100.000 Euro stehen zur Verfügung. Vielleicht stammt das Geld aus einem abgelaufenen Sparvertrag. Vielleicht handelt es sich um die Ablaufleistung einer Kapitallebensversicherung oder um eine Erbschaft. Woher das Geld auch immer kommt, keiner wird es länger als unbedingt erforderlich auf einem Girokonto oder einem niedrig verzinsten Sparkonto liegen lassen wollen.

Also stellt sich die Frage, wie man 100.000 Euro anlegen kann. In welche Finanzprodukte sollte man einen Betrag in Höhe von 100.000 Euro investieren?

Natürlich soll die Geldanlage ertragsstark sein aber ebenso sollten keine unnötigen Verlustrisiken eingegangen werden.

Natürlich kann man 100.000 Euro nutzen, um ein bestehendes Hausdarlehen abzulösen. Plant man den Bau oder den Kauf einer Immobilie, kann die Verwendung als Eigenkapital zur Verringerung der Zinslast sinnvoll sein.

Aber 100.000 Euro eignen sich ebenso ganz hervorragend zum Aufbau eines renditestarken und gut diversifizierten Portfolios.

Es wäre verkehrt, ja sogar ein grober Fehler, einen Betrag über 100.000 Euro nur in ein Finanzprodukt zu investieren.

Wer bei einem solchen Betrag alles auf eine Karte setzt, riskiert entweder, bei der Geldanlage zu vorsichtig vorzugehen und auf erzielbare Renditen zu verzichten. Oder er geht ein viel zu hohes Risiko ein.

Sparziel und Zeithorizont klären

Wie kann die Zusammensetzung eines Portfolios aussehen? Drei Dinge muss jeder Anleger für sich klären, bevor er Geld in Finanzprodukte sinnvoll investieren kann:

  • Mit welchem Risiko kann ich leben?
  • Welche Ziele verfolge ich mit der Geldanlage?
  • Für wie lange möchte ich das Geld anlegen?

Von der Beantwortung dieser Fragen hängt ab, wie hoch der ertragsstarke Teil eines Portfolios sein kann.

Sie als Anleger wollen entweder auf ein bestimmtes Ziel hin mit klarer Zeitvorgabe sparen oder ganz einfach nur schrittweise Vermögen aufbauen.

Wie auch immer Sie sich entscheiden, keinesfalls möchten Sie Ihr Geld verspekulieren. Deshalb kann der renditestarke Teil nicht aus Rohstoffen, Optionsscheinen oder anderen Zertifikaten bestehen, sondern eigentlich nur aus soliden Aktien.

Lesen Sie nun ein paar Gedanken, was man mit 100.000 Euro machen kann. Es handelt sich um Anregungen, keine Empfehlungen oder Ratschläge.

Anleger sind nur erfolgreich, wenn sie eigene Überlegungen über die für sie passende Kapitalanlage anstellen und die Finanzprodukte, in die sie investieren, genau verstehen.

100.000 Euro anlegen: die Portfoliozusammensetzung

Für ein solides Wertpapierdepot kommen Aktien, Anleihen, Immobilien, Festgelder, Tagesgelder und Geldmarktfonds in Betracht.

Alle diese Geldanlagen unterscheiden sich in ihrer Risikostufe und ihren Renditemöglichkeiten.

Im Folgenden erklären wir kurz, worauf es unseres Erachtens bei der Investition in die unterschiedlichen Wertpapiere ankommt.

Investition in Aktien

Aktien pushen die Rendite eines Depots. Gleichzeitig ist das Anlagerisiko höher als bei den anderen Depotbestandteilen.

Man kann das Risiko aber minimieren, ohne dass die Rendite dadurch spürbar geringer wird, wenn man innerhalb der Aktienanlage diversifiziert nach Branchen und Regionen und sich auf die Anlage in BlueChips konzentriert.

Zusätzlich verringert sich das Risiko von Aktien, wenn die Geldanlage wenigstens auf zehn Jahre angelegt ist. Dadurch wird die Anlage unabhängiger von kurzfristigen Kursschwankungen.

