Seit Beginn dieses Jahrhunderts scheinen Rohstoffe als Kapitalanlage im Trend zu liegen. Spekuliert wird auf einen langfristigen Anstieg der Rohstoffpreise, wie er beispielsweise bei Gold seit etwa 2000  zu verzeichnen war.

Unter anderem folgende Gründe sollen für die steigende Nachfrage nach Kapitalanlagen in Rohstoffe ausschlaggebend sein:

  • Der wirtschaftliche Aufschwung in sogenannten Schwellenländern sorgt für einen deutlichen Anstieg der Rohstoffnachfrage.
  • Neue Technologien benötigen besonders knappe Rohstoffe wie beispielsweise seltene Erden, die früher nicht in demselben Umfang verarbeitet wurden.
  • Während der Rohstoffbedarf steigt, verknappt sich auf lange Sicht oder doch wenigstens temporär das Angebot; etwa aus Gründen des Umweltschutzes wie beispielsweise beim Rohstoff Holz.

Besonders Edelmetalle wie Gold, Silber oder Platin werden als sicherer Hafen angesehen, wenn es zu politischen oder wirtschaftlichen Krisen wie beispielsweise die Finanzkrise kommt und deshalb zunehmend nachgefragt.

Im Folgenden soll unter anderem der Frage nachgegangen werden, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang ein Rohstoffinvestment Sinn macht und welche Möglichkeiten es gibt, an der Wertentwicklung von Rohstoffen zu partizipieren sowie welche Chancen und Risiken mit einer Geldanlage in Rohstoffe verbunden sind.

Dabei wird der Fokus auf Privatanleger gelegt.

Geld in Rohstoffe investieren, aber wie?

Geld in Rohstoffe anzulegen, das ist auf ganz unterschiedliche Weise möglich.

Neben der in der Regel sehr unpraktischen Direktanlage stehen eine Reihe speziell entwickelter Finanzprodukte zur Verfügung, in teilweise abenteuerlich anmutenden Konstruktion.

Direktinvestition

Der Rohstoff wird gekauft und geht in das Eigentum des Anlegers über. Bei den meisten Rohstoffen ist eine Direktanlage für Privatanleger undenkbar.

Kaum jemand wird Schweinshälften, Getreide oder Erdöl in größeren Mengen selbst lagern können oder auf seine Kosten lagern lassen.

Auch die Verwertung, der Verkauf, ist für Privatanleger, die nicht „im Geschäft sind“, nicht einfach und häufig mit Verlusten verbunden.

Bei Edelmetallen wie Gold ist das aber anders. Werden die erworbenen Stücke bei einer Bank aufbewahrt, entstehen zusätzliche, den Spekulationsgewinn mindernde Kosten.

Jedoch sind sie noch einigermaßen überschaubar. Möglich ist natürlich die Lagerung im eigenen Tresor, eine Alternative, über die besonders sicherheitsbewusste Anleger durchaus nachdenken können.

Indexfonds

Der wohl am wenigsten spekulative Weg, in Rohstoffe zu investieren, ist der Erwerb von passiv gemanagten Indexfonds auf Rohstoffe. Werden sie börsengehandelt, nennt man sie ETFs.

Die Herausgeber dieser Fonds müssen selbst nicht direkt in Rohstoffe investieren, sondern sie bilden möglichst naturgetreu einen Rohstofffonds beispielsweise den S&P Goldman Sachs Index ab.

ETFs bilden also in der Regel einen bestimmten breit aufgestellten Rohstoffindex ab. Anleger sind nicht auf die Geldanlage in einen bestimmten Rohstoff beschränkt, sondern können diversifizieren.

Da sich verschiedene Rohstoffe in ihrem Wert unterschiedlich entwickeln können, ist das in der Regel von Vorteil.

Rohstoffe werden häufig in ausländischer Währung gehandelt. Das Währungsrisiko lässt sich minimieren, wenn in einen gegen Wertschwankungen abgesicherten Fonds investiert wird.

Eine Sonderform sind Swap-basierte ETFs. Dabei investieren die Fondsherausgeber in Wertpapiere, die überhaupt nichts mit Rohstoffen zu tun haben.

Ein Index, der den Goldman Sachs Rohstoffindex abbilden möchte, investiert zum Beispiel in die 100 größten Weltunternehmen.

Um sich an die Wertentwicklung des Rohstoffindexes anzukoppeln, wird mit einer Drittpartei, meistens einer großen Investmentbank, eine Swap Vereinbarung geschlossen.

