Anleger wissen nicht, wohin mit ihrem Geld. Das niedrige Zinsniveau macht angemessene Erträge aus risikoarmen, kalkulierbaren Wertpapieren und Kapitalanlagen so gut wie unmöglich.

Die Aktienmärkte verzeichnen ungewöhnliche Wertzuwächse. Manchmal ist davon die Rede, dass Aktien überbewertet sind.

Das macht eine Kapitalanlage in Aktien, sowieso für viele deutsche Anleger eigentlich zu risikoreich, noch risikoreicher.

In dieser Situation ist die Fantasie der Akteure auf dem Finanzmarkt gefragt. Ein Finanzprodukt unter einem neuen Namen muss her. Und die Akteure haben geliefert.

Das Finanzprodukt heißt Absolute Return Fonds.

Genau genommen ist dieses Fonds-Produkt nicht wirklich neu. Der erste Fonds dieser Art wurde 1949 von Alfred Winslow Jones in New York herausgebracht.

Aber richtige Erfolge feiern Absolute Return Fonds erst seit der Finanzkrise. Seitdem gehört diese Fondsart angeblich zu den weltweit am schnellsten wachsenden Finanzprodukten.

Eigentlich ist das Finanzprodukt nichts anderes als ein Hedgefonds.

Doch Hedgefonds lassen sich in Deutschland nicht ohne weiteres an den Privatanleger bringen. Sie sind nicht als UCITS-Fonds zugelassen.

Also musste die Anlagestrategie entsprechend verändert werden. Es handelt sich jetzt um hedgefondsähnliche Produkte, die in den „Mantel eines regulierten UCITS-Fonds gesteckt“ werden.

Welche Strategien Fondsmanager nutzen, was Absolute Return Fonds überhaupt sind und ob sie tatsächlich gleichbleibend hohe Renditen unabhängig vom Marktgeschehen liefern, erklären wir kurz in diesem Artikel.

Absolute Return, Relative Return und Total Return: Definitionen

Total Return wird manchmal mit dem Begriff Absolute Return verwechselt. Mit Total Return ist nichts anderes gemeint als die Gesamtrendite einer Geldanlage unter Einschluss ausgekehrter Zinsen und abgeführter Steuern.

Herkömmliche, aktiv gemanagte Fonds, folgen dem Relative Return Prinzip. Fondsmanager messen den Erfolg ihres Produkts an der Wertentwicklung einer bestimmten Benchmark.

Beispielsweise ist der DAX die Benchmark für einen Fonds, der ausschließlich in deutsche Aktien investiert.

Fondsmanager versuchen die Wertentwicklung der Benchmark zu übertreffen. Der Relative Return ist umso höher, je besser dies gelingt.

Maßstab für die Entwicklung eines nach dem Relative Return Prinzip aufgelegten Fonds ist immer die allgemeine Wertentwicklung des entsprechenden Vergleichsmarktes.

Ein hoher Relative Return muss deshalb nicht bedeuten, dass ein Anleger Gewinne erzielt.

Beispiel: In einem bestimmten Zeitabschnitt ist der DAX als Benchmark um 20 % gefallen. Der aktiv gemanagte Fonds konnte aber 3 % besser abschneiden als der Index.

Die Fondsmanager können stolz auf den positiven Relative Return sein. Anleger, die den Fonds gekauft haben, werden hingegen weniger beeindruckt sein. Sie haben verloren, wenn auch weniger als der Vergleichsindex.

Relative Return Fonds lassen sich verhältnismäßig einfach vergleichen. Als Maßstab dient die Wertabweichung von der angegebenen Benchmark.

Absolute Return Fonds setzen sich ein bestimmtes Ertragsziel, welches sie unabhängig von der allgemeinen Marktentwicklung zu erreichen versuchen.

Selbst in einem schwierigen oder sehr volatilen Marktumfeld wird ein stetiger Kapitalzuwachs versprochen.

Minimalziel ist immer der Kapitalerhalt.

Da eine Benchmark fehlt, lassen sich Absolute Return Fonds nur schwer miteinander vergleichen.

Vielleicht kann das Maß der positiven oder negativen Abweichung von einem vorgegebenen Anlageziel als Vergleichsmaßstab herangezogen werden.

Wurde das Ziel des Kapitalerhalts +X erreicht, überschritten oder unterschritten?

Die Protagonisten dieser Fondsart drücken dies in der Fachsprache gerne so aus: Ziel ist ein attraktives Alpha (Mehrwert) bei nur geringem Beta (Marktentwicklung).

https://www.sauren.de/media/fonds-professionell_absolute-return_sonderdruck.pdf

Beispiel:

Ein Fonds investiert in festverzinsliche Wertpapiere. Versprochen wird eine konstante Rendite X.

Um diesem Ziel nahezukommen, werden nicht einfach nur festverzinsliche Wertpapiere gekauft, sondern es müssen auch Mechanismen entwickelt werden, die Gewinne noch bei fallenden Kursen ermöglichen.

Absolute Return Strategien

Eine marktunabhängige Wertsteigerung in einer vorgegebenen Höhe lässt sich vornehmlich mit Hedgefondsstrategien erreichen.

Wird eine bestimmte Position eingegangen, muss eine Gegenposition aufgebaut werden. Im Idealfall wird dadurch eine Verstetigung der Wertentwicklung erreicht, die relativ unabhängig vom Marktgeschehen vonstattengeht.

Der Aufbau von Long/Short-Positionen muss nicht auf der Grundlage von Indices erfolgen. Manchmal werden Gegenpositionen zu einzelnen Aktien aufgebaut.

Beispiel:

Ein Fondsmanager glaubt an zukünftige Kursgewinne bei der französischen Energieaktie Total. Die amerikanische Energieaktie Chevron hingegen wird nach Auffassung des Managers verlieren.

Grundlage beider Einschätzungen ist eine ausführliche fundamentale Analyse beider Unternehmen.

Der Manager kauft die Aktie von Total und kauft ebenfalls ein Wertpapier, mit dem er auf einen Kursrückgang bei Chevron spekulieren kann.

Der Erfolg dieses Anlagekonzepts hängt davon ab, inwieweit sich die Total Aktie relativ zur Chevron Aktie positiv entwickelt.

Ein ähnliches Beispiel ist in den Unterlagen der Fondsgesellschaft Sauren enthalten. Als Dachfonds investiert Sauren offensichtlich in Fonds, die diese Strategie verfolgen.

Das Problem dabei: Die Voraussagen der Fondsmanager müssen nicht zutreffen. Beide Aktien können sich parallel gut entwickeln oder beide Aktien können fallen.

Die als schlecht eingestufte Aktie kann sich besser entwickeln als die als gut eingestufte. Die Kurse beider Aktien können einbrechen.

Ein Fonds, der sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse bei einzelnen Aktien setzt, hat dann Probleme.

Manchmal geht die Anlagestrategie schon dann nicht auf, wenn ein Unternehmen eine unvorhergesehene Entscheidung trifft, die den Kurs zunächst beeinflusst. Unternehmenszusammenschlüsse und unvorhergesehene Beschlüsse in Bezug auf Dividendenausschüttungen sind Beispiele.

Neben dem eigentlichen Hedging werden noch weitere Strategien angewandt. Beispielsweise wird in schnellem Wechsel unter Verwendung von Derivaten in unterschiedliche Anlageklassen investiert.

Die Gelder der Investoren werden immer dort angelegt, wo in der laufenden Anlageperiode eine gute Rendite erwartet wird.

Absolute Return Fonds als UCITS

UCITS-Fonds sind Produkte, die nach den OGAW Richtlinien aufgelegt und vertrieben werden.

Neben klassischen Wertpapieren dürfen diese Fonds auch in andere liquide Finanzinstrumente investieren.

Erlaubt ist beispielsweise die Investition in Aktien, Anleihen und Geldmarktpapiere. Es können Mischfonds und Dachfonds aus anderen UCITS Fonds gebildet werden.

Nach der OGAW Richtlinie müssen Fonds bestimmte Informationspflichten und Prospektpflichten erfüllen.

Besonders wichtig sind die gesetzlichen Vorgaben zur Zusammensetzung der Finanzprodukte. Vorgaben gibt es beispielsweise in Bezug auf die Risikostreuung, die Liquidität und die Anlagestrategie.

Zum Beispiel sind physische Leerverkäufe nicht gestattet. Erlaubt ist der Aufbau von Short-Positionen in einem bestimmten Umfang und unter Berücksichtigung von Deckungsvorschriften.

Im Gegensatz dazu dürfen Hedgefonds beispielsweise auch in Immobilien investieren und auch andere Strategien verwenden, die nach der OGAW Richtlinie für UCITS-Fonds nicht erlaubt sind.

UCITS-Fonds unterliegen der Erlaubnispflicht und der Überwachung durch die BaFin.

Wenn im Zusammenhang mit Absolute Return Fonds von dem UCITS Schutzmantel die Rede ist, dann bedeutet das zunächst, der Fonds ist in der Auswahl seiner Anlagestrategien eingeschränkt und muss bestimmte Informationspflichten erfüllen.

Über die Qualität des Fonds wird damit keine Aussage getroffen. Die Einschränkung der möglichen Anlagestrategien kann sogar dazu führen, dass ein bestimmter Fonds den vorgegebenen Absolute Return nicht erreichen kann.

Die BaFin prüft nur die gesetzlichen Vorgaben. Die Aufsichtsbehörde prüft nicht die Qualität eines bestimmten Fonds.

Trotz Zulassung durch die BaFin kann ein bestimmter Fonds ein totaler Flop sein.

Beispiele für Fonds

Die verschiedenen Absolute Return Fonds unterscheiden sich nicht nur in den spezifischen Strategien, die sie anwenden, um in allen Marktlagen eine konstante Rendite zu erwirtschaften.

Sie investieren auch in unterschiedliche Wertpapierkategorien.

Manche Fonds werden als rentenlastig bezeichnet wie beispielsweise der BSF Fixed Income Strategies. Der Fonds investiert wenigstens 70 % des Vermögens in festverzinsliche Wertpapiere. Der Rest teilt sich auf Geldmarktpapiere und Devisentermingeschäfte auf.

Andere Fondsprodukte investieren vornehmlich in Aktien wie der Henderson PAN Europ. Alpha. Meist wird auf steigende Kurse europäischer Aktien gewettet. Allerdings werden auch Shortpositionen eingegangen.

Ein bekannter Absolute Return Fonds ist der „Julius Bär absolute Return Bond Fund Plus“. Anlageziel dieses Fonds ist die Erwirtschaftung von regelmäßigen Erträgen in Höhe des Geldmarktzinses +5 %.

Etwa 30 % des Anlagevermögens werden in Anleihen investiert. Der größte Teil wird jedoch in Derivaten angelegt, mit denen vom Fondsmanager prognostizierte Markttrends abgebildet werden sollen.

Bei Finanzen.net können zu diesem Fonds weitere Einzelheiten abgefragt werden.

Auf der Webseite der Börse Frankfurt findet man eine Aufstellung von Fonds, die dem Absolute Return folgen.

Fondssuche ScreenshotNummer

https://www.boerse-frankfurt.de/fonds/fonds-finder?investmentcompany=&type=1&performanceoneyear=&currency=&country=&issuecharge=&subtype=&planassets=&order=SearchResults%3ALowerName%3Aasc&minimumage=&fundsname=&shareid=&p=1&orderBy=&count=25

Unter dem Link finden Sie die jeweils aktuelle Tabelle.

Die hier erwähnten Fonds stellen Beispiele dar. Es handelt sich nicht um Empfehlungen.

Konstante Renditen mit Absolute Return Fonds?

Absolute Return Fonds erfordern ein besonders aktives Fondsmanagement. Dadurch erhöhen sich die renditemindernden Kosten.

Im Übrigen teilen sie das Schicksal der meisten aktiv gemanagten Fondsprodukte. Auf lange Sicht bleiben sie hinter den Erwartungen zurück. Nur sehr wenige erreichen über lange Zeiträume ihr Anlageziel.

Zukünftige Marktentwicklungen sind eben selbst für Profis kaum vorhersehbar.

Der Boom dieser Fondsart wurde durch die Finanzkrise ausgelöst, in deren Folge es zu Kurseinbrüchen bei den Aktienmärkten und Turbulenzen auf den Anleihemärkten kam.

Niedrige Zinsen machten es auf Sicherheit bedachte Anlegern schwer, überhaupt Finanzprodukte zu finden.

Wie Hedgefonds konnten Absolute Return Fonds zunächst von den Turbulenzen profitieren. Aber in Zeiten steigender Aktienmärkte und absehbar steigenden Zinsen ist diese Fondsart unserer Meinung nach eher nicht attraktiv.

Die bei Wikipedia wiedergegebene Einschätzung des amerikanischen Finanzbuchautors Larry Swedroe ist unserer Meinung nach recht zutreffend:

Absolute Return Fonds ist ein Finanzprodukt, das darauf ausgelegt ist, verkauft und nicht gekauft zu werden.

Der Autor empfiehlt stattdessen Finanzierungsschätze. Leider ist es deutschen Privatanlegern selbst seit 2014 nicht mehr möglich in kurzfristige deutsche Finanzierungsschätze, Bundesschatzbriefe genannt, zu investieren.

Ausweichmöglichkeiten sind aber Tagesgeld, kurzfristiges Festgeld oder mit kurzfristigen Euro Anleihen unterlegte ETFs.