Privatanleger sollten sich auf kostengünstige ETFs konzentrieren, die an der Börse gehandelt werden und einen soliden Aktienindex abbilden. ETFs, die mit Aktien aus dem MSCI World unterlegt sind, eignen sich gut.

Im MSCI World sind Aktien aller entwickelten Industrienationen vorhanden mit einem Schwerpunkt auf amerikanische Aktien.

In welche Anleihen investieren?

Staatsanleihen aus Ländern mit ausgezeichnetem Länderrating wie Deutschland, Frankreich oder die Niederlande sind sehr sichere Geldanlagen.

Sicher sind darüber hinaus Unternehmensanleihen, aber nur von dauerhaft ertragsstarken Unternehmen, die gute Bonitätszeugnisse vorweisen können.

Eine Risikostreuung ist möglich, wenn in ETFs investiert wird. Anleger können mischen. Sie können einen Teil in Staatsanleihen und einen anderen Teil in Unternehmensanleihen anlegen. In welchem Verhältnis sie es tun, ist eine Frage der Risikobereitschaft.

Anders als bei Aktien kann das Währungsrisiko bei Anleihen richtig durchschlagen. Deswegen ist eine Anlage in Anleihen aus den Euroländern empfehlenswert. Auf Anleihen aus Fremdwährungsländern sollte verzichtet werden.

Warum sind Anleihen wichtig? Die Wertentwicklung von Aktien und Anleihen ist häufig gegenläufig. Steigen die Aktien, fallen die Anleihen und umgekehrt.

Anleihen sind der Sicherheitspuffer eines jeden Portfolios.

Es gibt Untersuchungen, nach denen ein Portfoliomix aus Aktien und Anleihen einem reinen Portfolio bei der Wertentwicklung langfristig überlegen ist.

Anleihen können auch durch langfristiges Festgeld (teilweise) ersetzt werden.

Reits: Geldanlage in Immobilien

Eigentlich gehören Immobilien in ein gut diversifiziertes Portfolio. Allerdings nicht als Direktinvestition oder als Investition in einen geschlossenen Fonds.

Empfehlenswert sind Reits. Was Reits sind, haben wir in einem gesonderten Artikel erklärt.

Auf den Immobilien-Anteil kann auch verzichtet werden. Stattdessen kann der Aktienanteil am Depot erhöht werden.

Die Cashreserve

Die Cashreserve ist der Anteil an einem Portfolio, der sofort oder wenigstens sehr kurzfristig zur Verfügung steht.

Tagesgelder und kurzläufige Festgelder bis zu einem Jahr eignen sich für die Darstellung der Cashreserve.

Eigentlich gilt dies auch für Geldmarktfonds. In der gegenwärtigen Niedrigzinsphase, sind Geldmarktfonds aber weniger empfehlenswert.

Geldmarktfonds investieren in Werte mit kurzer Restlaufzeit wie Termingelder, Schuldscheindarlehen oder Anleihen mit einer Restlaufzeit unter zwölf Monaten.

Sie unterliegen einem Zinsänderungsrisiko und auch einem Kreditrisiko des Emittenten. Deswegen sollten sie nur aus Staaten mit gutem Länderrating stammen.

100.000 Euro Portfolio für den Vermögensaufbau

Welche Eigenschaften sollte ein Portfolio für den Vermögensaufbau haben?

Zunächst einmal sollte der Anlagezeitraum lang sein, wenigstens zehn Jahre. Je länger, desto besser.

Außerdem sollte klar sein: das Vermögen im Portfolios sollte nicht zu anderen Zwecken als zum Vermögensaufbau genutzt werden.

Entnahmen für andere Zwecke, können das Risikoprofil des Portfolios durcheinanderbringen und außerdem zu Renditeeinbußen führen.

Schließlich sollte das Ende der Anlagephase nicht zu genau definiert werden, um der Gefahr zu begegnen, das Portfolio zur Unzeit auflösen zu müssen.

Es sollte beispielsweise möglich sein, Kurseinbrüche bei Aktien zum geplanten Ende der Geldanlage einige Zeit lang einfach auszusitzen.

