehmen. Im Internet findet man einige Hilfsmittel.

Um sicherzugehen, kann selbstverständlich auch auf fachmännische Hilfe zurückgegriffen werden.

Vermögensaufbau im Alter: Sicherheit statt Risiko?

Sehr oft liest man folgende Empfehlung: Mit zunehmendem Alter des Anlegers sollte Sicherheit bei der Geldanlage in den Vordergrund treten.

Risiken hingegen sollten nicht eingegangen werden. Renditeeinbußen müssen in Kauf genommen werden.

Sicherheit bedeutet die Geldanlage in Tagesgeld oder Anleihen. Risiko bedeutet eine Geldanlage in Aktien.

Manchmal wird von Aktien abgeraten, weil der verbleibende Anlagehorizont nicht lang genug ist.

Unseres Erachtens greift diese, zugegebenerweise hier nur grob skizzierte Anlagestrategie, zu kurz.

Im Grunde gilt für den Vermögensaufbau im Alter nichts anderes als für den Vermögensaufbau sonst auch.

Vor allem zieht das Argument nicht, dass der verbleibende Anlagehorizont für risikoreiche Kapitalanlagen wie Aktien nicht lang genug ist.

Unter Berücksichtigung der heutigen Lebenserwartung kann ein 65-jähriger Anleger durchaus einen Anlagehorizont zwischen acht und 15 Jahren in Betracht ziehen.

Statt allgemeinen Vorgaben zu folgen, ist der Aufbau eines nach konkreten Vorgaben strukturierten Portfolios der richtige Weg.

Welche Ziele verfolge ich mit der Geldanlage, wann benötige ich definitiv das angelegte Kapital (nebst Zuwächsen aus Renditen), und wie sieht es mit meiner Risikobereitschaft aus?

Die amerikanische Investmentfirma Vanguard hat zum Aufbau eines strukturierten Wertpapierportfolios einen kurzen, aber interessanten Fragebogen entwickelt.

Im Anschluss des Fragebogens wird ein Vorschlag zur Strukturierung des Portfolios unterbreitet.

Die Bearbeitung des Fragebogens lohnt sich. Anleger erhalten wenigstens einen ersten Eindruck, wie sie ihr Portfolio aufbauen können.

Ein strukturiertes Portfolio mit einer sinnvollen Asset Allocation ist also mehr als nur die Addition irgendwelcher Wertpapierpositionen unterschiedlicher Risikoklassen.

Wenn Sie bereits über ein Portfolio verfügen, ist eine Überprüfung der Zusammensetzung anhand Ihrer gegebenenfalls neu zu definierenden Anlageziele zu empfehlen.

Beispielsweise können sich Positionen im Depot befinden, die zu der neuen Situation nicht mehr passen.

Die Rede ist nicht von Aktien im Allgemeinen, sondern von Wertpapieren, die eher der Spekulation als dem Vermögensaufbau dienen.

Dabei handelt es sich meistens gar nicht um Aktien.

Hochverzinsliche Tagesgelder aus wirtschaftsschwachen Ländern, Investitionen in Rohstoffe, Hochzinsanleihen und natürlich Optionsscheine und andere Derivate können mit deutlich höheren Risiken verbunden sein als Aktien.

Aber bei den Aktien gibt es ebenfalls Unterschiede in der Risikoklasse.

Aktien kleiner Unternehmen, Papiere die am grauen Markt gehandelt werden (over the counter – OTC) oder Nebenwerte sind mit einem für einen Vermögensaufbau eigentlich nicht akzeptablem Risiko versehen.

Wer also bei der Geldanlage im Alter Sicherheit und nicht Risiko in den Vordergrund stellen will, der sollte genau solche Kapitalanlagen vermeiden.

Bauen Sie Ihr gut diversifiziertes Portfolio mit soliden Wertpapieren unterschiedlicher Risikoklassen auf. ETFs, börsengehandelte Indexfonds, eignen sich dazu hervorragend. Achten Sie aber darauf, dass die abgebildeten Indizes solide sind.

ETFs haben Hochkonjunktur. Deswegen „erfinden“ Herausgeber von Indexfonds häufig spezielle Benchmarks, mit denen sie ihre Produkte unterlegen.

Ein ETF auf einen Index mit riskanten Rohstoffen birgt dieselben Risiken, wie eine Direktinvestition bzw. eine Investition in Futures.

Ein ETF ist aber nur so gut, wie der Index, den er abbildet. Ist der Index solide, ist es der ETF in der Regel ebenfalls.