Klar, Sparbücher, Festgeld oder Tagesgeld bringen nichts mehr. Aber bloß nicht irgendwie in Aktien investieren. Das ist viel zu risikoreich. Dann schon eher Geld anlegen in Alternative Investments.

Die Beteiligung an einem Pflegeheim oder einer alten Wohnanlage, der Erwerb von Goldbarren und anderen Edelmetallen oder die Kapitalanlage in Kunst und Antiquitäten, das klingt handfest und krisensicher, ist aber in Wahrheit eher spekulativ.

In der Tat haben Alternative Geldanlagen in den letzten Jahren immer wieder von sich reden gemacht. Sogar Fachzeitschriften preisen sie als clevere Anlageidee in schwierigen und ungewissen Zeiten.

Hat nicht kürzlich eine gepflegte alte Ente (für jüngere Anleger: ein Citroen 2CV) fast 30.000 Euro gebracht?

Wurde nicht kürzlich eine Flasche französischen Rotweins für 5000 Euro versteigert? Auch Whisky bekannter Marken erfreut sich hoher Wertzuwächse, wie man in der Presse lesen kann.

Alte Comichefte sind ebenso gefragt, offenbar vor allem in den USA. Und glücklich kann sich schätzen, wer von seiner Großmutter einen alten Teddybären der Marke Steiff geerbt hat.

Mit einigem Geschick können für den Bären über 100.000 Euro erzielt werden.

Es mag skurril klingen, aber all diese Dinge laufen unter dem Begriff „Alternative Geldanlagen“. Sie stellen aber nur einen kleinen Teil der möglichen Kapitalanlagen dar, die unter diesem Begriff zusammengefasst werden.

Profis, denen es um Vermögensaufbau und Ertrag geht, werden wahrscheinlich von der Investition in skurrile Geldanlagen absehen.

Solche Besonderheiten sind eher etwas für Sammler. Für Profis stehen neben der Geldanlage in Immobilien und Edelmetallen ganz andere Möglichkeiten zur Verfügung.

Alternative Investments: Definition und Beispiele

Im deutschen Sprachgebrauch gelten häufig Investitionen in Unternehmen oder Projekte aus dem Umweltbereich (Windenergie, Fotovoltaik beispielsweise) als Alternative Kapitalanlagen.

Auch eine Investition in Unternehmen, die ethischen Prinzipien folgen (zum Beispiel keine Rüstungsgüter) wird als Alternative Geldanlage bezeichnet.

Solche Investitionen können „alternativ“ sein, es kann sich aber auch um ganz normale Geldanlagen handeln.

Eine umfassende, einheitliche Definition für „Alternative Geldanlagen“ ist nicht ohne weiteres möglich. Häufig wird der Begriff negativ abgegrenzt.

Danach ist eine Alternative Kapitalanlage jede Investition, die nicht in klassische Geldanlagen getätigt wird.

Unter „klassisch“ werden Anlagen in übliche Sparprodukte, verzinsliche Wertpapiere und im geregelten Markt gehandelte Aktien. Dabei ist es gleichgültig, ob direkt investiert wird oder über Fonds. Auch normale Indexfonds und ETFs gehören zu den klassischen Geldanlagen.

Neben dieser Negativabgrenzung gibt es ein positives Merkmal. Alternative Investments versuchen, bei jeder Marktentwicklung Gewinne zu erzielen oder doch Verluste zu vermeiden.

Sie orientieren sich nicht an einer Benchmark, beispielsweise an einem Aktienindex. Ziel ist es stetige Erträge zu erwirtschaften oder einen stetigen Wertzuwachs.

Einige Produkte alternativer Geldanlagen erzielen Erträge, die regelmäßig ausgeschüttet werden können. Bei anderen Produkten hingegen verbleibt es bei einem Wertzuwachs.

Anleger setzen darauf, dass die Kapitalanlage im Durchschnitt stetig an Wert zunimmt. Darüber hinaus wird häufig eine Wertentwicklung entgegengesetzt zu den üblichen Kapitalmärkten (zum Beispiel Aktienmärkten) angestrebt.

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Alternative Geldanlagen können verhältnismäßig illiquide sein. In manchen Fällen ist der gegenwärtige Marktwert nur schwer zu bestimmen.

Grundsätzlich handelt es sich bei alternativen Investitionen um spekulative Geldanlagen. Die Kosten für die Anschaffung und die Veräußerung können relativ hoch sein.

Gesetzliche Regulierungsvorschriften, die dem Anlegerschutz dienen, können entweder ganz fehlen oder eingeschränkt sein.

Alternative Geldanlagen stellen keine besondere, eigene Anlageklassen (Asset Class) dar. Wie unterschiedlich sie nach Risiko und Ertragschancen sein können, zeigen die folgenden Beispiele.