Die nachfolgende Tabelle zeigt beispielhaft, wie sich der Wert eines Portfolios bei einer vorgegebenen Jahresrendite über die Jahre entwickeln kann. Ausgegangen wird von einem Anfangsbestand in Höhe von 100.000 Euro.

Rendite

5 Jahre

10 Jahre

20 Jahre

30 Jahre

1 %

105.101 €

110.462 €

122.019 €

134.785 €

2 %

110.408 €

121.899 €

148.595 €

181.136 €

3 %

115.927 €

134.392 €

180.611 €

242.726 €

5 %

127.628 €

162.889 €

265.330 €

432.195 €

Wegen des Zinseszinseffekts wächst der Wert des Portfolios gegen Ende der angenommenen Laufzeit am schnellsten. Voraussetzung ist natürlich, dass eventuell ausgeschüttete Erträge sofort reinvestiert werden.

Gehen wir einmal davon aus, die durchschnittliche Rendite beträgt 5 %. Bei langen Ansparphasen ist dies ein durchaus realistischer Wert.

Der angesparte Betrag soll eine Zusatzrente zur gesetzlichen Altersversorgung über 20 Jahre hinweg finanzieren.

Während der Entnahmephase geht der Anleger auf Nummer Sicherheit und erwirtschaftet deshalb jährlich nur noch eine Rendite in Höhe von 2 %.

Aus der Aufstellung können Sie beispielhaft entnehmen, wie hoch die monatliche Auszahlung sein kann:

Endbetrag

Anlagezeit

Entnahme/Monat

127.628 €

5 Jahre

643 €

162.889 €

10 Jahre

821 €

265.330 €

20 Jahre

1.338 €

432.195 €

30 Jahre

2.179 €

Beispiele für die Portfoliozusammensetzung

Die Zusammensetzung eines Portfolios richtet sich nach dem Alter des Anlegers zur Zeit des Beginns des Anlagezeitraums. Das ist die allgemeine Weisheit. Je älter der Anleger ist, desto geringer sollte der Aktienanteil sein.

Wir wollen dieser Theorie folgen, obwohl man sie durchaus infrage stellen kann.

Man kann auch argumentieren, dass es weniger auf das Einstiegsalter und das gegenwärtige Alter ankommt als vielmehr auf die geplante Anlagedauer zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Vielleicht lassen sich beide Strategien kombinieren. Angenommen, Sie sparen für eine Zusatzrente.

Wenn Sie damit mit 30 Jahren beginnen, haben sie bis zum Ruhestand wenigstens 30 Jahre Zeit. Starten Sie mit 40 Jahren, verbleiben 20 Jahre usw.

Wir halten es auch nicht für sinnvoll, die Zusammensetzung des Depots permanent an das Alter anzupassen. Aber wie gesagt, diese Frage muss jeder Anleger für sich selbst entscheiden.

Der Anleger ist 30 Jahre alt oder jünger.

Finanzprodukt

Portfolioanteil

Aktien/ETFs

65 %

Anleihen/Festgeld

20 %

Reits

10 %

Cash

Ziffer 5 %

Geldanlage zwischen 31 Jahren und 40 Jahren.

Finanzprodukt

Portfolioanteil

Aktien/ETFs

60 %

Anleihen/Festgeld

25 %

Reits

10 %

Cash

5 %

Geldanlage zwischen 40 Jahren und 55 Jahren.

Product Name

Price

Aktien/ETFs

50 %

Anleihen/Festgeld

35 %

Reits

10 %

Cash

5 %

Der Anleger ist 55 Jahre alt oder älter

Finanzprodukt

Portfolioanteil

Aktien/ETFs

30 %

Anleihen/Festgeld

50 %

Reits

10 %

Cash

10 %

Nochmals: Es handelt sich nur um beispielhafte Vorschläge und nicht um Empfehlungen.

Möglich, dass in Deutschland die Auswahl an Reits nicht allzu groß ist. Sind keine attraktiven Angebote vorhanden, sollte der Reit-Anteil vielleicht je zur Hälfte auf Aktien und Anleihen aufgeteilt werden.

