Die Vielfalt des Fondsangebots macht es Anlegern schwer, das passende Finanzprodukt auszuwählen. In Deutschland sollen unterdessen knapp 30.000 Publikumsfonds in unterschiedlichen Anlageklassen zugelassen sein.

Zur Vorbereitung von Kauf- oder Verkaufsentscheidungen nutzen viele Investoren das Fonds Rating bekannter Agenturen oder versuchen, die Qualität eines Fonds anhand von Kennzahlen einzuschätzen.

Ratingagenturen fassen die Ergebnisse ihrer Bemühungen zumeist in einer bestimmten Kennzahl zusammen.

Das können Zahlen, Buchstaben und Kombinationen aus beiden auch unter Verwendung anderer Zeichen sein.

Der Aussagewert der unterschiedlichen Kennziffern wird in der Regel auf den Webseiten der Ratingagenturen erklärt (Beispiel: A für "sehr gut" und F für "unzureichend").

Erklärt werden außerdem die Beurteilungskriterien, mit deren Hilfe das Ratingergebnis festgestellt wird.

Nur anhand der konkreten Beurteilungsmaßstäbe können Anleger feststellen, welchen Aussagewert das Rating tatsächlich hat.

Tipps und Infos zur Fondsrating-Nutzung

Ratingagenturen beurteilen die Qualität einzelner Fonds, nicht die zukünftige Marktchancen.

Kauf- und Verkaufsempfehlungen werden grundsätzlich nicht abgegeben. Das Fondsrating sagt beispielsweise etwas über die Qualität des Managements aus, aber nicht darüber, wie die Fondsinvestitionen sich entwickeln werden.

Das Ergebnis des Ratings ist immer eine Momentaufnahme. Wie beurteilen die Fachleute der Agentur gegenwärtig die Qualität eines Fonds?

Grundsätzlich wird das Fondsrating regelmäßig in gewissen Zeitabständen überprüft.

Aus einem Qualitätsfonds kann beispielsweise mit der Zeit ein durchschnittliches Finanzprodukt werden, wenn bestimmte Voraussetzungen später wegfallen. Deswegen sollten immer die Ratings über mehrere Jahre (mindestens 3 bis 5 Jahre) herangezogen werden.

Wie ein Fonds abschneidet, hängt von den speziellen Beurteilungskriterien einer bestimmten Agentur und auch oft von der subjektiven Einschätzung und den Fähigkeiten des Analysten ab.

Deshalb kommen unterschiedliche Agenturen nicht selten zu Recht verschiedenen Ergebnissen. Anleger sollten immer die Ergebnisse mehrerer Agenturen berücksichtigen.

Manche Plattformen, wie beispielsweise Onvista.de, bieten eine Fondsanalyse in Kurzform an und stellen die Ratingergebnisse einiger Agenturen gegenüber.

Auch die Unterschiede in den Methoden werden kurz erklärt. Einige Fachzeitschriften geben ähnliche Hilfestellungen.

Manche Ratingagenturen beschränken sich allein auf eine quantitative Fondsanalyse. Das Ergebnis sind oft Fondsrankings mit relativ wenig Aussagekraft. Sie bieten nur wenig Hilfestellung für eine Investitionsentscheidung.

Die richtige Auswertung der verschiedenen Fondsrating-Ergebnisse ist nicht einfach.

Häufig sind selbst Berater überfordert. Ohnehin ist unseres Erachtens für den Erfolg der Geldanlage weniger das Fondsrating als vielmehr eine der persönlichen Situation angepasste Diversifikationsstrategie bei der Kapitalanlage entscheidend.

Die auf dieser Webseite als Alternative zu aktiv gemanagte Fonds empfohlenen Indexfonds (ETFs) werden von Ratingagenturen ebenfalls beurteilt.

Bei ETFs ist vor allem entscheidend, dass über die Jahre die Performance des Indexfonds mit der Wertentwicklung des Referenzindexes in etwa mithält.

Was ist Fondsrating?

Beim Fondsrating werden einzelne Fonds anhand von bestimmten Kriterien überprüft und in ein Bewertungsschema eingeordnet.

Auf diese Weise können Anleger ohne Schwierigkeiten erkennen, welcher Qualitätsstufe der untersuchte Fonds von nach Auffassung einer bestimmten Agentur zuzuordnen ist.

Bekannte Ratingagenturen sind Morningstar, Feri Trust, Standard & Poor's, Moody‘s oder Lipper. Auch die Stiftung Warentest gibt Empfehlungen auf der Grundlage von Fondsanalysen heraus.

