In gewisser Hinsicht sind ETFs „Mode-Wertpapiere“. Das Angebot wird immer umfangreicher und damit unübersichtlicher. Längst beschränken sich ETF Emittenten nicht mehr nur auf die Abbildung der Hauptindices mit ausgewogenen Rendite-/Risikoverhältnissen wie Dax, Stoxx, MSCI World oder S&P 500 und Dow Jones.

Die Palette reicht vielmehr von undurchsichtigen Branchenindices, riskanten Hochzins-Rentenindices, Emerging Market Indices bis zu hochspekulativen Leverage oder Short ETFs.

Nicht ganz zu Unrecht entsteht der Eindruck, dass die Finanzwirtschaft Indices und Benchmarks kreiert, um darauf neue, ausgefallene und „interessante“ ETFs aufbauen zu können.

Warren Buffett, ein strikter Verfolger der Value Strategie, empfiehlt nicht nur privaten Anlegern, sondern sogar seinen Erben, ihr Vermögen in ETFs anzulegen.

Dahinter steckt wohl der Gedanke, dass es für nichtprofessionelle Anleger fast unmöglich ist, die komplizierten Vorgaben der Value Strategie bei der Investition in einzelne Aktien oder Unternehmensbonds einzuhalten.

Aber sicher wollte der Börsenguru nicht dazu aufrufen, in ETFs mit spekulativen Underlyings zu investieren.

Gemeint hat er wohl Indexfonds, die seinem Value-Ideal am nächsten kommen. Und das sind eben ETFs auf die breit aufgestellten Hauptindices.

Tipps

Wählen Sie die passende Benchmark (Underlying, Index), welche ihrem persönlichen Chancen-/Risikoprofil entspricht.

Suchen Sie einen Qualitäts-ETF für den ausgewählten Basiswert aus. Ein erster Einstieg sind die Bewertungen unabhängiger Investment Analysten. Für ETFs ist unseres Erachtens Morningstar.de eine erste Adresse.

Verzichten Sie niemals auf eine eigene Recherche. Lernen Sie wichtige ETF Kennzahlen kennen und nutzen Sie diese Kennzahlen für eine eigenständige Analyse.

Entscheiden Sie sich, ob Sie einen physisch replizierenden ETF einem webbasierten ETF vorziehen oder ob Ihnen die Art der Replikation gleichgültig ist. Die Unterschiede und Risiken werden in einem gesonderten Beitrag dargestellt.

Entscheiden Sie sich zwischen ausschüttende und reinvestierende ETFs. Für die Vermögensbildung sind reinvestierende Papiere geeigneter.

Investieren Sie in einen ETF mit ausreichendem Handelsvolumen und hohem Fondsvermögen.

Sie werden an den Börsen ausreichend gehandelt, so dass mit geringen Handelskosten (Spread) gerechnet werden kann.

An welcher Börse kaufe ich den ausgewählten ETF am günstigsten?

Wählen Sie einen passenden Handelsplatz, an dem das Handelsvolumen des ausgewählten ETFs möglichst hoch ist.

Sofern in ETF Sparpläne investiert werden soll: Ist der ausgewählte ETF Sparplan fähig? Welcher Broker ermöglicht den Sparplan zu niedrigen Kosten und Gebühren?

Welcher Index?

Jeder ETF teilt im Prinzip das Schicksal des Indexes, den er nachbaut.

Private Anleger, die zwecks Vermögensaufbaus in einen ETF investieren möchten, sollten einen Indexfonds mit langfristig stabiler Performance wählen.

In Deutschland wird häufig der MSCI World empfohlen, zuletzt von Test.de, obwohl dieser Index heftigen kurzfristigen Wertschwankungen unterliegen kann.

Einsteiger sind immer gut beraten, einen der bekannten Hauptindices auszuwählen.

Von Bedeutung ist, wie sich der Index zusammensetzt. Der MSCI World beispielsweise, mit seinen ca. 1650 Einzelwerten, berücksichtigt ausschließlich Titel aus „entwickelten“ Ländern, nicht aus Schwellenländern.

Gewichtet werden die einzelnen Aktien nach dem Börsenwert.

Da Unternehmen aus den USA sehr häufig den höchsten Börsenwert haben, sind ca. 58 Prozent der MSCI die World enthaltenen Aktien USA Titel.

Deutschland liegt mit 3,5 Prozent auf Platz 7. Der MSCI Factsheet gibt Auskunft über wichtige Einzelaktien sowie über die sektorale Gewichtung und die Ländergewichtung.