Die Vereinbarung bewirkt, dass die Rendite aus dem Aktienportfolio mit der Rendite aus dem Rohstoffindex in regelmäßigen Abständen ausgetauscht wird. Das Ergebnis: das Aktienportfolio performt genauso wie der Rohstoffindex.

Bei Swap ETFs auf Rohstoffe ist die Bonität des dritten Partners entscheidend. Insolvenzen können zu spürbaren Wertverlusten führen.

ETCs

Exchange Traded Commodities (ETCs) unterscheiden sich von ETFs praktisch nur in der rechtlichen Konstruktion.

Sie sind kein insolvenzgeschütztes Sondervermögen und deshalb besteht ein gewisses Ausfallrisiko.

Es handelt sich um unbefristete, besicherte Schuldverschreibungen des jeweiligen Emittenten.

ETCs können anders als ETFs auf einzelne Rohstoffe ausgegeben werden.

Diese Anlageform wurde vor allem deshalb entwickelt, weil in Deutschland und anderen Ländern allein mit einem einzigen Rohstoff unterlegte Indexfonds rechtlich nicht möglich sind.

Unterschieden werden drei Formen:

Der ETC ist mit körperlichen Rohstoffen unterlegt.

Die Emittenten kaufen den Rohstoff zum Beispiel das Gold und lagern es ein.

Ein Beispiel ist der Xetra Gold der Deutschen Börse (ISIN: DE000A0S9GB0). Dieser Fonds soll sogar Auszahlungen nicht nur in Geld, sondern auch in Gold ermöglichen.

In der Regel, vor allem bei schwer lagerbaren Rohstoffen, wird der ETC mit Futures (Optionsscheinen) unterlegt.

Außerdem gibt es Swap-basierte Papiere, wie bei den ETFs die Renditen unterschiedlicher Anlageformen werden dabei so ausgetauscht, dass ein bestimmter Rohstoff oder Rohstoffkörbe wertmäßig abgebildet werden.

Optionen und Optionsscheine

Anleger können direkt in Optionen oder Optionsscheine investieren, die auf bestimmte Rohstoffe ausgegeben werden.

Populär sind Optionen/Optionsscheine auf Edelmetalle und auf Rohöl. Mit ihnen kann auf steigende und fallende Preise gesetzt werden (long oder short).

Optionen sind direkte Termingeschäfte. Sie werden an besonderen Terminbörsen gehandelt. Optionsscheine sind hingegen Wertpapiere, Schuldverschreibungen.

Sie können an jeder normalen Börse gehandelt werden und unterliegen oft erheblichen Kurssprüngen. Wer in die hochspekulativen Optionsscheine investieren möchte, sollte deshalb immer ein Limit setzen.

Rohstoff CFDs

Differenzkontrakte können auch auf Rohstoffe eingegangen werden. Sie erlauben die Spekulation auf steigende und fallende Rohstoffpreise.

Der Anleger hinterlegt einen kleinen Betrag als Margin und kann damit Rohstoffe in umfangreichen Mengen bewegen, da lediglich Wertdifferenzen gehandelt werden.

Die Hebel betragen manchmal 100:1. Durch den Hebel können große Gewinne und ebenso verheerende Verluste entstehen.

Am Ende einer jeden Handelsperiode, meist zum Schluss des Handelstages, werden die Positionen glatt gestellt.

Übersteigen die Verluste den als Margin hinterlegten Betrag, ist nicht nur das eingesetzte Kapital verloren, sondern der Anleger muss nachleisten.

Rohstoffaktien und Minenaktien

Eigentlich gehören Aktien nicht direkt zur Anlageklasse der Rohstoffe. Sie werden aber oft im Zusammenhang mit Kapitalanlagen in Rohstoffe erwähnt.

Möglich ist die Investition direkt in eine bestimmte Aktiengesellschaft oder in einen ETF, der einen bestimmten Rohstoffaktienindex abbildet.

Vor allem Minenaktien hängen direkt von der Nachfrage und der Preisbildung eines bestimmten Rohstoffes ab.

Zudem werden die Minen oft in politisch instabilen Ländern betrieben. Zu den mit den Rohstoffen selbst verbundenen Risiken kommen noch solche einer jeden Aktienanlage hinzu.

In der Regel handelt es sich gemessen an den üblichen wirtschaftlichen Kennzahlen nicht um Valueaktien, die eine stetige positive Wertentwicklung versprechen.

Über einen langen Zeitraum gesehen gibt es eigentlich nur eine Ausnahme: Ölaktien. BP, Shell, Exxon oder Total gehören sicher zu den Qualitätsaktien.