Die Bewertungskriterien werden in der Regel auf den Portalen der Analysten beschrieben.

Sie sind bei allen Agenturen ähnlich, unterscheiden sich aber in manchen Einzelpunkten deutlich.

Es gibt also keinen einheitlichen Bewertungsmaßstab. Hinzu kommt, dass die Auswertung der ermittelten Fakten jedenfalls beim qualitativen Fondsrating stark von subjektiven Eindrücken der Analysten abhängig ist.

Um überhaupt in ein Ratingverfahren einbezogen zu werden, muss ein bestimmter Fonds gewisse Voraussetzungen erfüllen.

Zu ihnen gehören meistens eine Mindestanlagesumme und ein Mindestalter, welches häufig drei Jahre beträgt.

Eine Ausnahme bildet unter anderem die Agentur Telos. Die Agentur selektiert weder nach Alter noch nach Fondsvolumen vor.

Telos bildet nach eigenen Angaben auch keine Peer Groups und bezieht, anders als die meisten Agenturen, Performance- und Risikogesichtspunkte in die Bewertung mit ein.

Die meisten Agenturen bilden hingegen Vergleichsgruppen, denen sie die einzelnen Fonds zuordnen.

Die Gruppen werden beispielsweise nach Anlageschwerpunkten, Anlagestrategien oder Anlageklassen zusammengestellt.

Beispiele von Peer Gruppen bei Aktienfonds: Deutsche Aktien, internationale Aktien, Pharma Aktien, Wachstumsaktien oder Valueaktien usw.

Unterschieden wird das quantitative Fondsrating vom qualitativen Rating.

Quantitatives Fondsrating

Bei der quantitativen Methoden werden lediglich Fakten berücksichtigt, die für einen längeren Zeitraum in der Vergangenheit festgestellt wurden.

Dazu gehören die Wertentwicklung des Fonds und seine Volatilität. Häufig ist Maßstab die beste Rendite bei gleich gelagertem Risiko (risikoadjustierte Rendite).

Die Fonds einer zuvor festgelegten Peer Group werden in ein rankingähnliches System eingegliedert.

Morningstar beispielsweise zeichnet die besten 10 % der Fonds mit fünf Sternen, die nächsten 22,5 % mit vier Sternen, das Mittelfeld mit drei Sternen, die folgenden 22,5 % mit zwei Sternen und die schlechtesten 10 % mit einem Stern aus.

Quantitatives Fondsranking beschränkt sich allein auf Daten aus der Vergangenheit. Die daraus gewonnenen Daten taugen deshalb als Entscheidungshilfe für Investoren nicht.

Qualitatives Fondsrating

Viele Agenturen beschränken sich nicht auf quantitative Gesichtspunkte, sondern versuchen, auch qualitative Fondsmerkmale für die Bewertung heranzuziehen.

Berücksichtigt werden Kriterien, die nach Auffassung der Agenturen Rückschlüsse auf das zukünftige Abschneiden eines Fonds zulassen, zum Beispiel

  • Erfolg und Qualität der verantwortlichen Fondsmanager.
  • Schlüssigkeit und Stringenz der Anlagestrategie.
  • Erfolgsorientierte Infrastruktur der Investmentgesellschaft.
  • Portfoliostruktur.
  • Kostenstruktur beim Fondsmanagement.
  • Kontinuierliche Wertentwicklung über viele Jahre in der Vergangenheit.
  • Ausreichende Rücklagen zur Auszahlung der Anleger.
  • Marktposition im Vergleich zu ähnlichen Fonds, die im Wettbewerb stehen.
  • Anzahl der verschiedenen Fonds, die die Investmentgesellschaft verwaltet.
  • Der Erfolg oder Misserfolg des Managements bei den unterschiedlichen Fonds.

Fondsrating – Fondsranking

Sowohl Ratings als auch Rankings versuchen Fonds anhand von vorher festgelegten Kriterien zu beurteilen (Stabilität und Erfahrung des Managements, Performance und anderes).

Beim Fondsranking wird ein bestimmter Fonds ähnlich wie beim quantitativen Ranking lediglich aufgrund seiner Wertentwicklung in der Vergangenheit in eine Rangliste vergleichbarer Fonds eingegliedert.

Weitere Aussagen werden nicht getroffen.

Beim Fondsrating hingegen wird versucht, anhand von quantitativen und/oder qualitativen Merkmalen eine Wahrscheinlichkeitsaussage zur zukünftigen Rendite zu treffen.

Was leisten Fondsratings?

Vor allem mithilfe des qualitativen Fondsratings können sich Investoren einen umfassenden Marktüberblick verschaffen.

Voraussetzung ist jedoch, dass sie sich mit den unterschiedlichen Bewertungsmethoden der Agenturen vertraut machen.

Hat ein Fonds über längere Zeiträume (3 bis 5 Jahre) gute Noten selbst in schwierigen Zeiten, gehört er sicher zur Spitzengruppe. Das gilt vor allem, wenn derselbe Fonds von mehreren Agenturen gleich gut bewertet wird.

Bei gutem Rating besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine zukünftig stabile Wertentwicklung aber keine Sicherheit.

Untersuchungen zeigen, dass Fonds auch länger anhaltende Spitzenbewertungen auf Dauer nicht halten können.

Fondsratings sind niemals objektiv. Die dem Rating zugrunde liegenden Feststellungen unterliegen einmal der subjektiven Beurteilung der Agentur.

Zum anderen werden Agenturen häufig von Investmentgesellschaften mit einem Rating ihrer Fonds beauftragt. Auch das kann Auswirkungen auf die Objektivität haben.

Allerdings haben bekannte Ratingagenturen einen Namen zu verlieren. Deswegen werden sie kaum zu Gefälligkeitsratings bereit sein.

Nicht alle Fonds können von Ratingagenturen beurteilt werden. Dazu reichen die Kapazitäten in aller Regel nicht aus.

Das gilt vor allem für das qualitative Rating. Junge Fonds und solche mit kleinem Fondsvermögen werden meistens von der Beurteilung ausgeschlossen. Aber natürlich können auch unter diesen Produkten Qualitätsfonds vorhanden sein.

Auf der anderen Seite geben einige Investmentgesellschaften permanent neue Fonds aus, um sich einem Rating auf diese Weise zu entziehen.

Ein schlechtes Rating führt in der Regel zur Schrumpfung des Fondsvermögens während ein gutes Fondsrating die Nachfrage erhöht.

Kennzahlen zur Fondsanalyse

In Fachzeitschriften und anderen Publikationen (Werbebroschüren, Verkaufsprospekten) finden Anleger oft bestimmte Kennzahlen, die zur Qualitätsanalyse eines Fonds herangezogen werden.

Sie können eine Investitionsentscheidung unterstützen, auch wenn viele dieser Kennziffern sich eher auf vergangene Zeiträume beziehen.

Performance: Angegeben wird die Änderung eines Fonds in einem vorgegebenen Zeitabschnitt, oft in Bezug auf einen Vergleichsmaßstab (Benchmark – Referenzindex). Beispielsweise wird bei einem Aktienfonds als Benchmark der MSCI World herangezogen.

Ist die Wertentwicklung besser als der Vergleichsmaßstab, spricht man von Outperformance, ist sie schlechter von Underperformance.

Volatilität: Beschrieben wird die Schwankungsbreite der Rendite/des Kurses um einen Mittelwert. Die Kennziffer sagt etwas zum Risiko aus. Das Risiko ist umso höher, je höher die Volatilität ist.

Sharpe Ratio: Die Kennzahl kombiniert Wertentwicklung mit Risiko (risikoadjustierte Rendite). Der Ertrag einer Geldanlage mit Risiko gegenüber einer Geldanlage ohne Risiko (beispielsweise Spareinlagen), die sogenannte Risikoprämie, wird ins Verhältnis zur Volatilität gesetzt.

Je höher das Sharpe Ratio, desto besser ist der Fonds, weil er sich entweder durch eine hohe Überrendite oder durch eine geringe Volatilität oder durch beides auszeichnet.

Beta und Alpha: Beim Beta wird die Reaktion des Fonds auf Schwankungen des Gesamtmarktes gemessen. Es handelt sich um das sogenannte systematische Risiko, von dem alle Fonds betroffen sind.

Sind die Renditeschwankungen mit denen des Gesamtmarktes vergleichbar, wird dieser Gleichklang mit der Ziffer eins ausgedrückt.

Ein Wert unter eins bedeutet eine geringere, eine Zahl über eins eine höhere Schwankung. Beta kann zwischen den Ziffern eins und zwei schwanken.

Die Kennzahl Alpha hingegen soll etwas über den Anlageerfolg, beispielsweise die richtige Auswahl von Aktien mit überdurchschnittlicher Kursentwicklung, aussagen.