Bei fast allen Hauptindices orientiert sich die Gewichtung der Einzelwerte an der Marktkapitalisierung (Anzahl der Aktien multipliziert mit dem Börsenkurs).

Welche Einzelwerte, mit welcher Gewichtung vertreten sind, ist umso wichtiger, je exotischer der Index ist.

So gibt es Fonds, die Indices mit speziellen Anlagestrategien nachbilden, sogenannte Smart-Beta-ETFs. Ein Beispiel ist der Deka Stoxx Europe Strong Growth 20.

Der abgebildete Index soll die reinsten Wachstumsunternehmen in Europa beinhalten. Die Hauptwerte sind eher Aktien von kleineren Unternehmen mit hoher Volatilität.

Allein in kleinere Wachstumswerte zu investieren, also in einen kleinen Ausschnitt eines breit angelegten Indexes, kann kurz oder mittelfristig hohe Gewinne versprechen, allerdings bei ausgeprägtem Verlustrisiko.

Warren Buffett jedenfalls würde eine solche Investition meiden.

ETFs eignen sich vor allem für die Geldanlage in Aktien.

Es gibt sie aber praktisch für jeden Index. Vor allem ETFs, die mit Rohstoff- oder Anleiheindices unterlegt sind, erfreuen sich großer Beliebtheit. Bei Anleiheindices spielt die Zusammensetzung eine entscheidende Rolle.

Länder und Unternehmen werden nicht nach der Anleihequalität gewichtet, sondern nach der Höhe des Schuldenstandes. Es kann also vorkommen, dass ein Anleihe-ETF, der mit Staatsanleihen unterlegt ist, in erster Linie Länder mit schlechter Bonität berücksichtigt.

ETF-Auswahl

Die Auswahl der ETFs ist groß, vor allem wenn die Benchmark ein gängiger Index ist. Wie erkennt man den besten und günstigsten ETF? Ein erster Anhaltspunkt sind die Bewertungen unabhängiger Analysten.

Ein ETF ist empfehlenswert, wenn er die Wertentwicklung des zugrunde liegenden Indexes in etwa widerspiegelt oder übertrifft. Einige  wichtige Kennzahlen, die in einem gesonderten Beitrag genauer beschrieben werden, geben dazu Hinweise:

Tracking Error: Gemessen wird die Standardabweichung zwischen Index und ETFs oder anders ausgedrückt die Volatilität der Renditedifferenz.

Beträgt die Kennzahl null, ist die Wertentwicklung des ETFs mit der des Indexes gleich.

Häufig wird eine geringe Abweichung – 0,1 Prozent oder 0,2 Prozent – festzustellen sein.

Ist die Abweichung höher, liegt sie beispielsweise bei 0,4 oder bei 0,5 Prozent, empfiehlt sich der Kauf des ETFs nicht. Der Tracking Error ist besonders wichtig für kurzfristig orientierte Anleger.

Tracking Difference: Gemessen wird der Renditeunterschied zwischen ETF und Index. Die Tracking Difference berücksichtigt alle Kosten, auch den Spread.

Diese Kennzahl ist wichtig für langfristig orientierte Anleger. Ist die Kennzahl positiv, hat der Indexfonds die Wertentwicklung seiner Benchmark geschlagen.

Das kann vorkommen, wenn Erträge aus der Wertpapierleihe oder Steuererstattungen dem Anleger zugutekommen. Eine leicht positive Tracking Difference ist für die Qualität des ETFs ein gutes Zeichen.

Fondsvolumen: Ein Fondsvolumen über 100 Millionen Euro bedeutet, dass der Fonds profitabel ist und die Gefahr der Schließung in der Regel nicht besteht.

Ein ausreichendes Fondsvolumen ist darüber hinaus ein Indiz dafür, dass an der Börse sowohl eine ausreichende Nachfrage als auch ein ausreichendes Angebot besteht.

Total Expense Ratio (TER): TER ist eine Kennzahl für die anteiligen Verwaltungskosten. Sie berücksichtigt zum Beispiel Verwaltungsvergütungen, Veröffentlichungskosten, Depotbankvergütungen und Druckkosten.

Je niedriger diese Kennzahl ist, desto besser. Durchschnittlich beträgt sie zwischen 0,3 und 0,6 Prozent. TER berücksichtigt nicht die Handelskosten und gibt deshalb kein vollständiges Bild über die Gesamtkosten.

Total Cost of Ownership (TCO): Diese Kennzahl ist aussagefähiger als die Total Expense Ratio und korrespondiert mit der Tracking Difference.

Sie setzt sich wie folgt zusammen: Total Expense Ratio zuzüglich Handelskosten abzüglich aller Zusatzerträge.

In den Handelskosten sind regelmäßig enthalten: Spread (Geld/Brief Spanne), Rebalancing-Kosten, Kommission. Nicht alle Emittenten geben diese Kennzahl ohne weiteres an. IShares informiert nach eigenen Angaben über die TCO.

ETFs kaufen und verkaufen

ETFs sind Indexfonds, die an der Börse gehandelt werden. Beim Handel an der Börse werden niemals Ausgabeaufschläge oder Rücknahmeabschläge erhoben.

Allerdings fallen Handelskosten an, die sich im Wesentlichen aus dem Spread, den Brokergebühren und gegebenenfalls der Börsencourtage zusammensetzen.

Manche Vermögensverwalter bieten neben ETFs auch Indexfonds an, die nicht an der Börse gehandelt werden oder die neben dem Börsenhandel auch direkt vom Emittenten erworben werden können.

Außerhalb des Börsenhandels können Ausgabeaufschläge und auch Rücknahmekosten erhoben werden.

Gleichgültig um welche Kosten es sich handelt, die Auswirkungen auf die Rendite sind immer negativ. Deswegen kommt es darauf an, Kosten und Gebühren beim Handel mit ETFs in vernünftigen Grenzen zu halten.

Broker-Auswahl

Bevor ETFs geordert werden können, benötigen Anleger ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einer Sparkasse.

Direktbanken und Onlinebroker bieten in der Regel kostenlose Depots und konkurrieren untereinander um niedrige Orderkosten.

Die Gebührentabellen sind allerdings sehr unübersichtlich. Sie richten sich häufig nach der Anzahl der Orders und/oder nach dem Ordervolumen.

Manche Onlinebroker bieten Flatrates an. Mit welchem Broker ein Anleger am günstigsten fährt, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Immer aber sind Direktbanken günstiger als Filialbanken.

Nettoinventarwert prüfen

ETFs sind immer nur das wert, was die Summe der in dem abgebildeten Index enthaltenen Wertpapiere wert ist.

Der Nettoinventarwert (NAV) errechnet sich aus dem Wert aller geldwerten Positionen eines ETFs abzüglich der Verbindlichkeiten geteilt durch die Anzahl der umlaufenden Anteile.

Vor einem Kauf sollten Anleger prüfen, ob der Kaufpreis dem Nettoinventarwert in etwa entspricht.

Dann wird das Papier an der Börse fair bewertet. Der Kaufpreis sollte jedenfalls nicht höher sein.

In der Regel tendieren die Kurse dazu, sich dem Nettoinventarwert anzupassen. Diese Anpassung kann aber verzögert geschehen, und es gibt einige Gründe, dass sie längere Zeit überhaupt nicht geschieht.

Der aktuelle Nettoinventarwert kann mit dem sogenannten indikativen Nettoinventarwert abgeschätzt werden.

Während der Nettoinventarwert auf der Grundlage von Schlusskursen erhoben wird, handelt es sich bei der indikativen Kennzahl um eine laufende Schätzung des Nettoinventarwerts, die wenigstens alle 60 Sekunden vorgenommen wird.

Die indikativen Nettoinventarwerte werden von den Börsen, den Emittenten und auch den Agenturen Reuters und Bloomberg herausgegeben.

Geringer Spread

Der Spread bezeichnet den Unterschied zwischen Geldkurs und Briefkurs (Angebotskurs und Nachfragekurs).

Ist das Handelsvolumen hoch, bedeutet dies einen niedrigen Spread. Geringe Spreads wiederum bedeuten einen angemessenen Kaufpreis bei geringen Tradingkosten.

Die negativen Auswirkungen des Spreads auf die Rendite werden häufig übersehen. Die Differenz zwischen Geldkurs und Briefkurs ist Teil der Handelskosten.

Limits setzen

Kauflimits und Verkaufslimits schützen vor bösen Überraschungen und sind vor allem bei ETFs mit geringem Handelsvolumen an der ausgesuchten Börse eine sinnvolle Absicherung.

Limits begrenzen den Kaufpreis nach oben und den Verkaufspreis nach unten. Eine günstigere Ausführung der Order bleibt immer möglich.

Limits sollten realistisch festgesetzt werden, da es andernfalls überhaupt nicht zu einer Ausführung der Order kommen kann.

Ein Maßstab kann der letzte vom Broker angegebene Briefkurs sein.

Der beste Zeitpunkt

Es gibt lange Abhandlungen darüber, wann der beste Zeitpunkt ist, an der Börse Wertpapiere zu handeln. Wahrscheinlich gibt es keine allgemein gültigen Regeln, aber im Allgemeinen wird die Mitte des Handelstages als regelmäßig günstigster Zeitpunkt angesehen.

Zum Handelsbeginn ist der Spread meist am höchsten, weil die großen Marktteilnehmer erst einmal die Entwicklung der Kurse abwarten. Zum Ende des Handelstages kann es sehr volatil werden.

Ausländische ETFs sollten grundsätzlich erst gehandelt werden, wenn die Heimatbörse eine gewisse Zeit geöffnet haben, ansonsten besteht die Gefahr, dass die zukünftigen Kurse des Underlyings „geschätzt“ werden.

ETFs, die amerikanische Indices abbilden, sollten also beispielsweise nach Eröffnung der Wall Street am Nachmittag gehandelt werden.

Welcher Handelsplatz?

ETFs können an allen Börsen gehandelt werden, an denen sie zugelassen sind. In Deutschland werden sie vor allem auf Xetra, an der Stuttgarter Börse und auf der elektronischen Börse Tradegate Exchange gehandelt.

Xetra und die Börse Stuttgart werben mit dem sogenannten Best-Price-Prinzip. Sie setzen bestimmte Maximalspreads fest, die nicht überschritten werden dürfen. Dadurch wird ein Handel zu fairen Werten weitgehend gewährleistet.

Bei der  Börse Stuttgart beträgt das Transaktionsgeld gegenwärtig nur 0,1 Prozent vom Orderwert mit einer Höchstgrenze von 14,49 Euro. Zudem ist die Börse börsentäglich von 8 bis 22:00 Uhr geöffnet.

Grundsätzlich gilt, der Handel mit ETFs ist an dem Börsenplatz am sinnvollsten, an dem das Handelsvolumen am höchsten ist. Dort gibt es, wenn überhaupt, die geringsten Abweichungen vom NAV.

Zudem werden ETFs auch außerbörslich von Handelshäusern und Banken angeboten.

In der Regel ist ein Direkthandel weniger empfehlenswert, weil der Spread höher ausfallen kann als beim Parketthandel oder elektronischen Börsenhandel. Das gilt zur vor allem, wenn außerhalb der Börsenzeiten geordert wird.

ETF Sparpläne

ETF Sparpläne gibt es unter zwei Voraussetzungen: Die Emittenten müssen für ihre ETFs Sparpläne zulassen und die Banken bzw. die Broker müssen entsprechende Möglichkeiten anbieten.

Die Webseite https://www.justetf.com/de/find-etf.html erlaubt einen sehr umfassenden Überblick über die Sparpläne bekannter Onlinebroker.

Unter den Produktbeschreibungen findet man den Hinweis, ob der betreffende ETF sparplanfähig ist. Klickt man „Beste Sparplan Angebote“ an, kommt man zu einem Preisvergleich unter verschiedenen Brokern.

Für jede investierte Sparrate fällt grundsätzlich eine Gebühr an. Je geringer diese Gebühr ist, desto mehr Rendite kann erwirtschaftet werden.

Viele Broker bieten ihren Kunden Sparpläne ohne jede Sparratengebühr oder mit nur sehr geringen Gebühren. Allerdings können die Gebühren in der Zukunft jederzeit geändert werden.

Manche Broker bieten Sparpläne bereits ab 25 Euro oder 50 Euro an. Ob sich solche Sparpläne rechnen, muss natürlich jeder Anleger für sich selbst entscheiden.

Unseres Erachtens ist es eher sinnvoll, in jährlichen oder halbjährlichen Abständen größere Beträge in einen Sparplan zu investieren.

Auf diese Weise können Anleger sich ihren eigenen, individuellen Sparplan anlegen.

Anleger sollten keinesfalls einen Sparplan nur deshalb wählen, weil er bei einem bestimmten Broker gerade ohne Sparplangebühr angeboten wird.

Entscheidend ist die Qualität des ETFs. Erst den passenden ETF auszuwählen und danach einen Broker mit einem kostengünstigen Sparplan zu suchen, das ist der richtige Weg.