Hedgefonds

Hedgefonds sind typische Alternative Geldanlagen. Sie werden immer aktiv gemanagt. Die Manager versuchen unabhängig vom Markttrend eine möglichst hohe Rendite zu erzielen.

Um dies zu erreichen, werden sehr unterschiedliche Anlagestrategien angewandt. Häufig soll dies mit der sogenannten Long-/Shortstrategie gelingen.

Beispielsweise werden als unterbewertet angesehene Wertpapiere wie Aktien gekauft (long) und zugleich überbewertete Wertpapiere verkauft (short). Dadurch soll versucht werden, das Marktrisiko so weit wie möglich auszuschalten.

Investiert werden kann in alle möglichen geldwerten Gegenstände und Wertpapiere. Meistens werden Instrumente wie Aktien, Anleihen, Optionen und andere Futures sowie Währungen verwandt.

Oft werden Surrogate wie Optionsscheine und Optionen genutzt, um beispielsweise in Edelmetalle aller Art zu investieren. Hedgefonds gelten gemeinhin als hochspekulativ.

Dachfonds

Dachfonds, englisch Funds of Funds, investieren in andere Fonds, Zielfonds genannt. Auch diese Fonds werden aktiv gemanagt.

Dachfonds unterliegen der gesetzlichen Regulierung. Die richtige Auswahl der Zielfonds bestimmt das Verhältnis zwischen Risiko und Ertragschancen.

Im Prinzip kann mit Dachfonds ein hoher Grad an Diversifikation erreicht werden, wodurch sich das Anlagerisiko verringern kann.

Dagegen steht das in manchen Fällen auftretende sogenannte Klumpenrisiko. Das Klumpenrisiko tritt ein, wenn mehrere Zielfonds dieselbe Anlagestrategie verfolgen.

Beispielsweise können in mehreren Zielsfonds die gleichen Aktien enthalten sein oder mehrere Zielfonds investieren schwerpunktmäßig in dieselben Branchen.

Ist das der Fall, wird der Effekt erhöhter Diversifikation verwässert, und es kann sogar der gegenteilige Effekt eintreten.

Private Equity

Mit Private Equity sind außerbörsliche Unternehmensbeteiligungen gemeint. Diese Beteiligungen werden an Börsen nicht gehandelt. Investoren können sich unmittelbar an einem Unternehmen beteiligen. Gebräuchlicher ist aber ein anderer Weg.

Private Equity Unternehmen, die sich auf außerbörsliche Beteiligungen spezialisiert haben, sammeln Kapital ein, mit dem sie sich an ausgewählten Unternehmen beteiligen.

Kapitalgeber können entweder institutionelle Anleger sein oder Einzelpersonen. Private Equity Unternehmen werden in Deutschland auch als Kapitalbeteiligungsgesellschaften bezeichnet.

Für Direktinvestitionen kommen im Prinzip alle Unternehmen in Betracht. Meistens werden sich aber kleinere Unternehmen auf diese Weise Kapital beschaffen.

Dabei muss es sich nicht um eine Aktiengesellschaft handeln. In Betracht kommen auch GmbHs oder Kommanditgesellschaften.

Besondere Bedeutung haben außerbörsliche Unternehmensbeteiligungen für junge Firmen (Startups).

In diesem Zusammenhang wird von Venture Capital oder Risikokapital versprochen. Investiert wird vornehmlich in junge Firmen junger Branchen, die sich im Gründerstadium befinden.

Es bedarf viel Erfahrung und Fachwissen, um die zukünftigen Entwicklungschancen solcher Startups beurteilen zu können.

Erfüllen sich die Erwartungen, sind überdurchschnittlich hohe Gewinne möglich. Im umgekehrten Fall kann es sogar zu einem Totalverlust kommen. Firmen wie Google, Twitter oder Facebook sind mithilfe von Venture Capital groß geworden.

In Kredite investieren

Diese Form der alternativen Geldanlage ähnelt den außerbörslichen Unternehmensbeteiligungen. Der Geldgeber wird jedoch nicht Unternehmer, also Miteigentümer.

Vielmehr wird er Gläubiger. Die Grenzen zwischen Unternehmensbeteiligung und Kreditgeber können aber im Einzelfall fließend sein.

Beispiele sind partiarische Darlehen oder Mezzanine Kapital.

Häufig gewähren solche Finanzierungsformen neben oder anstelle der üblichen Darlehenszinsen Gewinnbeteiligungen.

Nicht selten sind partiarische Darlehen nachrangig, d. h. im Falle eines Vermögensverfalls des Unternehmens gehen die Forderungen anderer Gläubiger vor.

Neben partiarischen Darlehen gibt es noch andere Formen des Mezzanine Kapitals: Genussrechte (Verbriefung durch Genussscheine) oder stille Beteiligungen beispielsweise.

In den letzten Jahren hat sich in Deutschland eine besondere Form des Crowdfundings etabliert. Internetportale vermitteln Geldgeber an Kreditnehmer.