Ist diese Kennzahl positiv, bedeutet das, es wird eine Überrendite erwirtschaftet, die nicht durch die allgemeine Marktentwicklung erklärt werden kann. Vielmehr beruht diese besondere Rendite auf dem Auswahlgeschick des Fondsmanagers.

Treynor-Messzahl:Die Überrendite wird in ein Verhältnis zum Beta gesetzt. Je kleiner das Beta, desto höher ist diese Messzahl und desto höher ist auch die risikoadjustierte Wertentwicklung.

Eine hohe Treynor-Messzahl signalisiert eine geringe Abhängigkeit des Fonds von Marktschwankungen, was als Indiz für ein geringes Risiko gewertet wird.

Tracking Error: Gemessen wird die Schwankungsbreite der konkreten Differenzrendite im Vergleich zu einem Differenzrendite-Mittelwert.

Die Differenzrendite ist der Unterschied zwischen der konkreten Fondsrendite und der Rendite einer Benchmark. Ausgedrückt wird das Abweichungsrisiko in Prozentsätzen.

Je größer die Kennzahl ist, desto höher ist die Abweichung. Ein Trackingerror von bis zu 3 % wird noch als benchmarknah angesehen. Ist die Kennzahl höher, deutet dies auf ein aktives Fondsmanagement hin.

Information Ratio: Die Überrendite wird in ein Verhältnis zum Tracking Error gesetzt. Auf diese Weise wird berechnet, mit welchem Abweichungsrisiko (Tracking Error) die Überrendite erkauft wird.

Die Kennzahl Information Ratio ist umso höher, je geringer das Abweichungsrisiko und je höher die Überrendite ist.

Ein attraktiver Fonds zeichnet sich durch eine hohe Information Ratio aus. Beträgt diese Messzahl 0,5 %, ist die Qualität des Fonds deutlich besser als der Durchschnitt.

Fondskosten

Die mit der Anschaffung und Verwaltung verbundenen Kosten eines Fonds wirken sich unmittelbar negativ auf die Rendite aus.

Ausgabeaufschläge und Rücknahmekosten sind ohne weiteres erkennbar. Anders sieht es mit Gebühren aus, die bei der Verwaltung des Fonds entstehen.

Zwei Kennzahlen geben Aufschluss über einen Teil dieser Kosten und machen Fonds besser vergleichbar.

Gesamtkostenquote

Die sogenannte Gesamtkostenquote (TER – Total Expense Ratio) fasst einen Teil dieser Kosten in einer Kennzahl zusammen. Es geht um die laufenden Kosten eines Fonds. Bei Aktienfonds beträgt die TER etwa 1,5 %.

Nicht enthalten sind:

Ausgabeaufschläge, Rücknahmekosten und Transaktionskosten. In der Kennzahl enthalten sind Verwaltungskosten, Managementgebühren, Verwahrungskosten und Vertriebskosten.

Gemäß Paragraph 166 KAGB hat die Investmentfondsgesellschaft Informationspflichten, die über die Mitteilung der Gesamtkostenquote hinausgehen.

Abgesehen von der Gesamtkostenquote müssen zusätzlich erfolgsabhängige Verwaltungsvergütungen in den Anlageinformationen unter der Rubrik laufende Kosten angegeben werden.

Portfolio Turnover Ratio

Die PTR muss ebenso wie die Gesamtkostenquote in den Prospekten veröffentlicht werden.

Die Kennzahl gibt das Umschlagsvolumen eines Fonds während eines bestimmten Zeitabschnitts an. Die Portfolio Turnover Ratio zielt damit auf die Transaktionskosten ab.

Das Transaktionsvolumen hat immer Auswirkungen auf die Fondskosten. Je mehr gehandelt wird, desto höher sind die Transaktionskosten.

Ein hohes Transaktionsvolumen erhöht also im Prinzip immer die Kosten und verringert die Rendite.

Eine andere Frage ist, wie sich ein hohes Transaktionsvolumen im Vergleich zu Fonds mit geringem Transaktionsvolumen auf die Performance auswirkt.

Es kann durchaus sein, dass sehr aktiv gemanagte Fonds mit hoher PTR im Einzelfall jedenfalls zeitweise besser abschneiden als Fonds mit geringer PTR.

Das scheint vor allem der Fall zu sein, wenn das entsprechende Börsensegment gerade schlecht läuft, beispielsweise in Zeiten tendenziell fallender Aktienkurse.