Rohstoff Hedging

Beim Hedging handelt es sich um ein Sicherungsgeschäft, mit dem Kursschwankungen ausgeglichen werden können.

Hedging dient bei Geldanlagen zur Absicherung gegen Verluste bzw. zur Erwirtschaftung von Renditen gleichgültig, ob die Kurse fallen oder steigen.

Bei Rohstoffen hat Hedging außerdem noch eine besondere Bedeutung für Unternehmen, die Rohstoffe verarbeiten und deshalb ständig in großen Mengen erwerben müssen.

Beispiel:

Ein Unternehmen benötigt monatlich 10 t Kupfer. Gerechnet wird mit steigenden Preisen. Das Unternehmen hat deshalb ein Interesse daran, sich den gegenwärtigen Kupferpreis auch für die Zukunft zu sichern.

Um dies wenigstens teilweise zu ermöglichen, geht das Unternehmen ein Gegengeschäft ein.

Es schließt an einer Warenterminbörse einen Future ab. Da mit steigenden Preisen gerechnet wird, geht das Unternehmen eine Longposition ein.

Mit ihr verpflichtet sich der Käufer (das Unternehmen) zu einem bestimmten, zukünftigen Zeitpunkt eine festgelegte Kupfermenge zum gegenwärtigen Preis abzunehmen.

Steigt der Preis wie vorhergesagt, werden die Mehrkosten durch den Gewinn aus dem Optionsgeschäft (teilweise) ausgeglichen.

Fällt der Preis entgegen der Voraussage, entsteht aus dem Future Geschäft ein Verlust, der mit dem „Gewinn“ aus dem Kupfergeschäft (das Unternehmen zahlt einen geringeren Preis als angenommen) ausgeglichen werden kann.

Ideal ist natürlich die 100-prozentige Absicherung. In der Praxis wird dies jedoch selten funktionieren. Dennoch können Unternehmen mithilfe des Hedgings Rohstoffpreise besser kalkulieren.

Handelsplätze und Indices

Rohstoffe werden an bestimmten, meist ausländischen, sogenannten Warenterminbörsen gehandelt.

Die größte Warenterminbörse ist wohl die New York Mercantile Exchange (NYMEX), die älteste die Chicago Board of Trade (CBOT). An der Chicago Mercantile Exchange werden vor allem Optionen gehandelt.

Für Industriemetalle hat die Londoner Metal Exchange (IMF) praktisch eine Monopolstellung. Die europäische Ölsorte Brent wird über ICE Futures gehandelt.

Der älteste Rohstoffindex ist der Thomson Reuters/Jefferies CRB Index, der die Wertentwicklung von 19 Rohstoffen widerspiegelt.

Weitere Indices sind der S&P GSCI, der RICI und der Dow Jones Commodity Index. Der FAO Food Price Index (FFPI) bildet die Preisentwicklung von Agrarprodukten ab.

Was sind Rohstoffe?

Rohstoffe sind alle natürlichen Ressourcen, die bis auf ihre Gewinnung noch keiner Verarbeitung unterzogen worden sind.

Nach ihrer Gewinnung werden sie entweder direkt konsumiert oder weiterverarbeitet.

Im betriebswirtschaftlichen Sinn sind Rohstoffe darüber hinaus alle Ausgangsstoffe, die in ein bestimmtes Endprodukt einfließen.

Bei den Ausgangsstoffen muss es sich nicht um unbearbeitete Rohstoffe handeln. Ausgangsstoffe sind beispielsweise auch Stahl und Plastik.

Neben den primären, aus natürlichen Ressourcen stammenden Rohstoffen gibt es sekundäre Rohstoffe, die durch Recycling gewonnen werden.

Nicht erneuerbar sind fossile Rohstoffe wie Öl oder mineralische Rohstoffe wie Metalle und Edelmetalle. Ihr Vorkommen wird als endlich eingeschätzt.

Erneuerbare Rohstoffe sind solche aus dem Agrarbereich, pflanzliche wie tierische, und darüber hinaus anorganische Stoffe wie Sonne, Luft oder Wasser.

In jüngerer Vergangenheit wird über Rohstoffe aus Meeresbergbau diskutiert. Auf dem Meeresboden soll es riesige Vorkommen fast aller fossilen Rohstoffe geben. In großen Mengen werden bisher nur Erdöl und Erdgas vom Meeresboden gefördert.