In diesem Zusammenhang wird von Krediten von privat an privat oder von P2P Krediten gesprochen.

Meistens befassen sich Kreditbörsen nur mit der Vermittlung von Darlehen an Privatpersonen. Die Vermittlung von Geschäftskrediten über P2P Portale ist hingegen selten.

Investition in geldwerte Gegenstände

Infrage kommen hier zunächst alle Gegenstände, die Sammler interessieren.

Neben den in der Einleitung aufgeführten können dies beispielsweise noch Schallplatten, Autogramme, Briefmarken, Sneaker, Musikinstrumente, Uhren und alle anderen Gegenstände, auf die sich Sammler stürzen können, sein.

Eine alternative Geldanlage ist auch die Investition in Immobilien entweder direkt oder durch offene oder geschlossene Fonds.

Auch in Anlagen wie Windkraftanlagen oder Solaranlagen kann investiert werden, ebenso in alle landwirtschaftlichen Güter und Wald.

Neben Immobilien kommen für den Vermögensaufbau Rohstoffe aller Art infrage:

Öl und Gas vor allem. Schließlich sind die beliebten Edelmetalle bzw. chemische Stoffe Alternative Kapitalanlagen.

Dabei muss nicht nur an Gold und Silber gedacht werden. Platinum, Lithium sind weitere Beispiele für die ungeahnten Möglichkeiten.

Risiken und Chancen alternativer Geldanlagen

Wer über Alternative Geldanlagen schreibt, darf einen Hinweis auf die Anlageerfolge amerikanischer Universitäten nicht auslassen.

Die Stiftung der Universität Yale gilt insoweit als Musterknabe. Einen sehr informativen Artikel darüber finden Leser auf http://www.geld-anlegen-investieren.de/geldanlage/ratgeber-geld/63-13-9-rendite-pro-jahr-die-universitaet-yale-zeigt-wie-es-geht-und-das-seit-30-jahren.html

Die Universität Yale baut in ihrer Anlagestrategie Alternative Investments ein.

Zudem wird in gewissem Umfang Fremdkapital eingesetzt (für Privatanleger niemals zu empfehlen). Alternative Geldanlagen stellen sogar den Löwenanteil am Vermögen der Stiftung dar. Allerdings ist knapp ¼ des Vermögens konservativ angelegt.

Anhand der Anlagestrategie der Yale Stiftung lassen sich gut die Chancen und Risiken sowie die möglichen Fehler einer alternativen Geldanlage in aller Kürze erklären:

Voraussetzung für den Anlageerfolg ist vorhandenes Fachwissen.

Die Yale Stiftung verfügt darüber, der normale Privatanleger hingegen nicht. Nur dieses Fachwissen ermöglicht überdurchschnittliche Renditen.

Breite Diversifikation ist unumgänglich und setzt ein relativ hohes Vermögen voraus.

Wer alles auf eine oder auf wenige Karten setzt, der verliert. Für Privatanleger bedeutet Diversifikation genau, nur einen kleinen Teil des zum Vermögensaufbau verfügbaren Kapitals alternativ anzulegen.

Direkte Investitionen sind weniger risikoreich als Investitionen über Surrogate.

Die Investition in gegenständliches Gold birgt weniger Risiken als die Investition in Optionen oder Optionsscheine. Direkt in Immobilien zu investieren ist sicherer, als einen geschlossenen Immobilienfonds zu wählen.

Anlegerschutz wird bei den meisten für Vermögensaufbau grundsätzlich geeigneten alternativen Geldanlagen klein geschrieben.

Anleger sind also auf sich und die eigenen Kenntnisse gestellt. Diese Kenntnisse müssen sich nicht nur auf die Zielinvestition, sondern gegebenenfalls auch auf das Surrogat beziehen.

Beispiel: Wer einen Anteil an einem Immobilienfonds erwirbt, muss nicht nur über Kenntnisse zur Werthaltigkeit und zu den Ertragsaussichten der Immobilien verfügen, sondern auch die Qualität des Immobilienfonds (zum Beispiel Managerqualitäten) beurteilen können.

Die manchmal allen Ernstes empfohlenen Investitionen in Sammlergegenstände sind mit wenigen Ausnahmen zu Zwecken des Vermögensaufbaus unseres Erachtens nicht geeignet.

Die Auktionserfolge sind häufig Einzelfälle.

Bei Sammlerobjekten kann kein Mensch beurteilen, wie sich deren Wert entwickeln wird.

Die Flasche Wein kann nach 20 Jahren einen hohen Wert erreichen oder völlig wertlos sein, weil man den unterdessen ungenießbar gewordenen Wein nicht einmal mehr trinken kann. Wertsteigerungen sind eher ein netter Nebeneffekt.

Aber bei Sammlerobjekten steht ihm die Freude am Sammeln schöner Gegenstände im Vordergrund.