Den Reit-Anteil durch die Aktie eines oder mehrerer Unternehmen aus dem Immobiliensektor zu ersetzen, ist nicht sehr sinnvoll.

100.000 Euro Portfolio: Rebalancing

Im Laufe der Zeit wird ein Portfolio aus den Fugen geraten. Die Aufteilung wird nicht mehr derjenigen des Anfangsbestandes entsprechen und/oder die Aufteilung entspricht nicht mehr dem Alter des Anlegers.

In der Regel wird es der Aktienanteil sein, der im Laufe der Zeit prozentual gegenüber den anderen Wertpapieren zulegt. Kommt es zu Kurseinbrüchen, kann aber theoretisch auch der entgegengesetzte Fall eintreten.

Die Frage ist, wie Sie als Anleger darauf reagieren können.

Häufig wird geraten, die ursprüngliche Gewichtung oder die nach dem Alter vorgesehene Gewichtung wieder herzustellen bzw. herzustellen.

Ein Rebalancing kann über zwei Wege hergestellt werden: durch Umschichtung oder durch Zukauf.

Umschichtungen haben den Nachteil, dass damit Kosten verbunden sind, die sich sehr negativ auf die durchschnittliche Rendite auswirken können. Einen Zukauf muss man sich natürlich leisten können.

Vielleicht sollte man das Rebalancing nicht allzu eng sehen. Entwickeln sich zum Beispiel die Aktien gut, wäre es gar nicht zu klug, umzuschichten.

In kursschwachen Zeiten entwickeln sich häufig Anleihen gut. Warum sollte man dann von Anleihen in Aktien umschichten?

Wenn Rebalancing, dann in langen Zeitintervallen und durch Zukauf.

Unseres Erachtens ist es sinnvoller, Gewinne einfach laufen zu lassen, selbst wenn die ursprüngliche oder die altersmäßig gewünschte Portfoliozusammensetzung dadurch aus den Angeln gehoben wird.

Eine Anpassung durch Umschichtung kann aber gegen Ende der geplanten Ansparphase sinnvoll sein. Nähert sich die geplante Laufzeit dem Ende, sollte der Aktienanteil vielleicht zugunsten von Festgeld oder Tagesgeld verringert werden.

100.000 Euro kurz und mittelfristig anlegen.

Sie möchten heute 100.000 Euro anlegen und planen, Ihr altes Auto in zwei Jahren durch ein neues Luxusauto zu ersetzen. Das neue Fahrzeug soll mit den angelegten 100.000 Euro finanziert werden.

Oder sie möchten das Geld definitiv für einen Immobilienkauf in drei Jahren verwenden.

Sollen 100.000 Euro kurz oder mittelfristig angelegt werden und/oder ist das Ende der Laufzeit eng umgrenzt, gelten andere als die oben aufgezeigten Regeln.

Wer das angelegte Geld in 2,3 oder 5 Jahren definitiv zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigt, um eine Investition zu tätigen oder beispielsweise ein bestehendes Darlehen abzulösen, für den ist ein hoher Aktienanteil ein Risiko.

Er kann Kursrückschläge nicht über längere Zeit aussitzen.

In solchen Fällen darf der Anlageschwerpunkt nicht auf Aktien liegen, will man keine unkalkulierbaren Risiken eingehen. Aktien können höchstens der Beimischung dienen.

Für kurz- und mittelfristige Geldanlagen eignet sich unseres Erachtens am besten Festgeld.

Gegenwärtig sind die Zinsen immer noch historisch niedrig. Irgendwann in der Zukunft werden sie aber wieder anziehen. Deswegen eignet sich gegenwärtig nur Festgeld mit einer Laufzeit von höchstens zwei Jahren.

Im umgekehrten Fall, wären wir gegenwärtig in einer Hochzinsphase, sodass mit niedrigeren Zinsen in der Zukunft zu rechnen wäre, kann Festgeld über die gesamte geplante Laufzeit der Geldanlage angelegt werden.