Technisch möglich soll der Rohstoffabbau in der Tiefsee bis zu 4000 m Tiefe sein. Allerdings gibt es Bedenken wegen der Auswirkungen auf die Umwelt.

Beispielsweise muss 1 km² Meeresboden abgebaut werden, um 5000 t Manganknollen zu gewinnen.

Seltene Erden sind Rohstoffe, deren Vorkommen gering ist, die jedoch für die Herstellung vieler moderner technischer Produkte unerlässlich sind. Unter dem Oberbegriff werden 17 Metalle zusammengefasst.

Die bisher bekannten großen Vorkommen befinden sich in China (Innere Mongolei), Indien und Brasilien. China verfügt über die mit weitem Abstand größten Vorkommen und hat damit fast eine Monopolstellung.

Scandium wird beispielsweise für Röntgengeräte und Laser benötigt, Lanthan für hybride Autos und Laptops, Gadolinium für Kontrastmittel im medizinischen Bereich und Ytterbium für Infrarot Laser.

Dysprosium spielt eine Rolle bei Windkraftanlagen und Atomreaktoren, Europium wird für die Herstellung von Plasmafernsehern benötigt.

Tipps, Chancen, Risiken

Rohstoffe sind eine eigene Anlageklasse. Eine Kapitalanlage direkt oder über Derivate ist immer spekulativ. Wird in Futures oder Zertifikate investiert, kommen durch die Hebelwirkung verursachte Risiken hinzu.

Bei richtiger Einschätzung der zukünftigen Marktentwicklung können hohe Renditen erzielt werden, vor allem bei Investitionen in einen bestimmten Rohstoff.

Wegen der Schwankungsanfälligkeit von Rohstoffpreisen muss häufig umgeschichtet werden, um der Marktentwicklung gerecht zu werden.

Rohstoffe sind etwas für professionelle Investoren mit entsprechendem Fachwissen zur kurzfristigen Kapitalanlage.

Für langfristig denkende Investoren oder Privatanleger sind Rohstoffe hingegen weniger geeignet.

Erträge können unter den sogenannten Rollkosten leiden. Rollkosten entstehen, weil Terminkontrakte über Rohstoffe nur über kurze Laufzeiten verfügen und deshalb immer wieder verlängert werden müssen.

Langfristig gesehen, lässt sich mit den meisten Rohstoffderivaten nur Geld verdienen, wenn die Preissteigerungen die Rollkosten übertreffen.

Anders als bei Aktien werfen Rohstoffe keine Dividende ab. Die Rendite entsteht lediglich durch Kursgewinne.

Es gibt aber keine langfristige Tendenz steigender Rohstoffpreise. Seit Mitte 2014 beispielsweise gaben viele Rohstoffpreise nach (berechnet auf den Stichtag 25. Juli 2015). Silber zum Beispiel verzeichnete einen Verlust von 30 %, Kupfer von 20 % und Nickel von 40 %.

Hier einige Tipps für Privatanleger, die das Risiko eines Rohstoffinvestments eingehen wollen:

Nur etwa 5 bis 15 % des Portfolios sollten in Rohstoffe investiert werden. Sicherheit gegen tiefgreifende Wirtschaftskrisen bieten, wenn überhaupt, nur Direktinvestitionen in Rohstoffe, am besten in Edelmetalle.

Rohstoffe sind ein kurzfristiges Investment. Langfristig betrachtet sind die Renditen eher gegenüber Anlagen wie Aktien nicht konkurrenzfähig.

Der Markt muss genau beobachtet werden. Ständige Umschichtungen sind erforderlich, um vernünftige Renditen zu erwirtschaften.

Vielleicht am sichersten ist die Investition in Finanzprodukte, die breit angelegte Rohstofffonds abbilden.

Terminkontrakte und abgeleitete Kapitalanlagen sind manchmal kompliziert. Investoren sollten nur Geld in Finanzprodukte investieren, die durchschaubar und verständlich sind.

Rohstoffe werden oft nicht in Euro gehandelt. Deshalb sind Währungsrisiken zu berücksichtigen.

Bei ETCs und anderen Derivaten besteht ein Ausfallrisiko, weil es sich anders als Fonds nicht um Sondervermögen handelt. Deswegen ist die Bonität der Anbieter von Bedeutung.

Zur Absicherung gegen fundamentale Wirtschaftskrisen eignet sich nur die Direktinvestition in Edelmetalle wie Gold, Silber, eventuell Platin.

Wer ganz sicher gehen will, sollte sein Gold zuhause im Safe lagern, um jeden Zugriff Dritter nach dem weltweiten Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern.